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Petershausen:Gelände mit offener Zukunft

Alter Edeka Markt

Das Gebäude in der Petershausener Ortsmitte steht seit dem Auszug des Edeka-Marktes leer.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Was soll auf dem ehemaligen Edeka-Areal in Petershausen entstehen? Die Gemeinderäte diskutieren mehrere Varianten

Von Horst Kramer, Petershausen

Kurz vor Weihnachten hatte Gemeinderätin Lydia Thiel (Grüne) zusammen mit einer bunt gemischte Gruppe aus Petershausener Gemeinderatsmitgliedern ein Unterschriftenaktion für den "Erhalt der Nahversorgung im Zentrum von Petershausen!" gestartet. Jetzt präsentierte Thiel erste Zahlen: 140 Personen haben Unterschriften unter einer der acht Listen gesetzt, die in den systemrelevanten Geschäften und Einrichtungen der Glonntalgemeinde auslagen. Weitere 21 Menschen hatten sich laut Thiel auf einer Internetseite eingetragen, die vor Kurzem online gegangen war. Zehn Listen sind zudem noch im Umlauf. Thiel erwartet, dass sie dort weitere einhundert Unterschriften finden wird. "Mindestens", gibt sich die Grüne zuversichtlich. Zusammen wären das 260 Personen. Thiel zeigt sich zufrieden: "Für die derzeitige Situation ist das ein ganz gutes Zwischenergebnis." Denn die Aktion rollte mitten im Lockdown an. "Viele Geschäfte, in denen wir die Listen hätten auslegen können, blieben geschlossen. Infostände waren ebenso wenig möglich wie andere direkte Kontakte", betont Thiel.

Unterdessen hatte der zweite Bürgermeister Wolfgang Stadler (SPD) im Vorfeld der jüngsten Gemeinderatssitzung "eine geniale Idee" zur heftig diskutierten Nachnutzung des ehemaligen Edeka-Geländes sowie des angrenzenden Marktplatzes. So zumindest erzählte es Rathauschef Marcel Fath (FW). Stadler hatte ihm telefonisch empfohlen, den Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan "Sondergebiet Marktplatz" durch eine Aussage aus dem Baugesetzbuch zu umreißen. Dort heißt, dass Flächennutzungspläne, die Bebauungsplänen vorgeschaltet sind, unter anderem "Anlagen und Einrichtungen zur Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen des öffentlichen und privaten Bereichs" darstellen können. Das klingt sperrig, lässt aber fast alles offen, etwa den Wiedereinzug eines Lebensmittelhändlers, Räumlichkeiten für Institutionen wie die VHS, aber auch ein neues Rathaus.

Fath hatte schon vor mehr als drei Jahren einen Rathausneubau ins Gespräch gebracht. Stadlers Vorschlag ermöglicht beides. Der Bürgermeister betonte: "Die Nutzungsdiskussion müssen wir noch führen." Unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger, wie in dem öffentlichen Verfahren vorgesehen, merkte Stadler an.

Mehrfach wies Fath darauf hin, dass bestimmte Nutzungsarten mit der Baugesetzbuch-Formulierung ausgeschlossen sind: eine Wohnbebauung oder eine "höherwertige soziale Nutzung", etwa ein Seniorenheim. Das Ortsoberhaupt erinnerte die Ratsmitglieder an eine nicht-öffentliche Diskussion zu dem Thema - ein Hinweis darauf, dass genau diese Nutzungen schon einmal im Gespräch gewesen sein müssen. Eigentümer ist die Sparkasse Dachau. Die Sparkasse wolle etwas anderes als die nun beschlossenen Optionen, sagte Fath.

Einige Gemeinderäte plädierten für eine genauere Definition der künftigen Nutzungsarten, darunter Alexander Heisler (Grüne) und Günter Fuchs (CSU). Stadler warnte: "Je genauer wir spezifizieren, umso mehr setzen wie uns dem Vorwurf aus, anderes vergessen zu haben."

Die Gemeinderatsmitglieder votierten schließlich mit großer Mehrheit für die Aufstellung des eines Bebauungsplans mit der Baugesetzbuch-Formulierung. Nur die Grünen-Gemeinderäte Lydia Thiel und Alexander Heisler stimmten dagegen.

Wer sich an der Unterschriftenaktion beteiligen will, kann das unter www.change.org/lebendiges-zentrum-petershausen tun.

© SZ vom 01.02.2021
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