Polizei ermittelt Die seriösen Betrüger

Ein Brillenfachgeschäft hat an Dachauer Geschäftsleute eine ungewöhnliche Mail verschickt: Vorsicht, in der Stadt sind EC-Karten-Betrüger unterwegs.

Von Robert Stocker

Das Brillenfachgeschäft Optik Tannek hat jetzt an Dachauer Geschäftsleute eine ungewöhnliche Mail verschickt: Vorsicht, in der Stadt sind EC-Karten-Betrüger unterwegs. Das Geschäft ging Ende Juni einem Pärchen auf den Leim, das mit einer manipulierten Karte Waren im Wert von 400 Euro bezahlte. Noch am selben Tag wurde die Frau in einem Dachauer Schmuckgeschäft vorstellig und kaufte dort ein Collier für 800 Euro. In beiden Fällen stellte sich erst nach Tagen heraus, dass die angegebenen Konten nicht existieren. Die Geschäftsinhaber haben Strafanzeige gestellt, die Ermittlungen laufen noch.

Sie verhalten sich völlig normal, wirken wie seriöse Kunden und bezahlen nie mit Bargeld: Immer wieder prellen Betrüger Geschäftsleute mit manipulierten EC-Karten, deren Daten sie kopiert oder gestohlen haben. Am 22.Juni kam eine Frau im Alter zwischen 40 und 50 Jahren in das Brillenfachgeschäft Optik Tannek in der Münchner Straße und sah sich im Laden mehrere Sonnenbrillen an; ihr Partner wartete in einem Auto vor dem Laden. Die Frau, die mit osteuropäischem Akzent sprach, kaufte schließlich Brillen im Wert von 400 Euro. "Sie wirkte völlig seriös und gab sich wie eine normale Kundin", sagt Geschäftsführer Christian Tannek. Zunächst gab sie dem Verkaufspersonal eine Karte, die über das klassische Lastschriftverfahren funktioniert, bei dem der Kunde auch unterschreiben muss. Doch die Kasse akzeptierte die Karte nicht. Dann zückte die Frau sofort eine andere Karte, bei der das PIN-Verfahren funktionierte - zunächst. Ein paar Tage später kam die böse Überraschung: Die Kaufsumme konnte gar nicht abgebucht werden, weil das angegebene Konto nicht existierte. Das Geschäftskonto von Optik Tannek wurde mit dem Betrag wieder belastet - inklusive Bankgebühren. Wie sich anschließend herausstellte, wurde die Karte mit gestohlenen oder kopierten Daten so manipuliert, dass sie im Geschäft zunächst funktionierte.

Eine Stunde später kreuzte das Pärchen in einem Dachauer Schmuckgeschäft auf und ließ sich dort ein Collier im Wert von 800 Euro geben. Auch hier bezahlte es mit einer EC-Karte, die sich später als manipuliert erwies. Das Pärchen ist seither spurlos verschwunden, auch der Besitzer des Schmuckgeschäfts stellte Strafanzeige. "Die Ermittlungen dauern noch an", sagt ein Sprecher der Polizeiinspektion. Christian Tannek hat unterdessen die Dachauer Geschäftsleute für das Pärchen sensibilisiert. "Wir sind leider schon betroffen, aber Euch möchte ich vor den Betrügern warnen", schreibt er in einer Mail an die Kollegen. Die Karte der beiden Betrüger sei von der Commerzbank ausgestellt und habe die Kontonummer 0447314000 und die Bankleitzahl 70080000.

Die Ermittlungen in solchen Fällen sind für die Polizei in aller Regel schwierig. "Ein Datenabgleich mit anderen Fällen ist sehr aufwendig", sagt Ulrich Pöpsel, Pressesprecher des Ingolstädter Polizeipräsidiums. "Man muss das Glück haben, dass die Täter von einer Videoüberwachung erfasst werden." Bei der Zurückverfolgung der Kundendaten stellt sich häufig heraus, dass das Konto unter einem falschen Namen eröffnet wurde und die Adresse des Konto-Inhabers nicht existiert. Häufig handelt es sich bei den Betrügern um eine organisierte Gruppe. "Sie sind eine gewisse Zeit in einer Region, wenn das Pflaster für sie zu heiß wird, fahren sie weiter."