Pläne von MAN Die Karlsfelder werden ungeduldig

MAN-Pläne zur Grundwasserentnahme sind zwar vorerst gestoppt, aber Bürger wollen wissen, wie es weiter geht

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Während die Gärtner sich nach Regen sehnen, sind viele Karlsfelder sicher froh über die Trockenheit. Mehr noch als eingehende Pflanzen fürchten sie nämlich Wasser im Keller. Seit bekannt wurde, dass die Firma MAN Truck & Bus in großem Umfang Grundwasser entnehmen und wieder einspeisen darf, sind alle Hausbesitzer in Karlsfeld alarmiert. Etwa 700 haben bereits gegen die Genehmigung durch die Stadt München unterschrieben. Übergeben haben sie die Liste dem Bürgermeister aber noch nicht. Momentan wartet man gespannt ab, wie sich die Sache entwickelt. Eine Lösung bahne sich an, hatte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) Ende Juli die aufgebrachten Karlsfelder beschwichtigt und um Geduld gebeten. Die Gemeinde hat vorsichtshalber im Sommer Klage erhoben, um eine Erhöhung des Grundwasserspiegels zu verhindern. Mehr noch setzt Kolbe aber auf die Gespräche, die derzeit mit Stadt, Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt, Regierung von Oberbayern und MAN geführt werden.

Die Genehmigung zur Entnahme und Rückführung von knapp zehn Millionen Kubikmeter Grundwasser ist vorerst ausgesetzt. Bei MAN ist man darüber wenig beglückt. "Durch die verschobene Inbetriebnahme geht ein Teil der Wirtschaftlichkeit des Projekts verloren", erklärt Unternehmenssprecher Stefan Klatt der Süddeutschen Zeitung. Mit der Brunnenwasseranlage zur umweltfreundlichen Kühlung von Gebäuden und Produktion wollte das Nutzfahrzeugwerk den Kohlendioxidausstoß um 2250 Tonnen senken. Die Anlage gehörte zu den Maßnahmen, mit deren Hilfe MAN bis 2020 zur "grünen Fabrik" werden sollte. Vergangenes Jahr wurde die Firma deshalb sogar mit dem Lean & Green Management Award ausgezeichnet.

Doch derzeit werden die Anlagen nicht mit Wasser, sondern mit Strom gekühlt. Eine Einschränkung der Produktion gebe es zwar nicht, erklärt der Unternehmenssprecher. Aber der Stromverbrauch und damit auch der Kohlendioxidausstoß ist deutlich höher, als es notwendig wäre. Wenn man klimafreundlich produzieren wolle, sei es nur so möglich, betont Klatt. Und so hofft MAN noch immer, eine Einigung mit der Gemeinde Karlsfeld zu finden.

Die Firma sollte einen Maßnahmenkatalog ausarbeiten, wie man die Anhebung des Grundwasserspiegels verhindern könne. "Es gibt bereits ein Konzept zur Reduzierung der Grundwasserbeeinträchtigung", so Klatt. Es würde aber noch von externen Gutachtern bewertet. Bürgermeister Kolbe bestätigte, dass man in der Besprechung Anfang November bereits darüber diskutiert habe. Zufrieden waren die Behördenvertreter offenbar noch nicht. Das Konzept müsse noch überarbeitet werden, sagt Kolbe. Anfang nächsten Jahres werde man es den Karlsfeldern im Rahmen einer Bürgerinformation präsentieren, versprach der Rathauschef.

Unterdessen hat sich auch Architekt und Gemeinderat Bernd Rath (Bündnis) Gedanken gemacht. Er erinnerte sich an ein moorökologisches Gutachten aus dem Jahr 2015, das die Renaturierung der von Austrocknung bedrohten Gebiete im Krenmoos und Schwarzhölzl empfahl, indem man Wasser dorthin leite. Deshalb schlug er jetzt vor, dass die Firma MAN, das entnommene Grundwasser nicht auf dem Firmengelände in den Boden zurückführe, sondern es ins Moos ableite. Auf diese Weise würde die Gefahr des Grundwasseranstiegs im Gemeindegebiet Karlsfeld gebannt sein. Die Regierung von Oberbayern fand die Idee zwar "interessant", allerdings sei dies keine kurzfristige Lösung, erklärte ein Sprecher der SZ. Eine moorökologische Einspeisung bedürfe einer "größeren ökologischen und wasserhaushaltlichen Untersuchung", heißt es in der Stellungnahme. Deshalb habe man sie bei den Gesprächen nur "am Rande thematisiert". Nur der Stufenplan des hydrologischen Planungsbüros biete eine kurzfristige Lösung, so die Regierung.

In der nächsten Gemeinderatssitzung am Donnerstag, 29. November, um 19 Uhr will Kolbe die Bürger über den derzeitigen Sachstand der Gespräche aufklären. Denn die Karlsfelder werden langsam unruhig. Drei Monate lang haben sie nichts mehr gehört, obwohl ihnen das Thema auf den Nägeln brennt.