bedeckt München 22°
vgwortpixel

Wohnungsbaukonferenz:Aschenputtel Petershausen

"Es wird konzeptlos gehandelt": Marcel Fath, Bürgermeister.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bei der Regionalen Wohnungsbaukonferenz trafen sich der OB und die Bürgermeister des Umlands. Einer war nicht eingeladen. Hingefahren ist er trotzdem.

Man kann nicht immer warten, bis man eingeladen wird. Schon gar nicht als neu gewählter Bürgermeister einer Wachstumsgemeinde wie Petershausen. Der Ort ist ja nicht seit gestern, sondern schon seit 1972 westliche Endhaltestelle der S-Bahn-Linie 2, außerdem ans Regionalbahnnetz angebunden - und als solcher automatisch Bestandteil der Metropolregion München. Die Organisatoren der regionalen Wohnungsbaukonferenz, zu der Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Mittwoch in den Alten Rathaussaal eingeladen hatte, haben aber vielleicht nicht den MVV-Netzplan zur Grundlage ihrer Einladungsliste genommen, sondern eher den Landesentwicklungsplan. Laut dem ist Petershausen seit 2012 kein "Kleinzentrum" mehr, sondern eine "dörfliche Gemeinde" und gehört als solche landesplanerisch gesehen nicht mehr zum Expansionsgebiet. Jedenfalls hatten sie Petershausen und seinen Ortsvorsteher nicht auf dem Plan.

Der brachte sich darum selbst ins Gespräch. Statt beleidigt zu sein, ging Marcel Fath (FW) einfach ohne Einladung zur Konferenz. Seine Legitimation: 1000 Pendler, die sein Ort, wie er es ausdrückt, täglich "ein- und ausatmet". Dabei hat der Ort nur 800 Park-and-Ride-Plätze. Die restlichen Pendler stellen ihre Autos im ganzen Ort ab, auch vor dem Rathaus. Fath will den P-und R-Platz deshalb erweitern, auch wenn er weiß, dass der trotzdem nie groß genug sein wird.

Petershausen mag nur 7000 Einwohner haben, gerade deshalb ist der Ort am Rande des Großraums vielleicht ein gutes Beispiel dafür, wie das Problem des Siedlungsdrucks auch vom Rande her gelöst werden kann - oder besser: könnte. Fath will Unterstützung bei der Ansiedlung von Gewerbe, etwa durch bessere Straßen und einen Autobahn-Anschluss. Ihm käme die Gewerbesteuer gelegen. Dem Großraum aber, findet Fath, käme es genauso gelegen, wenn Menschen kürzere Arbeitswege haben - und dadurch weniger Pendlerverkehr entsteht. Unterstützung bräuchte er dazu in erster Linie aus der Staatskanzlei. Vom Verkehrsministerium etwa - dessen Chef Joachim Herrmann ihm im Oktober beschied, dass Petershausen keinen Autobahn-Anschluss bekommen werde.

Und auch vom Wirtschaftsministerium, dass seinen Ort, wie er sagt, von der Landkarte des Entwicklungsgebietes gestrichen hat. "Es wird konzeptlos gehandelt", sagt Fath. Die Regionalkonferenz in München findet er einen guten Ansatz. Dass 400 Menschen der Einladung gefolgt waren, zeige, wie hoch der gemeinsame Leidensdruck sei. Fath will nicht alleine kämpfen, er möchte mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten. In Nordrhein-Westfalen oder Franken funktioniere das wunderbar. In einem Jahr soll die Regionalkonferenz wiederholt werden, dann wird Fath auf der Einladungsliste stehen. Bis dahin wird er weiter netzwerken, auch über die Landkreisgrenze nach Freising hinweg. Petershausen wird wachsen und es soll wachsen. Um etwa 1000 Einwohner in den nächsten fünf bis zehn Jahren, sagt Fath. Das steht zwar nicht im Plan, aber Fath schert sich nicht um Papier. Sondern um Tatsachen. Notfalls schafft er die selbst.

© SZ vom 20.03.2015
Zur SZ-Startseite