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Paralympics:Ein Fall für zwei

Michael Teuber, Weltmeister im Einzelzeitfahren, will aus London mindestens eine Goldmedaille heimbringen. Auch Sportschütze Norbert Gau, der bei den Paralympischen Sommerspielen vor vier Jahren in Peking Silber holte, ist zuversichtlich.

Die Wege sind vielleicht ein bisschen weit - aber ansonsten passt alles", sagt Norbert Gau. "Sogar das Wetter. Bislang hatten wir fast immer Sonnenschein und 20 Grad." Und das in London. Der 50-jährige Sportschütze aus Guggenberg (Gemeinde Erdweg) ist einer von 4200 Athleten mit Behinderung, die dem Start der Paralympischen Sommerspiele 2012 entgegen fiebern. Erster Höhepunkt: die Eröffnungsfeier gestern Abend.

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Für Deutschland in London: Sportschütze Norbert Gau aus Guggenberg (links) absolviert am Freitag seinen ersten Wettkampf mit dem Luftgewehr. Handicap-Radsportler Michael Teuber muss schon heute im 1000-Meter-Zeitfahren ran. Das Bild zeigt die beiden 2008 mit ihren Medaillen der Olympiade in Peking.

(Foto: dpa)

Norbert Gau, der seit einem Kletterunfall im Jahr 1981 im Rollstuhl sitzt, ist schon seit einer Woche in London. "Das olympische Dorf ist nicht ganz so groß wie in Peking, hier geht es mehr in die Höhe", sagt er. Auch die Anlage der Schützen hat er schon begutachtet und als "ganz toll" eingestuft: "Die Voraussetzungen sind wirklich gut." Wie gut Norbert Gau bei seinen dritten Spielen zurecht kommt, wird sich erstmals an diesem Freitag zeigen, wenn er um 10 Uhr morgens deutscher Zeit seinen Wettkampf mit dem Luftgewehr absolviert. Und im Luftgewehr-Stehend-Wettbewerb hat der 50-Jährige vor vier Jahren in Peking die Silbermedaille gewonnen. "Stehend" bedeutet für einen Rollstuhlfahrer im freien Anschlag zu schießen. Am Mittwoch, 5. September, steht dann noch der Kleinkaliber-Dreistellungskampf auf Gaus Programm.

Als erster Sportler aus dem Dachauer Land muss sich jedoch Michael Teuber beweisen. Der Handicap-Radsportler aus Dietenhausen, Gemeinde Odelzhausen, tritt heute, 30. August, um 15 Uhr deutscher Zeit zu seinem ersten Wettkampf bei den Paralympischen Spielen an: dem 1000-Meter-Zeitfahren. Der "Kilometer" ist eine Disziplin, die vor allem kraftvollen Fahrern mit guten Sprintfähigkeiten entgegen kommt. Für Teuber soll das Rennen in erster Linie der Standortbestimmung dienen: "Ich möchte sehen, wie ich in Form bin", sagt er. "In Sachen Platzierung hoffe ich auf einen Rang unter den besten Zehn." Der Grund die Zurückhaltung in dieser Disziplin ist das Verbot seiner Hightech-Schalen zur Stabilisierung der Unterschenkel und Füße. Teuber ist seit einem Autounfall im August 1987 unterhalb des Kniegelenks komplett gelähmt. Der Paralympics-Sieger von Athen und Peking darf aufgrund einer Entscheidung des Weltverbandes nur mit einfachen Schienen antreten. "Das schränkt mich schon etwas ein. Besonders bei kurzen, schnellen Disziplinen wie eben das Kilometer-Zeitfahren", erklärt der 44-Jährige, der sich mit 27 Sportlern aus 18 verschiedenen Nationen messen muss. Für den dreifachen Paralympics-Sieger 2004 und 2008 ist der Wettkampf am Donnerstag dennoch ein äußerst wichtiger: "Es ist mein erster Einsatz. Ich kann mich mit der Bahn vertraut machen." Zudem werde seine Zeit einen ersten Hinweis darauf geben, wie es um seine Form für das Verfolgungsrennen am Freitag steht. Und in der Verfolgung zählt Teuber zu den Favoriten auf eine Medaille.

Ich will in London mindestens eine Goldmedaille gewinnen, dafür habe ich lange und hart trainiert", sagt der Radsportler aus Dietenhausen. Gelegenheit, seinen großen Traum vom erneuten Sieg zu verwirklichen, bekommt Teuber in vier Wettbewerben: "Das Kilometer-Zeitfahren auf der Bahn ist für mich aber nur ein Warm-Up", erklärt der 44-Jährige. In der Verfolgung am Freitag liebäugelt er dann aber mit einer Top-Platzierung. "Hier bin ich aktueller Weltrekord-Inhaber. Daher möchte ich natürlich um eine Medaille kämpfen.". Größter Konkurrent wird seiner Meinung nach der Brite Mark Colbourne sein: "Er ist in den letzten Rennen immer schneller geworden", sagt Michael Teuber. Und wozu englische Sportler - vom eigenen Publikum frenetisch angefeuert - fähig sind, haben ja schon die Olympischen Spiele vor wenigen Wochen gezeigt.

Die größten Medaillenchancen rechnet sich Michael Teuber im Einzelzeitfahren am 5. September aus. "Das ist meine Spezialdisziplin, hier bin ich amtierender Weltmeister und Paralympics-Sieger. Ich habe so ehrgeizig wie nie zuvor auf das Zeitfahren trainiert und will nun meiner Favoritenrolle auch gerecht werden." Aber auch im Kampf gegen die Uhr schätzt Teuber den Briten Colbourne als stärksten Gegner ein. Für das Straßenrennen einen Tag später wagt er dagegen noch keine Prognose: "Hier gibt es sehr viele starke Konkurrenten - da wird man sehen müssen."

© SZ vom 30.08.2012
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