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Parken am Bahnhof in Dachau:Eine Nummer kleiner

Lange wird die grüne Idylle der Kleingärten nahe dem Dachauer Bahnhof wohl nicht mehr währen, geplant sind dort Parkhaus und Multiplexkino.

(Foto: Toni Heigl)

600 Plätze im neuen Parkhaus am Bahnhof sind zu viel. In Stoßzeiten droht sonst in der Schleißheimer Straße durch an- und abfahrende Autos der Verkehrskollaps.

Das geplante Parkhaus am Dachauer S-Bahnhof muss deutlich kleiner ausfallen, als bisher vorgesehen. Denn die geplante Garage mit 600 Stellplätzen würde mit den vielen an- und abfahrenden Fahrzeugen in der Stoßzeit den Verkehr in der Schleißheimer Straße zusammenbrechen lassen. Die Fahrzeuge würden sich nicht nur an der Einfahrt zum Parkhaus stauen, sondern weit zurück in die Innenstadt, so der Vorbericht der Verkehrsgutachter vom Münchner Büro Gevas.

Aus diesen Grund sollen nun die Planungen, die östlich der Bahn auf der Fläche der Kleingartenanlage ein Parkhaus und ein Multiplexkino vorsehen, für weniger Parkplätze weitergeführt werden. In der Diskussion im Verkehrsausschuss war die Rede von 300 bis 350 Stellplätzen. Wie viele konkret möglich sind, wird das noch laufende Verkehrsgutachten ergeben. Vom Tisch ist aber bereits die Idee einer geschlossenen Zufahrt zum Parkhaus. Die wäre nicht nur baulich schwierig, sondern ist angesichts nun geringerer Nutzerzahlen auch nicht notwendig. Zum Schutz der Anwohner ist eine Lärmschutzwand vorgesehen.

Peter Strauch, OB-Kandidat der Dachauer CSU.

(Foto: Toni Heigl)

Einstimmige Entscheidung

Die Entscheidung, das Parkhaus zu verkleinern, fiel einstimmig. Doch forderte die CSU, den Beschluss zur weiteren Planung zu vertagen, "bis wir aus dem Verkehrsgutachten wissen, was wir konkret bauen können", so Peter Strauch. Die Konservativen (CSU, FW und Bürger für Dachau) unterlagen aber in einer Kampfabstimmung gegen SPD, ÜB, Grüne und Bündnis für Dachau. "Wir wollen handeln, nicht weiter verzögern", sagte Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD).

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Dachaus Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD).

(Foto: Niels P. Joergensen)

Dass das Projekt nicht ganz einfach zu realisieren sei, war von Anfang an klar. Denn ein städtisches Parkhaus und das Kino, das die Betreiber des Dachauer Cinema dort errichten würden, sind auf einem schmalen Grundstück zwischen Wohnbebauung und Forellenbach am Bahndamm geplant. Die Zufahrt zu dem Areal soll über die Schleißheimer Straße erfolgen, muss dabei aber nicht nur Geh- und Radweg queren, sondern auch den Schleißheimer Kanal, der als Baudenkmal gilt. Genau dieser Weg erweist sich nun zudem als wenig leistungsfähig. Denn auch wenn es nur ein Vorbericht zum Verkehrsgutachten ist, der im Umwelt- und Verkehrsausschuss vorgelegt wurde, so gab es am Ergebnis nichts zu deuteln: Die Schleißheimer Straße ist jetzt schon so viel befahren, dass der zusätzliche Parkhaus-Verkehr zu langen Rückstaus führen würde. Denn ausgerechnet dann, wenn sowieso enorm viele Autos im Berufsverkehr dort unterwegs sind, würden auch die meisten Fahrzeuge von und zum Parkhaus fahren. In der Zeit von 16.30 bis 17.30 Uhr kämen zum Berufsverkehr mit 216 Autos noch einmal 223 vom Parkhaus ausfahrende dazu. Abhilfe schaffen könnte allenfalls ein Linksabbiegeverbot stadtauswärts in die Friedenstraße, so die Gutachter. "Das funktioniert nicht, dort liegen Krippen, Schulen, wohnen viele Anlieger, verkehrt der Linienbus", warnte Volker C. Koch. Ganz aufs Parkhaus zu verzichten, hält der Verkehrsreferent auch für falsch, "also müssen wir kleiner planen." Das wäre auch zum Vorteil der Anwohner, weil die Verschattung dann geringer ausfalle, statt einer aufwändigen Einhausung der Zufahrt eine Lärmschutzwand ausreiche.

Die zögerliche Haltung der CSU stieß beim OB auf Unverständnis

Doch so rasch vorpreschen wollte die CSU-Fraktion nicht. Das Verkehrsgutachten liefere kein aussagekräftiges Ergebnis, monierte Peter Strauch. Er vermisst konkrete Lösungsansätze. "Was fehlt ist Kreativität." Auf dieser Basis weiter zu planen, "das machen wir nicht mit", so Strauch. Auch die Idee des Abbiegeverbots sieht Strauch nicht so kritisch. "Das könnte funktionieren." Die zögerliche Haltung der CSU stieß beim OB auf Unverständnis. "Wir machen ein Gutachten nach dem anderen. Wenn sie eh anders entscheiden, können wir uns das Geld sparen", schimpfte Hartmann. Das Projekt solle endlich weiterkommen. "Wir müssen den Mut haben, Entscheidungen zu treffen."

Unterstützung kam auch von Grünen und Bündnis für Dachau. Ein kleineres Parkhaus, möglichst gleich noch mit Leitsystem, hält Michael Eisenmann (Bündnis) für vernünftig und ausreichend. Schließlich kämen heute schon 20 000 Fahrgäste täglich mit dem Bus zum Bahnhof und 3000 mit dem Rad. Wenn vom Ende des kommenden Jahres an die städtischen Busse im Zehn-Minuten-Takt verkehren, "wird der Druck noch geringer", so Thomas Kreß (Grüne). "Der Verkehr der Zukunft ist nicht Autofahren in der Stadt." Dennoch könne er ein Parkhaus für 300 bis 350 Fahrzeuge mittragen. Doch Strauch forderte eine Simulation der Verkehrsentwicklung: "Wir brauchen eine Datenbasis." Wenn nämlich am Ende nur 100 Parkplätze möglich wären, "dann müssen wir dafür den Schleißheimer Kanal nicht angreifen, damit jemand ins Kino fahren kann". Da auch an der Frühlingsstraße am Bahnhof ein Parkhaus geplant ist, "möchte ich alles genau wissen", forderte Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU).

Die geplante Prüfung der Verkehrsgutachter, wie viele Parkplätze in einem Parkhaus machbar sind, trägt auch die CSU mit. Dass aber parallel bereits weiter am Bebauungsplan gearbeitet wird, ohne Einhausung der Zufahrt aber mit Lärmschutzwand, ging den Konservativen zu weit. Doch sie unterlagen mit ihrem Vertagungs-Antrag, mit der Mehrheit von acht zu sieben Stimmen fiel das Votum, die Planungen weiter voranzutreiben.

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