Odelzhausen:Er will es noch mal wissen

UCI Para-Cycling Road World Championships 2017 - Prep-Phase

Der 53-jährige Odelzhausener ist schon viele Rennen gefahren, unter anderem in Südafrika.

(Foto: Oliver Kremer/oh)

Michael Teuber nimmt erneut an den Paralympics in Tokio teil.

Von Renate Zauscher, Odelzhausen

Michael Teuber, der wohl erfolgreichste Athlet im deutschen Behinderten-Radsport während der letzten zwei Jahrzehnte, will es noch einmal wissen: An diesem Freitag, 20. August, fliegt der in der Gemeinde Odelzhausen lebende Sportler nach Tokio, um sich erneut der Konkurrenz zustellen. Teuber ist mittlerweile 53 Jahre alt, fühlt sich aber nach intensivstem Training über viele Monate hinweg in Topform. Er freue sich wahnsinnig darauf, die "deutschen Farben beim größten Sportereignis der Welt vertreten zu dürfen", sagte Teuber kurz vor dem Abflug der SZ.

Die Paralympics in Tokio werden die sechsten olympischen Spiele sein, bei denen Teuber an den Start geht. Fünfmal holte er dabei in seiner Klasse C1 Gold, allein zwei Goldmedaillen 2004 bei den Spielen in Athen, und zwar im kombinierten Straßenrennen und auf der Bahn über drei Kilometer Verfolgung. Dazu kamen 2004 eine Silbermedaille im Straßenrennen und 2008 in Peking weiteres Silber bei der Bahn-Verfolgung. Über die Jahre holte Teuber insgesamt 20 Weltmeistertitel sowie 17 Titel bei Europa-Meisterschaften.

Teuber ist erneut in "Superform"

2016 fuhr Michael Teuber in Rio de Janeiro das seiner Einschätzung nach "beste Rennen seiner ganzen Karriere". Jetzt, fünf Jahre später, sieht er sich nach zuletzt fünf Wochen Höhentraining in Italien erneut "in Superform". Er ist überzeugt, noch einmal die gleiche Leistung wie in Rio bringen zu können. Dennoch könnte es in Tokio für ihn nicht einfach werden: Auch wenn er vielleicht noch intensiver trainiert habe als all die Jahre zuvor und vielleicht "noch fokussierter" als auch bisher schon sei, könnte sich der coronabedingte Lockdown und die Verschiebung der Spiele von eigentlich 2020 auf jetzt 2021 gerade für ihn als älteren "Platzhirsch" als Nachteil erweisen, sagt er.

Er müsse diesmal gegen ein breiteres Feld von jüngeren Spitzensportlern antreten, die während der vergangenen Jahre ihre Leistung stark steigern konnten. So belegte Teuber bereits bei den Weltmeisterschaften 2019 in den Niederlanden "nur" einen zweiten Platz und heuer beim Weltcup 2021 in Belgien lediglich einen dritten Rang in seiner Klasse. Bei der EM 2021 konnte er sich auf Platz 1 behaupten, bei der Weltmeisterschaft 2021 in Portugal fehlten ihm 35 beziehungsweise 30 Sekunden gegenüber dem Erst- und Zweitplatzierten. Er sehe sich deshalb nicht mehr unbedingt "als Favorit auf Gold", gibt Teuber zu. Dennoch geht der Spitzenathlet, zu dessen Sponsoren vor allem die Sparkasse Dachau gehört, voller Vorfreude und Optimismus ins Rennen. Er werde beim Kampf um die Medaillen "natürlich wieder alles geben" und hoffe, gerade im Einzelzeitfahren, seiner stärksten Disziplin, seine bisherige Bestleistung vielleicht noch steigern zu können.

134 Sportlerinnen und Sportler werden in Tokio insgesamt für das "Team Deutschland Paralympics" an den Start gehen. Teuber wird bei der Eröffnungsfeier am Dienstag, 24. August, mit dabei sein; am Donnerstag, 26. August, wird er mit der Drei-Kilometer-Einerverfolgung in die Wettkämpfe einsteigen. Sein besonderer Fokus aber werde auf dem Straßen-Einzelzeitfahren am Dienstag, 31. August, liegen, heißt es in der Presseerklärung anlässlich Teubers Nominierung für Tokio. Zuletzt nimmt der Odelzhausener am Donnerstag, 2. September, am Straßenrennen über 79 Kilometer teil, gemeinsam mit den Fahrern aller drei Behinderungsklassen. Damit scheiden Medaillenchancen in dieser Disziplin für Teuber zwar aus: gerade aber wegen der schieren Länge der zu bewältigenden Strecke und des bergigen Terrains stelle dieses Rennen das "anspruchsvollste in der Paralympischen Geschichte" dar - eine Herausforderung, die Teuber mit viel sportlichem Ehrgeiz annimmt.

© SZ vom 20.08.2021
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