Pläne für Industriefläche Das Jahrhundertprojekt

Auf dem ehemaligen MD-Gelände könnte ein Museumsforum entstehen. Das Vorhaben würde das Gesicht der Stadt Dachau entscheidend prägen. Im Herbst sollen im Stadtrat die ersten Weichen gestellt werden

Von Helmut Zeller, Dachau

Marianne Klaffki , stellvertretende Landrätin (SPD), ist begeistert. Es wäre aber auch deutschlandweit ein einmaliges Projekt: ein Museumsforum auf der 17 Hektar großen Industriebrache am Rande der Dachauer Altstadt. Einmalig deshalb, weil das Konzept eine Verbindung von Museen zur Volkskunde, Bildenden Kunst sowie Sozial- und Wirtschaftsgeschichte zu einem dynamischen Museum vorsieht. Einmalig wäre das Projekt auch deshalb, weil es viel mehr als ein Museum wäre, wie Kreisrätin Marianne Klaffki (SPD) sagt. Das Konzept sehe ein lebendiges, inklusives Kulturzentrum vor, das sich nicht von der Bevölkerung abschließe, sondern mit ihr lebe, zum Mittelpunkt einer lebendigen Zivilgesellschaft heranwachsen solle. Im Herbst werden die ersten Weichen gestellt: Die Politik steht vor einer Entscheidung, die weit in die Zukunft hinein das Gesicht der Stadt Dachau prägen wird - wenn die Kommunalpolitiker dem Projekt zustimmen.

Das Projekt - Träger des Museumsforums wären der Bezirk Oberbayern, der Landkreis und die Stadt Dachau - hat viele Befürworter. Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU), der zusammen mit dem Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler überhaupt als erster vor Jahren schon die Idee für die Errichtung eines Arbeiter- und Industriemuseums auf dem ehemaligen MD-Gelände hatte. Auch Landrat Stefan Löwl (CSU) und Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) wollen die Idee realisieren. Zeitgeschichtsreferent Günter Heinritz (SPD) nannte das Konzept "bestechend". Hartmann verspricht sich davon eine "erhebliche Aufwertung des Kulturstandorts Dachau". Ungefähr ein Drittel der 40 Stadträte sollen es Informationen der SZ zufolge genauso sehen. Der Kulturausschuss wird in seiner Sitzung am 2. Oktober ein Signal für die Zukunft des Museumsprojekts setzen. An diesem Tag entscheiden die Mitglieder des beschlussfähigen Gremiums über den Auftrag zu einem Gutachten. Untersucht werden soll die Gebäudesubstanz der ehemaligen Fabrikhäuser auf dem Areal, die Altlasten auf den Flächen - und was an Sanierungskosten anfallen würde.

Aber es gibt doch auch Stadträte in Dachau, die dem Projekt eher skeptisch gegenüber stehen - vor allem in der CSU-Fraktion sind sie Informationen der SZ zufolge zu finden. Das weist Verkehrsreferent Peter Strauch jedoch zurück. Der CSU-Stadtrat sagt: "Wir sind nicht komplett dagegen." Zunächst brauche man alle Daten, um sich eine abschließende Meinung bilden zu können. Für Strauch und seine Fraktion sind zwei Fragen entscheidend: "Was hat der Bürger davon, und was kostet es?"

Der Entwurf zeigt, wie das Museumsforum aussehen könnte.

(Foto: oh)

Das beantwortet zumindest zum Teil die Machbarkeitsstudie, die den politischen Gremien noch vor den Herbstsitzungen zugehen wird. Die Studie über die inhaltliche Ausrichtung des Museumsforums liegt öffentlich noch nicht vor, wurde aber im Dezember 2016 den Gremien bereits kurz vorgestellt. Noch im Oktober werden sich auch der Dachauer Kreisausschuss und der Hauptausschuss des Bezirks Oberbayern mit der Sache befassen. Auch der Ausgang dieser Beratungen ist noch offen.

Bezirkstagspräsident Josef Mederer äußert im Gespräch mit der SZ Verständnis für, wie er sagt, "berechtigte Anmerkungen" aus dem Stadtrat, etwa zu den Altlasten auf dem Gelände der früheren Papierfabrik. Da es um Entscheidungen von großer Tragweite geht, habe man, so Mederer, sich ja zu einem "ein schrittweisen Vortasten" entschlossen, im Auftrag aller politischen Gremien der drei möglichen Träger des Projekts.

Was bisher aber klar ist: Für den Landkreis und die Stadt als bisherige Träger der Dachauer Museen würde der laufende Betrieb des Museumsforums nicht mehr kosten, vielleicht sogar günstiger ausfallen als bisher. Dachauer Galerien, Künstlervereinigung (KVD), Bezirksmuseum sowie Arbeiter- Industriemuseum würden auf dem MD-Areal zusammengelegt. Als dritter Träger im Bunde fungiert dann der Bezirk Oberbayern. Oberbürgermeister Hartmann erwartet, dass zumindest keine wesentlichen Mehrkosten des laufenden Betriebs für den Landkreis und die Stadt entstünden.

Die Pläne für ein Museumsforum sind mit dem Bebauungsplan für die gesamte Industriebrache gekoppelt. Das Unternehmen Isaria (Münchner Wohnbau AG), seit 2017 Mehrheitseigner der Dachau Entwicklungsgesellschaft, hat seine Zustimmung schon signalisiert. Sowohl Isaria als auch die Stadt Dachau brauchen Planungssicherheit, sagt Mederer.

Stadtrat Wolfgang Moll (parteifrei) kann sich für die Idee erwärmen. Durch die Konzentration der Museen an einem Ort, sagt er, könnten die einzelnen Einrichtungen sogar wirtschaftlicher arbeiten. Außerdem verweist er auf einen weiteren gewichtigen Aspekt: Wenn das Bezirksmuseum neben dem Rathaus auszieht, dann würden die Räume für die Stadtverwaltung frei, die unter arger Platznot leidet, könnten also wiederum auf dieser Seite Kosten gespart werden. Moll wird für das Projekt stimmen, auch wenn einzelne Punkte noch diskutiert werden müssten, damit es am Ende eine "richtige Nummer" wird.

Auf dem Gelände befindet sich auch das Museum der alten Papierfabrik.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Das schwebt eben auch Marianne Klaffki vor. Zusammen mit Josef Mederer hat sie in den vergangenen Jahren Museen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz besucht und mit Museumsleitern intensive Gespräche geführt. Zum Beispiel die Hansestadt Lübeck: "Das Museumsquartier Lübeck ist ein Ort der Kunst und der Begegnung, an dem Inklusion ihren festen Platz findet", wie Mederer sichtlich beeindruckt nach seiner Heimkehr erklärte. Der Gedanke der Inklusion spielt in den Überlegungen von Mederer und auch Klaffki eine zentrale Rolle.

Die stellvertretende Landrätin denkt noch an weitere Einrichtungen im Museumsforum: eine Demokratiewerkstatt für junge Menschen, eine Druckwerkstatt, vielleicht auch das Bankenmuseum der Volksbank Raiffeisenbank. Klaffki stellt sich auch zeitgeschichtliche Veranstaltungen vor, eine interaktive Ausrichtung der Museen wie etwa in der Basler Papiermühle, in der die Besucher künstlerisch tätig werden könnten. Ein Zentrum für Bildung und Forschung, Kunst und Kultur und der Zivilgesellschaft soll in der ehemaligen Papierhalle an der Ludwig-Thoma-Straße entstehen.

Bis Sommer 2019 sollen die politischen Entscheidungen gefallen sein. Bis dahin müssen die Initiatoren des Projekts noch einige Überzeugungsarbeit leisten. Nicht bei Stadtrat Moll. Er ist überzeugt: "Das ist die Chance eines großen Wurfs für die Stadt Dachau."