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Picknicksommer in Petershausen:Ein Konzert zum Dahinschmelzen

Picknick Konzert

Die Künstlerin Holylight freut sich über die kleine, aber aufmerksame Schar junger Zuhörer bei ihrem Konzertauftritt in Petershausen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

"Holylight" und "Davidson" spielen ihre Songs beim Petershausener Sommerpicknick vor einem kleinen hitzeresistenten Publikum

Von Emily Strunk, Petershausen

Der Schweiß steht Olaf Schräder auf der Stirn. Es ist heiß, sehr heiß. Bei 36 Grad in der Sonne hat der Leiter des Jugendzentrums in Petershausen am Freitagnachmittag alles für das Picknickkonzert auf der Wiese beim Sportgelände der Grundschule aufgebaut. Die Besucherzahl jedoch ist eher klein. Schräder nimmt's gelassen und freut sich nicht minder auf den Abend: "Ich kann jeden verstehen, der bei der Hitze nicht kommt".

Knapp 25 Besucher haben sich am Freitagabend in den rosa markierten Kreisen auf der Wiese verteilt und die wenigen Schattenplätze in Beschlag genommen. Gähnende Leere herrscht in den Kreisen, die sich in der prallen Sonne befinden. Eine Besucherin hat in weiser Voraussicht sogar eine Strandmuschel als Schattenspender mitgebracht - Urlaubsfeeling vom Feinsten. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich, trotz Hitze.

Den Start bei diesem "Petershausener Sommerpicknick" macht die Künstlerin Holylight, im Alltag bekannt als Alex, die die Besucher mit einem Mix aus eigenen und gecoverten Songs unterhält. Mit ihrer Gitarre auf einem Hocker vor dem Mikrofon sitzend freut sie sich über alle Besucher, die gekommen sind: "Es ist richtig, richtig heiß. Umso schöner, dass ihr alle da seid!" Die Singer-Songwriterin untermauert mit ihrer Musik das Picknick-Flair. Die Zuschauer wiegen sich im Takt, liegen auf Bauch oder Rücken, manch einer blickt verträumt in den azurblauen Himmel und genießt die Klänge. Mit ihrem letzten Lied des Abends "Hell" gelingt es der jungen Künstlerin, ihre Zuschauer zum Mitklatschen zu motivieren. Das Publikum tut ihr den Gefallen und Holylight freut sich sehr "Das war ein Eins-A-Klatschtakt und ein tolles Gefühl, ich danke euch!"

Es folgt der Künstler "Davidson, alias Ben", wie er sich selbst vorstellt. Kaum sitzt er mit seiner Gitarre vor dem Mikrofon, versprüht er gute Laune und zieht sogleich sein Publikum in den Bann. Davidson ist kein Anfänger, er steht bereits seit Jahren auf der Bühne. Früher zusammen mit der Dachauer Indie-Rock-Band Kandinsky, inzwischen ist er frisch gebackener Solokünstler. Die Lieder, die er gut gelaunt seinem Publikum vorspielt, stammen alle aus eigener Feder; veröffentlicht hat er bisher nur eins - unter dem Titel "Du weißt".

Mit seiner Musik deckt Davidson alle Facetten an Emotionen des Lebens und des Alltags ab. So nimmt er sein Publikum mit in träumerische Welten der ironischen Selbstkritik ("Träume") oder erinnert in "Bilder aus Worten" an die Schönheit des Landlebens, wo man noch mit dem Fahrrad zur Schule fährt und sicher weiß, dass die Kühe nicht lila sind. In anderen Stücken, wie "So gern dabei" oder "Vielleicht" trägt seine Stimme den Schmerz des Vermissens und die Sehnsucht nach Vergangenem über die weite Wiese und verhallt langsam am Rande der Freifläche. Wie er selbst erklärt: "Über alles, was mir im Kopf herumschwirrt, versuche ich ein Lied zu machen." Das helfe ihm dabei, Themen und Begegnungen zu reflektieren und so besser damit umgehen zu können, erklärt der Künstler.

Die vielfältige Musik, unterlegt mit Gitarre oder Klavier, lockt immer wieder Schaulustige aus ihren Wohnungen der Umgebung oder von den Pfaden der abendlichen Tour mit dem Fahrrad, Hund oder Kind, die sich neugierig im Hintergrund versammeln und sich sogleich im Takt der Musik mitwiegen. Mittlerweile geht die Sonne langsam hinter der Kirche unter, ein goldenes Licht tränkt die Szenerie, und auch Davidson ist am Ende seines Programms angekommen.

Mit seinem letzten Lied "Vielleicht" schüttelt er noch einmal die Trägheit von seinem Publikum, lässt sie aufstehen und nach ein paar Aufwärmübungen klatschen und singen alle unter der Leitung Davidsons mit. Auch er bedankt sich überschwänglich: "Ich möchte Danke sagen, dass ihr trotz aller Hitze gekommen seid!"

© SZ vom 25.08.2020

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