"Ich hasse das Verlieren, deshalb habe ich mir als Trainer immer selber Druck gemacht." Der das sagt, ist auch vier Jahre nach seinem Abschied vom FC Bayern im Raum München eine Legende, wie der anhaltende Beifall für ihn zeigte: Ottmar Hitzfeld, der mit den Bayern fünf Meistertitel und einen Erfolg in der Champions League holte. Hitzfeld war Ehrengast bei der Verleihung der "Sterne des Sports" durch die Volksbank Raiffeisenbank (VR) Dachau. Durch diese Gemeinschaftsaktion der Volksbanken und des Deutschen Olympischen Sportbunds wird gesellschaftliches Engagement von Sportvereinen ausgezeichnet. Unter 23 Bewerbern hatte die Jury das Projekt Kinder und Jugend des ASV Dachau auf Platz eins gesetzt. Der zweite Preis ging an das Angebot "Ü 55 aktiv" des TSV Eintracht Karlsfeld. Platz drei holte die SG Indersdorf für die Aktion "Lauf 10".
Ingrid Sedlbauer, Leiterin des Kinder-und Jugendbereichs beim ASV, hatte angesichts von 23 Bewerbungen nicht unbedingt mit dem "Oscar des Breitensports"gerechnet. "Andere machen auch gute Sachen", sagte sie nach der Preisverleihung. Doch ihr Verein mache Kinder fit, sagte Volksbank-Chef Thomas Höbel. Mehr als 2000 Kinder und Jugendliche treiben Sport beim ASV, bereits vom Alter von acht Wochen an. Ein Aushängeschild des ASV sei die vor fünf Jahren gegründete Kindersportschule "Kiss", lobte Höbel in seiner Laudatio weiter. Der ASV nimmt als Landkreissieger jetzt am Wettbewerb auf Landesebene teil.
"Wir sind stolz und zufrieden", sagte eine glückliche Hannelore Elias, die seit der Gründung 1996 an der Spitze der abteilungsübergreifenden TSV-Seniorentruppe steht. VR-Vorstand Karl-Heinz Hempel lobte bei der Übergabe des zweiten Preises, dass die Ü 55 aktiv" älteren Menschen nicht nur die Möglichkeit biete, Sport zu treiben, sondern "auch Zusammenhalt und Solidarität, Lebensfreude und Weltoffenheit" fördere. Die SG Indersdorf, die sich erst vor zwei Jahren als eigenständiger Verein gegründet habe, könne vor allem dank des Projekts "Lauf 10" einen enormen Mitgliederzuwachs verzeichnen, sagte VR-Vorstand Johann Schröpfel, als er die Urkunde für Platz drei überreichte.
Vor der Preisverleihung erlebten die vielen Besucher in der ASV-Halle Ottmar Hitzfeld, der von Moderator Joachim Day über seine Karriere als Spieler und Trainer in der Schweiz und in Deutschland befragt wurde. Kaum jemand dürfte sich noch erinnern, dass der junge Hitzfeld 1972 im deutschen Olympiateam kickte. Nach dem Ende der aktiven Laufbahn wurde er Trainer als Autodidakt, wie er betonte. "Ich habe immer einen offenen und ehrlichen Dialog mit den Spielern gepflegt", nannte er das Geheimnis seines Erfolgs. Zu viel Stress sei der Grund gewesen, warum er als Vereinstrainer aufgehört habe: Statt 60 Spiele im Jahr wie mit dem FC Bayern habe er jetzt als Schweizer Nationaltrainer zehn bis zwölf. Und auch noch Zeit, am Schreibtisch zu arbeiten und ab und zu ein interessantes Fußballspiel anzuschauen.
In der vergangenen Woche hatte Hitzfeld ungewohnte Schlagzeilen gemacht, als er beim 1:1 gegen Norwegen dem Schiedsrichter einen "Stinkefinger" zeigte. "Ich war selbst überrascht, dass mir das passiert ist", sagte er zerknirscht. Schließlich habe er weder als Spieler noch in 30 Jahren als Trainer eine Rote Karte bekommen. Doch habe er sich in diesem Fall über das späte Gegentor zum 1:1 enorm geärgert. Doch sei das ein Fehler gewesen, der nicht hätte passieren dürfen, denn "selbst wenn man hoch führt, kann man noch unentschieden spielen", sagte der Meistertrainer unter dem Gelächter des Publikums in Anspielung auf das 4:4 der deutschen Nationalelf gegen Schweden. Er hoffe jedenfalls, dass er mit Schweiz die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien schaffe. Danach wolle er seine Trainerlaufbahn beenden.
Unterstützung durch Hitzfeld erhielt Bundestrainer Jogi Löw, als Day sich kritisch über dessen Aufstellung im verlorenen EM-Halbfinale äußerte. Löw habe seine Mannschaft "nach bestem Wissen und Gewissen aufgestellt", sagte Hitzfeld und fügte an: "Jede Strategie geht nicht immer auf." Auch die Verteidigung der deutschen Elf nahm er in Schutz, merkte nur an, dass man bei einem Wechsel auch mal einen defensiven Spieler holen könne. Dass Löw nach der Niederlage abgetaucht sei, sah Hitzfeld als Fehler an: "Es ist wichtig für einen Trainer, dass man sich sofort stellt, wenn der Erfolg ausbleibt. Dann sind die Wogen rasch geglättet."