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Pfaffenhofen a.d. Glonn:Stolz auf das neue Wahrzeichen

Kritische Stimmen gibt es in Pfaffenhofen schon, besonders wegen des Wachstums. Doch Bürgermeister Helmut Zech freut sich auf den voraussichtlich 20 Meter hohen Turm.

(Foto: Toni Heigl)

Der Pfaffenhofener Gemeinderat akzeptiert einen sechsgeschossigen Turm im Ort und wird von der Regierung gelobt

Von Horst Kramer, Pfaffenhofen a.d. Glonn

Der Turm in Pfaffenhofen wird wohl noch etwas größer als zu Jahresanfang angedacht. Statt 16,50 Meter wird der First nun 20 Meter hoch, die Wände wachsen von 14,50 Meter auf 17,25 Meter. Gekrönt könnte das Bauwerk durch ein Zeltdach werden, wie der Pfaffenhofener Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung beschloss. Das nunmehr sechsgeschossige Gebäude wird vermutlich nicht nur ein Wahrzeichen für den Ortsteil Pfaffenhofen werden, sondern kann auch als Symbol für das Bemühen der Gemeinde und des Bauherren gelten, ein Wachstum zu organisieren, das auf ein weiteres Ausufern ins Umland verzichtet. "Ortsmittenverdichtung" lautet der einschlägige Fachterminus.

Ein Ansatz, der von der Regierung von Oberbayern ausdrücklich gelobt wurde: "Die Planungen sind als Vorhaben der Innenentwicklung grundsätzlich zu begrüßen." So heißt es in der Stellungnahme zum Bebauungsplan. Bauherr ist die Raiffeisenbank Pfaffenhofen an der Glonn, ein kleines, weiterhin unabhängiges genossenschaftliches Institut mit gerade einmal vier Niederlassungen in den Landkreisen Dachau und Fürstenfeldbruck. Auf dem Areal stehen noch alte Lagerhallen der Bank, einschließlich eines Lagerturms in ähnlicher Größenordnung wie der neue Wohn- und Gewerbeturm. Der Bebauungsplan heißt daher "Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz".

Das Hochhaus ist Teil einer Siedlung, zu dem außerdem fünf Einfamilien- und Doppelhäuser zählen, sowie zwei 11,50 Meter hohe Gebäude, die neben Wohnraum auch Flächen für "freie Berufe" enthalten, wie den Planungsunterlagen zu entnehmen ist. Die Fraktion der Grünen hatte im Vorfeld der Sitzung ausgerechnet, dass hier rund achtzig Neubürger leben könnten. Die Bürgermeisterkandidatin der Grünen, Susanne Vedova, hatte schon im Wahlkampf vor einem weiteren ungebremsten Wachstum gewarnt. Bei einem "weiter so" prognostizieren die Grünen einen Bevölkerungsanstieg von gegenwärtig zirka 2300 Einwohner auf etwa 2600 Einwohner binnen sechs Jahren.

In der Diskussion über das Projekt war von derlei Bedenken überraschenderweise nichts zu hören. Vielleicht auch, weil Vedova kurzfristig beruflich verhindert war. Der einzige, der die Vergrößerung des Bauwerks monierte, war Bernhard Naßl (CSU). "Wir haben über die Bebauung und die Höhe der Häuser bei der Bürgerbeteiligungsrunde ausführlich diskutiert. Ich verstehe gar nicht, warum wir uns erneut damit beschäftigen müssen", schimpfte der Wagenhofener. Im Januar waren rund fünfzig Einwohner der Glonntalkommune ins Rathaus gepilgert, um sich über die Planungen für das Raiffeisenareal zu informieren und darüber zu diskutieren.

Den Grund für die erneute Auseinandersetzung mit der Turmhöhe hatten Naßl und das Ratskollegium vor sich auf dem Tisch liegen: Die Raiffeisenbank hatte die neuen Maße vorgeschlagen - nicht nur für den Turm, sondern auch die beiden anderen Mischgebäude. Pfaffenhofens Bürgermeister Helmut Zech (CSU) wusste warum: "Die Wirtschaftlichkeit wird erhöht." Das Argument überzeugte offenbar. "Die Erhöhung ist so gering, das fällt kaum auf", meinte Vizebürgermeister Harald Mang (AWG). Der Grund: Der Planer hat das Gebäude einige Meter hangabwärts auf abfallendem Gelände geplant.

Ausführlich setzte sich das Gremium mit einem Antrag der drei Grünen auseinander, die Photovoltaikanlagen auf allen Gebäudedächern zwingend vorschreiben wollen. Vedova, Margarete Klein-Kennerknecht und Dieter Stoll verwiesen bei ihrer schriftlichen Stellungnahme auf Beispiele in Tübingen, Amberg und Pfaffenhofen an der Ilm. Alles Städte, die PV-Anlagen vorschreiben. Zudem habe die Bayerische Staatsregierung derartige Pläne schon in der Schublade liegen, argumentierten die Grünen.

Zech zeigte sich skeptisch. Es könne sein, dass die Hausbesitzer durch eine gemeindliche Vorgabe die Chancen auf staatliche Fördermittel verlören, befürchtet der Rathauschef. "Wenn sich eine PV-Anlage rechnet, baut sie sowieso jeder auf sein Dach", argumentierte er weiter. Der Grünen-Antrag fiel schließlich mit zehn gegen zwei Stimmen durch.

Stattdessen korrigierte der Gemeinderat einen anderen Punkt im Bebauungsplan: "Die Farbe der Dächer soll nicht geregelt sein", hieß es im ersten Bebauungsplanentwurf. Zech befürchtet mittlerweile ein kunterbuntes Farbensammelsurium und plädierte für die traditionellen Ziegeltöne Rot, Braun und Anthrazit. Die Grünen sahen das anders. "Auf diese Weise hätte es in Innsbruck nie ein Goldenes Dach gegeben", meinte Dieter Stoll. Stefan Berglmeir - der kürzlich der CSU beigetreten ist - stimmte Stoll und dessen Kollegin Klein-Kennerknecht zu. Dafür wurde dem Architektenbüro freie Hand beim Dach des Hochhauses überlassen. Ob Walmdach, Krüppelwalmdach, Giebeldach - alles ist erlaubt. "So ein spitzes Dach würde die Turmwirkung erhöhen", meinte Zech.

Der Turm von Pfaffenhofen liegt Zech am Herzen. Er sieht ihn als eine Art Alleinstellungsmerkmal für seine Gemeinde: "So ein Gebäude gibt es in der ganzen Region kein zweites Mal!", schwärmte er.

© SZ vom 30.07.2020
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