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Pflegenotstand:Warnstreiks an Kliniken

Die Gewerkschaft Verdi ruft an diesem Dienstag zum Warnstreik bei der Helios Amper Kliniken AG auf. Nur die Notversorgung wird nicht einbezogen

Die Warnstreiks an den Kliniken in Dachau und Markt Indersdorf an diesem Dienstag werden vermutlich ein solches Ausmaß annehmen, dass nur die Notversorgung nicht einbezogen wird. Darauf haben sich die Gewerkschaft Verdi, der Betriebsrat und die Geschäftsführung unter Thomas Eberl geeinigt. Die Meinungsverschiedenheiten beginnen schon bei der Frage, um was gestritten wird. Die Helios Amperklinikum AG rückt ihr Tarifangebot auf eine Erhöhung der Löhne um 3,5 Prozent in den Vordergrund. Gewerkschaft und Betriebsrat dagegen pochen auf einen Vertrag mit verbindlichem Pflegeschlüssel.

Helios-Geschäftsführer Eberl bedauert, dass die Gegenseite "schon zu einem so frühen Zeitpunkt in den Verhandlungen zu Warnstreiks aufruft". Denn die erste Runde habe erst am Dienstag, 29. August, stattgefunden. Die zweite sei für den Mittwoch, 11. Oktober, terminiert. Dagegen betont Verdi-Vertreter Christian Reischl, dass es den Pflegekräften nicht ums Geld, sondern um die Qualität der Arbeit und damit um die Betreuung der Patienten gehe. Deshalb poche die Gewerkschaft auf einen Tarifvertrag analog zu dem mit der Charité in Berlin. Darin seien Mindeststandards der Pflege und auch des Personals pro Abteilung festgeschrieben. "Aber Helios blockt ab und weigert sich, über die Verbesserung der Pflege überhaupt zu sprechen", sagt Reischl: "Das ist für uns unannehmbar. Deswegen wird gestreikt."

Das Unternehmen wiederum verweist auf die laufenden Gespräche auf Bundesebene. Das Gesundheitsministerium hat Krankenkassen und Krankenhausgesellschaften aufgefordert, bis zum Jahr 2019 ein Konzept für einen Pflegeschlüssel vorzulegen. Verdi kritisiert, dass sie zu diesen Gesprächen nicht einmal eingeladen sei. Somit würde über die Zukunft der Pflege in Deutschland im Auftrag der Bundesregierung ausschließlich die Arbeitgeberseite befragt und entscheiden. Der Warnstreik beginnt an diesem Dienstag um sechs Uhr und dauert bis 24 Uhr an.

© SZ vom 19.09.2017 / we
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