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Partnerschaftsbesuch:Tödlicher Verkehrsunfall überschattet Fest der Freundschaft

Weil eine Familie aus Muro Lucano schwer verunglückt, findet der Karlsfelder Besuch in der italienischen Partnergemeinde in gedämpfter Atmosphäre statt

Es sollte ein Fest der Freundschaft werden, das vierte Festa della Birra in Muro Lucano. Die Karlsfelder sind deshalb mit einer Delegation von 33 Personen nach Süditalien gereist: neben Bürgermeister Stefan Kolbe, fünf Gemeinderäte aller Couleur, Verwaltungsmitarbeiter und natürlich Musik. D'Knödldrahra hatten ihre bayerischen Tänze einstudiert und freuten sich auf den Auftritt in Tracht am Samstag auf der sonnenverwöhnten Piazza. Die Pichlstoana hatten ihre großen Blasinstrumente über die Alpen geschleppt und holten schon Luft, um bayerische Lebensart in der Basilicata zu verströmen. Doch dann wurde der große Auftritt der Gäste abgesagt.

Eine sehr bekannte, alteingesessene Familie im Ort war am Tag zuvor verunglückt. Das dreijährige Kind tödlich, die Eltern rangen im Krankenhaus schwer verletzt mit dem Leben. Ihr Auto war in eine Leitplanke gekracht. Dabei hatte sich eine Stahlschiene offenbar ins Fahrzeuginnere gebohrt - mit verheerenden Folgen für die Insassen. Seit diesem Unfall lag ein Schatten über dem vierten Bierfest in Muro Lucano. Zwar gab es noch Schweinshaxn, Hendl und Bier in Masskrügen, doch die Musik verstummte und der Tanz wurde verständlicher Weise abgesagt. Die Piazza war dennoch voll, die Gäste aus dem fernen Karlsfeld wurden auch freundlich empfangen. Doch der 6000-Einwohner-Ort stand angesichts des tragischen Unfalls unter Schock. Die Familie hat übrigens auch in Karlsfeld Verwandte.

Während des vierten "Festa della Birra" wird die Freundschaft zwischen Muro Lucano únd Karlsfeld gefeiert.

(Foto: Privat/oh)

Aber die Karlsfelder kamen nicht nur zum Feiern nach Italien: Sindaco Giovanni Sentaro wünscht sich eine engere Partnerschaft. Im Gespräch mit Bürgermeister Stefan Kolbe bat er um Unterstützung. Der Sindaco ist erst seit knapp einem Jahr im Amt. Er will Muro Lucano weiterentwickeln, Touristen in die eher unbekannte Gegend locken und die Wirtschaft ankurbeln. Der Ort kämpft seit Jahren damit, dass die jungen Leute abwandern. Sie sehen keine Perspektive mehr in ihrer Heimat.

Sentaro hat die Radfahrer im Visier. Neue Karten sollen sie auf schönen Routen durch die Basilicata führen. Mängel gibt es allerdings noch in der Infrastruktur: Mehr Hotels wären von Vorteil. Und die kleine Bahnlinie transportiert nur wenige in die Gegend. Der Sindaco ist jedoch dabei, Konzepte zu entwickeln und erhofft sich, dass seine Region in Bayern vielleicht bekannter werden kann mit Hilfe der Karlsfelder. Große Veranstalter sollen auf Muro Lucano aufmerksam werden.

Die Karlsfelder in Italien: Zünftig in Tracht war die 33-köpfige Delegation in Muro Lucano erschienen anlässlich des Festa della Birra.

(Foto: Privat/oh)

Er strebt auch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit an. Wie die aussehen kann, das wissen die Karlsfelder allerdings noch nicht. "Darüber muss man mal nachdenken", sagt CSU-Gemeinderat Bernd Wanka, der auch dort war. "Vielleicht hat Wirtschaftsförderer Peter Freis ja eine Idee." Einig waren sich Kolbe und Sentaro, dass der Austausch an der Rathausspitze intensiviert werden soll. Von italienischer Seite wünscht man sich zudem einen noch intensiveren Schulaustausch. Seit einigen Jahren gibt es gegenseitige Besuche mit der Karlsfelder Mittelschule. Sentaro erhofft sich auch bei anderen Schulen Interesse an seinem Ort.

Bei Ausflügen in die Umgebung zeigten die italienischen Freunde Bürgermeister Stefan Kolbe, den Gemeinderäten Bernd Wanka, Ursula Weber, Robin Drummer, Birgit Piroué und Ingrid Brünich die Schönheit der Basilicata. Sie besuchten Aliano und schauten sich Bilder von Carlo Levi an, einem der bekanntesten Künstler der Region. Ein Ausflug nach Amalfi stand auch auf dem Programm der dreitägigen Reise. Und die Gäste nutzten zudem die Gelegenheit, sich bei Guiseppe für seine Kochkünste auf dem Kosmos-Fest in Karlsfeld zu bedanken.