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Leinenzwang:Aufstand der Hundehalter

Die Besitzer großer Tiere fordern die Gemeinde Pfaffenhofen auf, den Leinenzwang wieder aufzuheben. Sie weisen auf einen Fehler der Verordnung hin: Die Gemeinde hat keine Freilaufflächen ausgewiesen

Die Gemeinde Pfaffenhofen hat beim Erlass einer Anleinverordnung für Hunde die Rechnung ohne den Bürger gemacht: Als das Thema jetzt erneut auf der Tagesordnung des Gemeinderats stand, saßen zahlreiche Hundebesitzer auf den Zuhörerbänken des Sitzungssaals. Sie wollen eine generelle Anleinpflicht für sogenannte "Kampfhunde" und "große Hunde" mit einer Schulterhöhe über 50 Zentimetern, die nicht nur in den Ortschaften, sondern auch auf allen öffentlichen Feldwegen gelten soll, nicht hinnehmen. Verschiedentlich hätten sich Bürger auch telefonisch bei ihm gemeldet, teilte Bürgermeister Helmut Zech (CSU) in der Sitzung mit. Solche, die sich gegen den verordneten Leinenzwang ausgesprochen haben und andere, die ihn begrüßt hätten, sagte Zech.

Eines hat die Gemeinde bei der Abfassung der Verordnung offensichtlich übersehen: Sie hätte parallel zum Erlass der Leinenpflicht eine Freilauffläche ausweisen müssen. Helmut Zech spricht hier von einem "Versehen der Verwaltung". Von Seiten der Hundebesitzer wurde der Bürgermeister aber auch auf einen anderen juristisch wohl fehlerhaften Punkt in der Verordnung hingewiesen: Im Landesstraf- und Verordnungsgesetz, auf das sich die Gemeinde explizit bezieht, steht, dass bei der Definition eines "großen Hundes" die tatsächliche Größe eines Tieres ausschlaggebend sei und es keine Rolle spielen dürfe, "ob ein Tier einer bestimmten Rasse gewöhnlich eine derartige Schulterhöhe erreicht". Der in Pfaffenhofen nicht nur für Hunde ab einer Schulterhöhe von 50 Zentimetern, sondern darüber hinaus generell für bestimmte Rassen verordnete Leinenzwang widerspricht dem eklatant. "Sie verstoßen hier ganz offensichtlich gegen das Gesetz", mussten sich Bürgermeister und Gemeinderat sagen lassen. "Das ist uns nicht bewusst, wir werden das prüfen", erwiderte Zech.

Nicht nur um einzelne Paragrafen der Pfaffenhofener Hundeverordnung aber geht es den Hundebesitzern, sondern um deren Inhalt insgesamt. "Sie holen sich ein massives Problem in die Gemeinde", gab eine Hundebesitzerin zu bedenken. Stets angeleinte Hunde, die ihren natürlichen Bewegungsdrang nicht ausleben dürften, "werden zu aggressiven Leinenmonstern und tickenden Zeitbomben." Ohnehin würden vernünftige Hundebesitzer ihre Tiere im Ort und bei "Begegnungsverkehr" auf freiem Feld an die Leine nehmen und auch die Hinterlassenschaften ihres Hundes selbst entfernen - vorausgesetzt, die Gemeinde würde entsprechende Container aufstellen. Um auf die Bedürfnisse ihrer Tiere hinzuweisen und sie weiterhin "artgerecht halten zu können", haben Hundebesitzer in Pfaffenhofen mittlerweile auch eine Unterschriftensammlung initiiert: Sie wollen die Gemeinde mit einer Petition dazu auffordern, "die Leinenpflicht mit sofortiger Wirkung aufzuheben".

Drei mögliche Handlungsalternativen angesichts der fehlenden Freilaufflächen nannte Helmut Zech. Man könne zum einen die Verordnung dahingehend ändern, dass der Leinenzwang auf Feldwegen generell nicht mehr gelten solle, zumal bei einer Beschränkung des Auslaufs auf bestimmte Wege Verstöße nur schwer kontrollierbar seien. Oder aber, so der zweite Vorschlag, man schaffe eine Freilauffläche: Hier war an das Gelände am Bauhof und an den Hüterweg in Pfaffenhofen gedacht. Als dritte Alternative nannte Zech ein "Dialogtreffen", bei dem gemeinsam mit den Jagdpächtern der drei Jagdreviere ein Kompromiss gesucht werden solle.

Zech selbst plädierte für letztere Variante. Als Termin für ein Dialogtreffen nannte er den 10. März. Im Rathaus sollten sich, nach vorheriger Anmeldung, Hundebesitzer mit Vertretern der Jägerschaft und der Gemeinde sowie anderen "betroffenen Bürgern" um eine Kompromisslösung bemühen. Ziel solle dabei sein, "einige Feldwege je Jagdrevier für freilaufende Hunde frei zu geben."

Ausführlich zu Wort kam in der Sitzung Gemeinderat Andreas Riedlberger (FW), der im Dezember den Antrag auf eine Anleinverordnung gestellt hatte. Nicht sein persönlicher Ärger über Hundekot sei für die Entscheidung des Rats ausschlaggebend gewesen, er habe sich vielmehr für die Interessen anderer Bürger eingesetzt. Er sei überzeugt, für die Mehrheit der Bürger gesprochen zu haben. Schließlich einigten sich Bürgermeister und Gemeinderat einstimmig darauf, zum vorgeschlagenen Dialogtreffen einzuladen. Bis dahin soll die Hundehaltungsverordnung der Gemeinde außer Kraft bleiben.