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ÖPNV:Neue Busse und Garagen

Spatenstich fürs neue Busdepot: Stadt und Stadtwerke investieren 9,5 Millionen Euro in die Einführung des Zehn-Minuten-Takts. Für Stadtwerke-Chef Robert Haimerl (links) und OB Florian Hartmann (4. von rechts) ist die Ausweitung des Fahrplans ein weiterer Schritt zur Stärkung des ÖPNV.

(Foto: Toni Heigl)

Um den Zehn-Minuten-Takt ab Dezember stemmen zu können, erweitern die Stadtwerke ihre Kapazitäten. In Dachau-Ost entsteht ein neues Busdepot

Von Gregor Schiegl, Dachau

Ein Wall türmt sich am Rand des Geländes, Bagger haben das Erdreich auf dem mehr als 4000 Quadratmeter großen städtischen Grundstück an der Otto-Hahn-Straße im Gewerbegebiet Dachau-Ost freigeräumt. Der Zehn-Minuten-Takt auf städtischen Buslinien kommt zwar erst im Dezember, die Vorbereitungen laufen aber schon. Denn mit ein paar neuen Zeilen in den ausgehängten Fahrplänen allein ist es nicht getan. Neue Busse müssen her und die brauchen Platz, deshalb bauen die Stadtwerke ein neues Depot.

Beim Spatenstich am Mittwoch haben sich die Gäste in den Schatten eines einsamen Partypavillons geflüchtet, Wespen schwirren aufgeregt durch die Reihen und warten, dass die bereitgestellten Häppchen aus der Zellophanfolie befreit werden. Viele Stadträte sind da, Mitarbeiter der Stadtwerke und - trotz der Hitze mit Anzug und Krawatte - Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). So richtig spektakulär wirkt der Termin auf den ersten Blick nicht, "doch weit gefehlt", sagt der Rathauschef: Hier werde man an Zeuge, wie die Stadtwerke Dachau den öffentlichen Nahverkehr sukzessive ausbauen. Die Busflotte wird zum Fahrplanwechsel im Dezember von 17 auf 29 Fahrzeuge aufgestockt.

Neben der Citybus-Linie 719 verkehren dann auch die Ringlinien 720, 722 und 726 zu den Hauptverkehrszeiten alle zehn Minuten. Die dafür benötigten zusätzlichen Busse, die mit umweltfreundlichem Erdgasantrieb betrieben werden, brauchen Garagen, in denen sie nach Betriebsschluss geparkt, gewaschen und gereinigt werden können. Auf dem Betriebshof in der Otto-Hahn-Straße fehlt der Platz. Doch unweit des Hofs besitzen die Stadtwerke ein Areal, auf dem die 18 neuen Bushallen errichtet werden. Ende Oktober sollen die ersten Fahrzeuge aus den Hallen rollen. Weil auch die Belegschaft wächst, wird auf einer der Hallen ein zusätzlicher Gebäudekomplex mit Umkleiden, Aufenthaltsräumen und Büros entstehen.

Insgesamt 9,5 Millionen Euro investieren Stadtwerke und Stadt in die Einführung des Zehn-Minuten-Taktes. Für Oberbürgermeister Florian Hartmann ist das Geld gut angelegt: "Neben dem Bau der neuen Bushallen und dem Kauf von zwölf zusätzlichen Erdgasbussen gehört auch die Schaffung einer entsprechenden Infrastruktur dazu." So werde eigens auf dem Gelände an der Otto-Hahn-Straße eine Erdgastankstelle errichtet. Mit der Einstellung von zusätzlichen Busfahrern werden darüber hinaus 25 neue Arbeitsplätze in Dachau geschaffen. Busfahrer zu akquirieren ist normalerweise gar nicht so leicht, doch diesmal spielt die Corona-Krise den Stadtwerken in die Karten. Viele Reiseunternehmen waren in den vergangenen Wochen wegen fehlender Aufträge gezwungen, ihre Busfahrer freizustellen, wodurch sie am Markt verfügbar wurden - Glück für die Stadtwerke.

Die Einführung des Zehn-Minuten-Taktes auf den Ringlinien 720, 722 und 726 ist für den OB das "Sahnehäubchen" einer ganzen Reihe von Verbesserungen, welche die Stadt in den vergangenen Jahren im Dachauer Bussystem vorgenommen hat: Mit der Linie 718 wurde Ende 2016 der Stadtteil Himmelreich angebunden. Seit Dezember 2018 fahren die Busse 717 und 718 abends bis mindestens 23 Uhr. Die Linien 722 und 726 sind bis kurz vor Mitternacht unterwegs. "Das bedeutet, alle Stadtteile werden bis spät abends im 40-Minuten-Takt bedient, sowohl werktags als auch am Wochenende", erklärt Reinhard Dippold, der den städtischen Verkehrsbetrieb seit neun Jahren leitet. Zudem gibt es auch eine Angebotsausweitung auf den Linien 726 und 744: Die Busse fahren seit Dezember 2018 auch an Sonn- und Feiertagen die kompletten Strecken. "Dadurch hat sich vor allem die Situation für die Bewohner der Saubachsiedlung, für das Gewerbegebiet Schwarzer Graben und für den Kräutergarten verbessert", so Dippold. Aktuell umfasst die Stadtwerke-Flotte 17 Busse, die auf acht verschiedenen Linien pro Jahr rund eine Million Kilometer zurücklegen und 3,5 Millionen Fahrgäste transportieren.

© SZ vom 14.08.2020

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