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Petershausen:"Der Graben wird größer"

Bei einer Online-Veranstaltung der Petershausener SPD diskutieren die Teilnehmer über Corona-Leugner

Von Horst Kramer, Petershausen

Der SPD-Ortsverein hatte sich ein dickes Brett für sein erstes öffentliches Zoom-Meeting vorgenommen: "Coronadiktatur oder Covidioten - wohin treibt die Bundesrepublik?" Das war der Titel der Online-Veranstaltung. Die SPD-Mitglieder Brigitte Burger und Karl Kühbandner hatten vorab zwei Papiere zur Funktionsweise und den Umgang mit Verschwörungsmythen vorgelegt. Ortsvorsitzende Hildegard Schöpe-Stein moderierte die zweistündige Diskussion, an der sich 23 Interessierte beteiligten, nicht nur aus Petershausen, sondern auch aus Vierkirchen, Indersdorf, Weichs und Jetzendorf. "Mehr als bei vielen anderen unserer Veranstaltungen", freute sich Schöpe-Stein.

Viele Beiträge drehten sich um den Umgang mit Menschen, welche die Gefährlichkeit des Coronavirus bezweifeln oder sich die täglichen Zahlen und weltweiten Ereignisse durch ein Netzwerk verschiedener Mächte zu erklären versuchen. "Ich kenne einige Personen, die auf den Querdenker-Demos waren und ganz normale nachdenkliche Menschen sind", erzählte etwa Franka Dewies-Lahrs, Betriebsrätin bei einem großen Versicherungskonzern. Christa Trzcinski, die sich bei der Petershausener Fair-Trade-Initiative engagiert, vermutete darunter "Abgehängte" und "Menschen mit sozialen Problemen".

Einige Diskutanten bekundeten an diesem Abend Unverständnis, wie Menschen, die den Lockdown kritisieren, Seite an Seite mit staatsfeindlichen Gruppierungen auf die Straße gehen könnten. Gottfried Lehmann betonte, wie schwierig es auf einer Demo sei, eine abweichende Meinung inmitten einer lautstarken radikalen Truppe zu Gehör zu bringen. Lehmann warb für eine gezielte Ansprache und Unterstützung von Personengruppen, die besonders stark von der Pandemie betroffen sind, zum Beispiel Eltern mit schulpflichtigen Kindern.

Der jetzt in Berlin lebende Robert Kühbandner erzählte von einem "Strategiewechsel", den er selber vollzogen habe: "Eine Zeit lang habe ich Diskussionen mit Corona-Leugnern gemieden. Aber das bringt uns nicht weiter." Jetzt suche er den Dialog wieder, sagte Robert Kühbandner, doch der bleibe schwierig. Die stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende Brigitte Burger befürchtet hierzulande eine ähnliche Entwicklung wie in den USA: "Es fehlt inzwischen ein gemeinschaftlicher Konsens." Der Graben werde größer.

Phasenweise verfingen sich die Diskutanten im Pro und Contra über die Auftritte einiger Wissenschaftler und Politiker. Insgesamt war der Abend jedoch geprägt von einem nachdenklichen Ton und der gemeinsamen Sorge um den Erhalt der Demokratie in Deutschland. Ihre Hoffnung setzen die Sozialdemokraten auf die Fridays-for-Future-Generation: "Es muss uns gelingen, deren politische Debatten von der Straße in die Entscheidungsgremien zu bringen", formulierte Karl Kühbandner, "also in die Parteien und die Parlamente."

Nach zwei Stunden zog der Weichser Heinrich Fitger ein positives Fazit des Abends: "Solche Runden können wir in der Pandemie öfter gebrauchen."

© SZ vom 08.02.2021
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