Preis für Freilichtmalerei 2019 Dem Himmel so nah

Daniel Schüßler geht auch heute noch mit Pinsel und Leinwand in die Natur, so wie einst die Maler der Dachauer Künstlerkolonie. Für sein Werk wurde er nun ausgezeichnet

Von Gregor Schiegl, Dachau

Um 1900 standen sie überall mit ihren Staffeleien und malten die sumpfigen Wiesen, die Bauern, die mit ihren schweren Ochsen die schwarze Dachauer Erde pflügten und die Wolken- und Lichtstimmungen über dem Moor. Heute ist die Freilichtmalerei etwas aus der Mode gekommen. In manchen ehemaligen Künstlerkolonien wird diese Tradition weiter gepflegt, aber eher als touristischer Event von zweifelhafter künstlerischer Qualität. "Das passt nicht zu Dachau", findet Oberbürgermeister Florian Hartmann. Und wenn man es historisch genau nimmt: Die Maler kamen ja in der Regel von auswärts - Carl Spitzweg, Lovis Corinth, Max Liebermann - und gingen dann wieder ihrer Wege. Das muss man vorausschicken, um zu verstehen, welchen Stellenwert der dotierte Preis für Landschaftsmalerei hat, den die der Gemäldegalerie Dachau angegliederten Dr. Ulrich und Gertrude Lechner-Stiftung am Dienstag an den Münchner Künstler Daniel Schüßler verliehen hat. Er ist der vierte Preisträger und der erste Mann, der die mit mehreren tausend Euro dotierte Auszeichnung erhalten hat.

Seit 2009 wird der Preis in dreijährigem Turnus an einen zeitgenössischen süddeutschen Maler vergeben, dessen Thema - anknüpfend an die Tradition der Dachauer Künstlerkolonie - die Landschaft ist. Der Preisträger sollte darüber hinaus bereits in der Neuen Galerie ausgestellt haben, was Schüßler aktuell auch tut. Der 42-Jährige, der als Kunstlehrer am Gymnasium Trudering arbeitet, hat sogar eine Szene aus dem Dachauer Moos gemalt. Aber eben modern: Mit dem Smartphone hat er hochkant ein Bild mit Panoramafunktion geschossen und dann inklusive schwarzen Randbalken des Displays auf die Leinwand gebracht. Eine Superperspektive, die die frontale Aufsicht auf die Landschaft mit der Perspektive auf den Erdboden und einen Himmel mit vervielfachten Wolken zeigt. Mit der idyllischen Landschaftsmalerei von anno 1900 hat das nicht mehr viel zu tun. Aber genau das hat dem Oberbürgermeister besonders gut gefallen: "dass man an das Alte anknüpft aber dabei eine ganz neue Form findet".Über die Vergabe des Preises entscheidet das Gremium der Dr. Ulrich und Gertrude Lechner-Stiftung, die aus den beiden Vorsitzenden des Zweckverbands Dachauer Galerien und Museen, dem Oberbürgermeister der Stadt Dachau und dem Landrat des Landkreises Dachau, sowie der Leiterin der Gemäldegalerie Dachau besteht.

Der 42-Jährige Daniel Schüßler, der als Kunstlehrer am Gymnasium Trudering arbeitet, hat eine Szene aus dem Dachauer Moos gemalt.

(Foto: Toni Heigl)

Mit der Auszeichnung reiht sich Daniel Schüßler in eine Reihe illustrer Preisträger ein. 2009 wurde Katharina Gaenssler ausgezeichnet, 2012 Sabine Berr und 2015 Esther Rutenfranz. "Ich habe mich wahnsinnig gefreut", sagt der Künstler. "Ich sehe es als Anerkennung für die Arbeit der vergangenen drei Jahre." Rauszugehen in die freie Natur und zu malen, "das war immer meine Intention." Als wetterfeste Staffelei hat sich Daniel Schüßler ein Fotostativ umgebaut. Am liebsten malt er mit Gouache-Farben; die sind besonders pigmentstark und in kleinen Tuben abgepackt und lassen sich deshalb besonders leicht transportieren. Mit einem Rucksack, Leinwand, Papier und Farben begibt er sich auf Entdeckungsreise und fängt Lichtstimmungen ein, wie man sie nur als Maler wiedergeben kann. "Mit Foto oder iPhone funktioniert das nicht", sagt der Künstler; das ist ja auch der Grund, warum er draußen malt.

Ein Vergnügen ist das beileibe nicht immer. Eine Abendszene am Sylvensteinspeicher hat er unter einer Autobrücke sitzend angefertigt, während der Verkehr über seinen Kopf donnerte, "eine absurde Situation" - eine Bergszene hat er gemalt, als der Regen einsetzte, was auch auf dem Blatt mit der wasserlöslichen Farbe erkennbare Spuren hinterlassen hat. Und wenn es nicht regnet und die Sonne sticht, stechen eben die Mücken. "Man muss sich manchmal schon treten, dass man draußen malt", sagt Schüßler und lacht. Als Auszeichnung und Motivation geht der Preis damit wohl an die richtige Adresse. So sieht das auch die Leiterin der Gemäldegalerie, Elisabeth Boser: "Für mich ist wichtig, dass die Tradition immer noch weiter verfolgt wird."

Landrat Stefan Löwl (links), Galerieleiterin Elisabeth Boser und OB Florian Hartmann (re.) gratulieren Daniel Schüßler.

(Foto: Toni Heigl)

Wer die Arbeiten von Daniel Schüßler sehen will, hat dazu in Dachau noch bis zum 24. März Gelegenheit. Seine Bilder sind in der Ausstellung "Landschaftsmalerei. Zeitgenössische Positionen III" in der Neuen Galerie Dachau zu sehen.