Offene Lehrstellen Lehrlinge dringend gesucht

Die Arbeit der Bäcker beginnt in der Nacht, der Job ist körperlich anstrengend. Für viele junge Leute ist der Beruf nicht attraktiv.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

An diesem Donnerstag beginnt das Ausbildungsjahr, doch im Landkreis sind viele Plätze noch unbesetzt.

Von Robert Stocker, Dachau

Betriebe im Landkreis Dachau haben auch heuer Probleme, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Seit 1. Oktober vergangenen Jahres boten die Unternehmen 431 offene Lehrstellen an, 133 sind noch unbesetzt. Laut Agentur für Arbeit in Dachau suchen zum Beginn des Ausbildungsjahrs 2016 an diesem Donnerstag noch 74 junge Leute einen Job. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl der Ausbildungsverträge zwar gestiegen, teilt die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern mit. Dennoch sind derzeit noch 39 Prozent der 419 Plätze unbesetzt, die von IHK-Unternehmen gemeldet wurden. Unklare Berufsvorstellungen der Bewerber sind laut IHK das größte Hindernis. Viele Schulabgänger können aber auch die Erwartungen der Betriebe nicht erfüllen.

Bestimmte Ausbildungsberufe sind bei jungen Leuten besonders beliebt. Dazu gehört Kaufmann im Einzelhandel, Kaufmann im Groß- und Außenhandel, Bankkaufmann, Kaufmann für Büromanagement und die Fachkraft für Lagerlogistik. Wie die Agentur für Arbeit mitteilt, sind aber auch in diesen Berufen Plätze vakant. Laut einer IHK-Umfrage in Betrieben ist vielen Schulabgängern nicht klar, was sie in der Praxis bei den Unternehmen erwartet. Die Mittelschulen bieten deshalb eine Berufsorientierung in Form von Schülerpraktika an. Die sei sehr wichtig, sagt der Geschäftsführer des Dachauer Jobcenters, Peter Schadl. Dennoch sei es manchmal so, dass die offenen Ausbildungsplätze den Neigungen der Schulabsolventen nicht entgegen kommen. Zudem entsprechen deren Fähigkeiten häufig nicht den Erwartungen der Unternehmen. Schadl: "Wer Elektriker werden will, muss halt rechnen können." Da gebe es immer wieder Defizite, die den Abschluss eines Ausbildungsvertrages verhindern.

Um solche Mängel zu beheben, bieten Arbeitsagentur und Jobcenter ausbildungsbegleitende Hilfen an. Wer Schwierigkeiten beim Schreiben oder Rechnen hat, wird in speziellen Kursen geschult. Andere haben auch zwischenmenschliche oder familiäre Probleme, die zum Abbruch einer Ausbildung führen. "Ich habe keinen Bock mehr, heißt es dann", und die Ausbildung werde hingeschmissen, sagt Peter Schadl. Dann erhalten die jungen Leute von einem Sozialpädagogen oder Psychologen Hilfe. Einige finden keinen Ausbildungsplatz, weil sie keinen Schulabschluss haben. Sie können eine Berufsübergangsklasse besuchen, um ihre Kenntnisse aufzubessern.

Lieber eine abgeschlossene Ausbiludng als ein abgebrochenes Studium

Ein großes Problem sei die Motivation der Bewerber, so Schadl. Wer eine Ausbildung geschmissen habe, bekomme aber in der Regel erneut eine Chance. Ein Abbruch sei für andere Arbeitgeber kein Hindernis, einen Auszubildenden einzustellen. "Die Betriebe suchen händeringend nach Lehrlingen." Probleme bereitet den Betrieben die Tatsache, dass die Zahl der Mittelschulabsolventen rückläufig ist - in Oberbayern um 28 Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Abiturienten um 56 Prozent. Peter Fink, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Dachau, ermuntert deshalb zu einer Ausbildung. "Für viele junge Menschen ist sie geeigneter als ein Studium", sagt Fink. "Bei einer Lehre können sie ihre Stärken und Interessen besser einsetzen und weiterentwickeln." Eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung biete auf jeden Fall mehr Perspektive als ein abgebrochenes Studium. Wichtig sei in jedem Fall, dass sich die Schüler intensiv mit dem persönlichen Berufswunsch beschäftigen.

Auch im Handwerk gibt es noch freie Ausbildungsplätze. Bei den Metallern und Schreinern ist die Situation ganz gut, schwierig ist sie im Lebensmittelbereich. Das gilt besonders für Bäcker und Metzger, deren Arbeitszeit früh beginnt. Der Job ist zudem körperlich anstrengend. Kreishandwerksmeister Ulrich Dachs weist aber auch auf die Vorteile hin. "Da kann man früher am See liegen", sagt Dachs. Der Kreishandwerksmeister warnt vor der Tendenz, Handwerksberufen den Rücken zu kehren. Eltern sollten ihre Kinder nicht mit aller Gewalt aufs Gymnasium schicken. Denn die Abiturienten und Akademiker von heute seien die Arbeitslosen von morgen.

Dazu komme der demografische Wandel, es gebe immer weniger Nachwuchs. Im Großraum München fange der Zuzug zwar noch einiges auf, aber auch hier gehe die Zahl junger Menschen zurück. Dachs wirbt für eine Ausbildung im Handwerksbereich: "Hier kann man immer Geld verdienen. Und die Ausbildung dauert nicht so lang."