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Petershausen:Aktiv für die Umwelt

Freie Wähler: Gemeinde beachtet den Klimaschutz

Keiner der fünf Kandidaten, die sich um den Chefsessel im Petershausener Rathaus bewerben, würde im Fall seiner Wahl den Klimanotstand ausrufen in der 6900-Einwohner-Gemeinde. Das haben alle Bewerber bei der Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl auf Anfrage von Grünen-Sprecher Alexander Heisler bekundet. Unverständlich für die Grünen, die deshalb keinem der Kandidaten ihre volle Unterstützung zusagen, wie die beiden Sprecher Alexander Heisler und Jörg Wunsch vorige Woche erklärten. Reaktionen auf diese Mitteilung ließen nicht lange auf sich warten. Die SPD verteidigte prompt in einer Pressemeldung des Ortsverbands ihren Kandidaten Bernhard Franke. Nun meldet sich mit Hans Scherer auch ein Gemeinderat der Freien Wähler zu Wort. Beim Begriff Klimanotstand fragt sich Scherer, ob dann jede Entscheidung dem "Diktat der Klimaneutralität" unterworfen sei. "Dürfen nur noch Passivhäuser gebaut werden? Werden Windräder gegen den Willen der Bürger durchgesetzt?" Der Begriff müsse definiert, die Konsequenzen überlegt werden, "sonst ist das nur als reiner Aktionismus zu betrachten." Auch fängt Petershausen aus Sicht des FW-Gemeinderats nicht bei Null an. "Alle Entscheidungen in Petershausen werden schon seit Jahren mit Blick auf Klima und Umweltschutz getroffen."

Wo konkret die Gemeinde bereits im Sinne des Klimaschutzes aktiv ist, zählt Scherer auf: Mit den großen Solarfreiflächenanlangen, in die das Kommunalunternehmen Petershausen investiert hat, "ist unsere Gemeinde seit dem Jahreswechsel klimaneutral in der Stromerzeugung." Eine geplante Freiflächenanlage im Petershausener Ortsteil Weißling sei 2009 durch eine Bürgerinitiative verhindert worden, erinnert Scherer. Auch der Energieverbrauch bei allen Gemeindeanlagen sei im Blick. Mit neuen Pumpen und Kompressoren spare die Kläranlage viel Strom, die Straßenbeleuchtung ist auf LED-Technik umgerüstet. Und der Bau von Radwegen, für den es einen Grundsatzbeschluss im Gemeinderat gebe, scheitere bisher an der Bereitschaft der Eigentümer, ihre Grundstücke zu verkaufen oder zu tauschen.

Beim künftigen Baugebiet Rosensiedlung sei "Nachhaltigkeit oberstes Gebot". Scherer nennt ein umfangreiches Regenwasserkonzept, Vorgaben zur Dachbegrünung, verpflichtende Photovoltaikanlagen und Stromtankstellen für E-Autos in den Tiefgaragen. Eine Car- und Bike-Sharing-Station werde es dem einen oder anderen Bewohner ermöglichen, aufs eigene Auto zu verzichten. "Die viergeschossige Bebauung hilft, den Flächenverbrauch einzudämmen."

Die Grünen, die nun keinen Bürgermeisterkandidaten unterstützen, setzen auf eine starke Fraktion ihrer Partei im nächsten Gemeinderat. FW-Gemeinderat Scherer wiederum hofft, dass mögliche künftige Gemeinderäte der Grünen "vernünftige, umsetzbare Vorschläge" einbringen. "Denn Entscheidungen müssen auch in Zukunft mit Vernunft und Augenmaß getroffen werden."

© SZ vom 21.02.2020
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