Petershausen Ausgezeichnete Selbstversorger

Markus Behringer hat sich für ein energieeffizientes und barrierefreies Haus entschieden.

(Foto: Toni Heigl)

Zwei Familien planen die bayernweit erste private Energie-Plus-Siedlung. Ihre Häuser erzeugen mehr Strom als für Beleuchtung und Heizung gebraucht wird.

Von Petra Schafflik, Petershausen

Fenster, Haustür, weiß verputzte Wände, Carport und auf dem Dach Richtung Süden ein paar Solarzellen. Der moderne Neubau am Westring in Petershausen offenbart nicht auf den ersten Blick, was in ihm steckt. Doch tatsächlich ist das Gebäude am Ortsrand etwas Besonderes: Als Energie-Plus-Haus erzeugt es über eine Solarstromanlage auf dem Dach mehr Energie, als für Beleuchtung, Hausgeräte und Heizung benötigt wird. Das in wenigen Tagen bezugsfertige Haus gehört zur ersten privaten Energie-Plus-Siedlungen, die bayernweit entstehen, sagt Planer Wolfgang Widmann, der das Projekt mit den Petershausener Familien Behringer und Ostermair entwickelt hat.

Die zukunftsorientierte Ausrichtung des Vorhabens ist auf Initiative der privaten Grundeigentümer entstanden. Gezielt suchten sie nach Interessenten, denen wie ihnen selbst Klimaschutz und Energiesparen wichtig sind. Ein vorbildliches Projekt, das 2014 mit dem Energie-Preis des Landkreises ausgezeichnet wurde.

Nachhaltigkeit und Energieeffizienz waren wichtige Stichworte für Familie Behringer/Ostermair, als sie ihr Grundstück am Westring für ein kleines Baugebiet entwickeln wollten. Jetzt entstehen dort Energie-Plus-Fertighäuser des schwäbischen Herstellers Kampa. Die gute Energiebilanz der Wohngebäude kommt durch eine hochgedämmte Gebäudehülle kombiniert mit einer effizienten Wohnraumbelüftung zustande. Zudem sind die Häuser so ausgerichtet, dass die Wintersonne die Räume erwärmt. Den verbleibenden Heizbedarf deckt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. "Dadurch wird Passivhaus-Qualität erreicht."

Positive Energiebilanz

Weil auf dem Dach mehr Strom erzeugt wird, als im Haus für Heizen, Lüften, Warmwasser, Licht und Hausgeräte benötigt wird, bleibt noch Energie übrig, die ins Stromnetz eingespeist wird. Ganz autark ist so ein Gebäude natürlich trotzdem nicht, weil die Sonne nicht immer scheint, wenn Strom benötigt wird. Also wird Strom ins Netz gespeist und bei Bedarf auch bezogen. Entscheidend für die Bauherren sei, dass die Bilanz positiv, die Energiekosten folglich extrem niedrig sind. "Es sind doch die Nebenkosten, die heute Wohnen teuer machen."

Zeitgleich mit dem Haus der Familie Behringer ist auch das Gebäude der Ostermairs fast bezugsfertig. Nach diesem Vorbild entstehen in den kommenden Wochen die weiteren geplanten Gebäude. Sobald die Keller betoniert sind, werden die vorgefertigten Bauteile in wenigen Tagen aufgestellt. Danach beginnt der zeitaufwendigere Innenausbau. Doch insgesamt geht es schnell, weiß Renate Behringer. "Noch im Juni standen wir hier alle auf der grünen Wiese, jetzt können wir einziehen." Wie es sich in einem Energie-Plus-Haus lebt, wird Familie Behringer bereits in wenigen Tagen testen, wenn der Umzug gestemmt ist.

Wohnlich und modern

Bei einem Rundgang wirkt das Gebäude wohnlich und modern, nur dezente Displays an den Wänden lassen ahnen, welch aufwendige Steuerungstechnik im Gebäude steckt. Sichtbar wird dies im Keller, wo die Lüftung, Wärmepumpenheizung und Warmwasserbereitung stehen und reguliert werden. Wie effizient die Dämmung funktioniert, wird spürbar, als einige weitere Besucher durchs Haus gehen und die Temperatur im Neubau sofort steigt.

Doch Familie Behringer hat sich nicht nur für ein energieeffizientes Haus entschieden. Den jungen Eltern von zwei neugeborenen Zwillingsbuben war maximale Flexibilität wichtig. Sie ziehen deshalb in ein Haus mit barrierefreier und altersgerechter Einliegerwohnung für die Schwiegereltern. Gleichzeitig ist das Haus so geplant, dass ohne großen Aufwand auch drei kleinere Wohneinheiten geschaffen werden können. "Wenn die Kinder erwachsen werden, können sich die Eltern verkleinern, die Kinder in die separate Wohnung ziehen. Oder diese kann vermietet werden." Nun, ans Ausziehen und einen eigenen Hausstand denken Maximilian und Leonhard vermutlich noch nicht. Vielmehr werden die Kleinen in den kommenden Monaten wohl erst einmal die Schalldämmung des Neubaus auf die Probe stellen.