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Pendler sollen in die S-Bahn umsteigen:Motor aus vor Dachau

Landrat Stefan Löwl (CSU) diskutiert mit Vetretern der Wirtschaft mögliche Verkehrsverbesserungen.

(Foto: Toni Heigl)

MAN, MTU, BMW und Knorr Bremse diskutieren im Landratsamt Konzepte gegen den drohenden Verkehrskollaps. So könnten Autopendler aus dem Hinterland an der alten Haltestelle Breitenau künftig mit dem Bus weiterfahren

Morgens scheinbar endlose Staus auf den Durchgangsstraßen von Dachau über Karlsfeld nach München, nachmittags ein ähnliches Bild in der Gegenrichtung. Das zehrt nicht nur an den Nerven der Pendler, auch die großen Firmen im Münchner Norden sind mit dieser Situation höchst unzufrieden, denn nicht nur ihre Mitarbeiter auch die Lastwagen stehen im Stau. Lieferungen, die zu einer bestimmten Zeit da sein müssten, kommen zu spät. Die Folge: Die Bänder in den Werken stehen still. Entsprechend vehement äußerten MAN, MTU, BMW und Knorr Bremse bei einem Treffen im Landratsamt Dachau zum Thema "Mobilität heute" ihre Ungeduld über die nur schleppend vorangehenden Planungen, die eine Verbesserung der Situation bringen sollten. Etwa 40 Vertreter von Unternehmen und Betriebsräten, den umliegenden Landkreisen, der Europäischen Metropolregion München sowie des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr waren anwesend.

Behörden und Staatsministerium warben ihrerseits um Verständnis, dass Planungen ihre Zeit bräuchten, da bestimmte Verfahren eingehalten werden müssen, Bürgerbeteiligungen und Fristen vorgegeben sind. Gesprochen wurde über verschiedene Verkehrsprojekte, unter anderem über den Radschnellweg Richtung München, die Idee einer Seilbahn sowie Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr, etwa durch einen Pendelverkehr auf dem Münchner Nordring. Zu dem Gesamtverkehrskonzept, das derzeit diskutiert wird, gehört der Ausbau des S-Bahn-Haltepunkts Breitenau. Nach dem Wunsch der Politik soll dort ein großer Park&Ride-Platz angelegt werden, damit die Pendler aus dem Hinterland von ihren Autos in die S-Bahn umsteigen können - vor den großen Staus. Die Wirtschaft unterstützt das. Dies wurde auf dem Treffen sehr deutlich.

Doch es gibt ein Finanzierungsproblem. "Es gibt keinen, der den Parkplatz baut", fasst Landrat Stefan Löwl (CSU) zusammen. Bergkirchen fühlt sich nicht zuständig, weil der Parkplatz zwar im Gemeindegebiet liegt, aber nicht für die eigenen Bürger wäre, der Landkreis sei ebenfalls nicht zuständig, so Löwl. Bei dem Treffen gab es nun Überlegungen, eine Projektgesellschaft zu gründen, eventuell in Form einer GmbH. Auf diese Weise könnten MAN, MTU, BMW, die Landeshauptstadt München, der Landkreis Dachau und Bergkirchen möglicherweise gemeinsam den Bau des Parkplatzes vorantreiben. Laut Landrat Löwl wollen die Werksvertreter der großen Unternehmen nun klären, ob eine finanzielle Beteiligung der Betriebe an dem Parkplatz möglich wäre.

Die Idee ist wohl auch, möglichst bald einen Probebetrieb zu starten. Derzeit hält die S-Bahn nicht in der Breitenau. Die S2 Altomünster verkehrt zudem nur alle halbe Stunde nach München. Doch MAN, MTU und BMW wollen demnächst einen Werksverkehr mit Bussen einrichten. Laut Landrat Löwl stellt sich der bayerische Automobilbauer das Angebot so vor, dass die Arbeit der Beschäftigten bereits im Bus beginnt. Dort können sich die Mitarbeiter nämlich bereits über Wlan ins betriebseigene System einwählen, sofern die technischen Voraussetzungen stimmen. Durch ein derartiges Angebot würden pro Bus jeden Morgen etwa 50 Autos weniger auf den Straßen unterwegs sein, so die Vorstellungen. Eine kleine Entlastung der Straßen. "Gerade hinsichtlich der Breitenau werden wir keine Möglichkeit unversucht lassen, die Prozesse zu beschleunigen", versicherte Landrat Löwl auf dem Treffen. Richard Maier, der Leiter der Produktionsentwicklungs & Support bei MTU, bekräftigte: "Auch wenn die Prozesse aus Sicht der Wirtschaft teilweise unverständlich lange dauern, bieten wir - wo immer möglich - unsere Kooperation an." Noch vor der Sommerpause wolle man gemeinsam nach einer konkreten Lösung für die Breitenau suchen, so Löwl.

Irgendwann sollen die Pendler von dort auch mit der S-Bahn direkt über den Nordring zum Euroindustriepark und weiter zum Münchner Ostbahnhof fahren können. Eine Vision, die noch in weiter Ferne liegt, auch wenn der erste Schritt gerade Form annimmt: Die Verbindung zwischen Karlsfeld zum Forschungs- und Innovationszentrum von BMW (FIZ) und weiter zum Euroindustriepark im Münchner Norden könnte schon 2025 realisiert werden. Das jedenfalls legt eine Untersuchung nahe. Anvisiert ist dann ein Pendelverkehr im Stundentakt, zu den Hauptverkehrszeiten soll er sogar im 20-Minuten-Takt möglich sein. Für diejenigen, die im Münchner Norden arbeiten, würde dies eine Zeitersparnis von mindestens 20 Minuten bedeuten, denn sie müssten nicht erst den Umweg über die Münchner Innenstadt nehmen. In Karlsfeld müsste ein neuer Bahnsteig und ein Gleis zum Wenden gebaut werden. Gemeinderat Bernd Wanka (CSU), der sich sehr für verkehrliche Verbesserungen im Ort einsetzt, jubiliert bereits: "Unsere Bemühungen zeigen Erfolge", sagt er. Auch wenn es nur eine "Nischenlinie" sei.

"Es ist ein wichtiger Schritt, dass endlich Personenverkehr auf dem Nordring fährt - selbst wenn es nur drei Züge sind. Denn dann geht's los und kann mehr werden", erklärt Landrat Stefan Löwl. Auch für Dachau sieht Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) darin eine spürbare Verbesserung, selbst wenn die Fahrgäste zunächst in Karlsfeld umsteigen müssten. Mit mehreren Schreiben an Ministerien und andere Stellen hat er sich bereits vehement dafür eingesetzt, dass die Linie bis Dachau beziehungsweise Breitenau verlängert wird, um die Attraktivität des Nordrings zu steigern. Dafür ist allerdings ein mehrere Millionen Euro teures Brückenbauwerk über die ICE-Trasse nötig.

© SZ vom 14.02.2020
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