Pflanzen, pflegen, stutzen So grün ist die Stadt Dachau

Wie an der Schleißheimer Straße müssen 14 850 Bäume regelmäßig gepflegt werden.

(Foto: Fotos: Niels Jørgensen)

Im Stadtrat herrscht Einigkeit, dass so viele Pflanzen wie möglich Dachau verschönern sollen. Doch welche Art es sein soll, ist oft nicht leicht zu entscheiden.

Von Viktoria Großmann, Dachau

Es ist nicht so einfach, einen Baum zu pflanzen. Der Leiter der Abteilung Stadtgrün, Stefan Tischer, zählt auf, worauf er alles achten muss. Zunächst natürlich darauf, dass der Baum verschiedene Witterungen aushält. Immer heißere Sommer, aber trotzdem auch Frost. Nicht zu viele Früchte soll er haben, weil diese ja im Herbst weggeräumt werden müssen. Und was zu stark blüht, das stört die Allergiker. Auch mit Krankheiten haben viele Bäume zu kämpfen. Deswegen wurden besonders in Dachau Süd viele Eschen gefällt. Kastanien werden kaum noch gepflanzt, weil seit Jahren die Miniermotte die Bäume ab dem Sommer unansehnlich werden lässt. Sie werden vorzeitig braun und verlieren ihr Laub. "Ab und zu pflanzen wir noch eine Rosskastanie an Spielplätzen", sagt der Landschaftsarchitekt. "Für die Kinder ist das wichtig, da gibt es etwas zum Sammeln und Basteln."

Außer mit Straßen und Sportplätzen müssen sich die Stadträte öfter auch mit Bäumen beschäftigen. Nun hatte das Bündnis für Dachau einen Antrag für mehr Bäume in der Stadt gestellt, und Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) hat daraufhin seine Verwaltung gefragt, wie viele Bäume in der Stadt gepflegt, gestutzt, gepflanzt und gefällt werden. Deutlich wurde, dass in den vergangenen Jahren mehr gepflanzt als gefällt wurde. Alle Fraktionen messen dem Straßengrün nach dem vergangenen heißen Sommer noch mehr Bedeutung bei. Gleichzeitig aber wird es schwieriger, den richtigen Baum zu finden.

"Mit den einheimischen Arten kommen wir nicht mehr aus", sagt Tischer. Ahorn-, Eichen- und Lindenarten, die in Italien oder auf dem Balkan heimisch sind, wachsen nun auch in Dachau. So wurden an der Hermann-Stockmann-Straße italienische Erlen gepflanzt. In vielen Straßen steht französischer Spitzahorn. Auch Silberlinden stammen aus Südeuropa. Sie kommen besser mit dem versiegelten Straßenraum zurecht, sagt Tischer.

"Den perfekten Baum gibt es nicht"

So ganz neu ist der Trend zum fremdartigen Baum nicht. Auch der 100 Jahre alte Baum am Widerstandsplatz in der Altstadt ist eine exotische Silberlinde. Für ganz traditionelle Ulmen hat sich die Stadtgärtnerei für die Würmstraße entschieden. Durch starken Sturm sind dort im vergangenen Sommer einige Robinien umgerissen worden. "Ulmen haben tiefe Wurzeln", erklärt Tischer. Er hofft, dass sie Stürmen besser Widerstand bieten können. Wenn die Bäume ihre Wurzeln tief in den Boden wachsen lassen, ist außerdem der Straßenbelag weniger in Gefahr, angehoben zu werden. Robinien sind Flachwurzler, sie brechen oft den Boden auf. Die Ulmen reagieren zudem nicht so empfindlich auf Salz. Das Streusalz im Winter kann Bäume absterben lassen. Wenn es zuviel wird, gibt der Baum mehr Wasser ab, als er aufnimmt und trocknet aus.

Doch auch viele Ulmen waren zuletzt von einer Pilzkrankheit betroffen, die von Insekten verbreitet wurde. Die Stadt hofft, eine resistente Ulmenart gefunden zu haben. Robinien verzaubern besonders im Frühling die gesamte Altstadt mit ihren traubenartigen Blüten und dem süßen Duft. Tischer schätzt das lichte, zarte Laub der Robinie, das Schatten spenden kann, aber doch noch Licht bis zum Boden vordringen lässt. Sie gehört zur häufigsten Baumart im Dachauer Stadtgebiet.

Gefolgt von der Birke. Die Birke, sagt Tischer, sei vielleicht der typischste Baum für die Gegend. Die Birke mit ihrem markanten weißen Stamm und dem zartgrünen Laub verweist auf die Dachauer Mooslandschaft, sie steht häufig an Gewässern und Gräben, braucht einen feuchten Boden. An der Alten Römerstraße zieht sich eine ganze Reihe entlang, auch die Langwiederstraße ist von Birken gesäumt. Nur leider mögen einige Menschen Birken nicht, bedauert Tischer, weil die Pollen des Baumes im Frühjahr für Allergiker zu einer Qual werden können.

"Den perfekten Baum gibt es nicht", sagt Tischer. Regelmäßig besuchen er und sein Team Fachmessen wie die Baumpflegetage in Augsburg und bilden sich ständig weiter. Die Setzlinge bezieht die Stadt aus verschiedenen Baumschulen. Gesetzt werden Bäume mit einem Umfang von 18 bis 20 Zentimetern und einer Höhe von drei bis fünf Metern. "Wenn sie kleiner sind, werden sie oft beschädigt oder nicht richtig wahrgenommen." In der Landeshauptstadt setze man teilweise Bäume mit bis zu 30 Zentimeter Umfang und acht Metern Höhe. Diese bräuchten dann aber etwas länger, um sich weiter zu entwickeln.

Dachau liefert mit einigen Baumarten auch Forschungsdaten für ein bayerisches Straßenbaum-Projekt. So gibt es seit einiger Zeit Versuche mit dem nordamerikanischen Amberbaum. Er ist schlank und kommt seiner Umgebung wenig in die Quere, blüht unauffällig und wirft im Herbst wenige Früchte ab. Interessant ist er für Dachau vor allem deshalb, weil er mit dem Lehmboden gut zurecht kommt. Die teilweise massiven Lehmschichten legen schon mal Bauarbeiten lahm. Den Baum stören sie nicht. Amberbäume stehen etwa in der Krankenhausstraße.

In der Altstadt wurden zuletzt zwei der im Frühjahr duftenden Robinien gefällt. Sie sollen im Herbst ersetzt werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Natürlich ist Dachau nicht allein mit seiner Sorge um den Straßenbaum. Die Stadt liefert Daten für das bayerische Projekt "Stadtgrün 2021: Neue Bäume braucht das Land". Es handelt sich um ein "Klimawandel-Projekt" der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Besonders beobachtet werden Baumpflanzungen in Würzburg, Hof und Kempten. Diese drei Orte präsentieren drei Klimazonen. In ganz Bayern beteiligen sich seit 2010 35 Städte und Gemeinden am bayerischen Netzwerk Klimabäume. Im Großraum München ist das neben Dachau nur Poing im Landkreis Ebersberg. Für Stefan Tischer ist besonders der französische Ahorn interessant.

Wie viele Bäume wirklich im Stadtgebiet stehen, könne keiner genau sagen, erklärt Tischer. Nach einer sehr groben Schätzung, sagt Tischer, seien es etwa 47 000, der Stadtwald ist darin nicht eingerechnet. Was gefällt und gepflanzt wird, zählt auch nur jene Abteilung, die für die Baumpflege zuständig ist. Baumfällungen durch die Stadtwerke, etwa an der Amper, oder Pflanzungen der Stadtbau, selbst Rodungen auf dem Gelände von ASV und TSV sind nicht eingerechnet. Gerade aber legt die Stadt ein digitales Baumkataster an. Dann wird Tischer genau wissen, wie viele Birken in Dachau stehen.

Bündnisantrag

Mit einem Antrag wollte das Bündnis für Dachau im Umwelt- und Verkehrsausschuss erreichen, dass grundsätzlich mehr Bäume im Stadtgebiet gepflanzt werden. Die Verwaltung und die anderen Fraktionen störten sich an der Formulierung, dass die Straßen "systematisch auf Möglichkeiten zur Baumbepflanzung überprüft" werden sollten. Man tue bereits genug. Gerade bei Sanierungen werde auf ausreichende Bepflanzung geachtet, erklärt das Stadtbauamt. Eine Klimaanalyse hatte gezeigt, dass besonders Straßen ohne Bepflanzung von Überhitzung betroffen sind. Weshalb auch die Verwaltung mehr Grün anstrebt. Auch bei privaten Bäumen dürfen die Stadträte mitreden. So genehmigten sie die Fällung der Bäume vor der Kirche St. Jakob in der Altstadt. Abgelehnt wurde 2017 ein Antrag der Freien Wähler, fremdländische Gleditschien wegen ihrer Stacheln zu fällen und durch einheimische Bäume zu ersetzen. Die Stadt achtet auch auf Blühstreifen und Bienenwiesen. Er melde dem Stadtgärtner oft Ideen, sagt Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). "Diese Stellen sehen dann etwas wilder aus, aber es spart auch Geld und Arbeit." VGR