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ÖPNV:Landkreis zahlt für 365-Euro-Ticket

Der MVV rechnet mit Mindereinnahmen, wenn die Schüler- und Azubifahrkarte kommt. Einen Teil davon übernimmt Dachau

Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) will den öffentlichen Nahverkehr für junge Leute attraktiver machen. Am 1. August dieses Jahres wird ein 365-Euro-Ticket eingeführt, mit dem Fahrten im gesamten MVV-Bereich möglich sind. Das Ticket soll für Schüler und Auszubildende gelten. Auch junge Menschen bis zum 18. Lebensjahr, die weder Schüler noch Auszubildende sind, sollen in den Genuss des neuen Angebots kommen. Das 365-Euro-Ticket ist für Schüler kostenlos, die Anspruch auf eine kostenlose Beförderung zur Schule haben und für die Fahrt zur Schule ein MVV-Ticket nutzen. Mit dem neuen Ticket können die Schüler auch während der Ferien fahren.

Der Landkreis unterstützt die Einführung des 365-Euro-Tickets, das im gesamten MVV-Bereich für ein Jahr gelten soll. Die Initiative dafür ging vom Freistaat aus, der sich davon eine stärkere Nutzung des Nahverkehrs und positive Auswirkungen fürs Klima verspricht. Die Einführung des neuen Tickets kostet allerdings viel Geld: Der MVV rechnet mit Mindereinnahmen von 30 Millionen Euro pro Jahr. Zwei Drittel davon übernimmt der Freistaat, den Rest wollen die übrigen MVV-Gesellschafter - die acht Verbundlandkreise und die Landeshauptstadt München - übernehmen. Auf den Landkreis Dachau kommen voraussichtlich Mehrkosten in Höhe von etwa 100 000 Euro netto zu, die den Haushalt belasten werden.

Das neue Ticket gilt für Schüler an allgemeinbildenden und weiterführenden Schulen, Auszubildende, Beamtenanwärter und Personen, die einen Bundesfreiwilligendienst oder ein freiwilliges soziales Jahr ableisten. Auszubildende, Beamtenanwärter und freiwillig Dienst Leistende müssen das Ticket grundsätzlich selbst bezahlen, weil sie nicht unter die Kostenfreiheit des Schulwegs fallen. Die Karten können am ersten Tag eines Monats erworben werden. Schüler, die einen Anspruch auf Kostenfreiheit des Schulwegs haben, erhalten bislang ein MVV-Ticket für jene Ringe oder Zonen, die für den Schulweg nötig sind. Mit dem 365-Euro-Ticket können sie künftig kostenlos auch außerhalb dieses Bereiches fahren - das gilt auch für die Ferienzeit. Im Schuljahr 2017/18 besuchten 15 530 Schüler allgemeinbildende und 18 273 Schüler berufliche Schulen. Davon haben 6976 einen Anspruch auf kostenlose Beförderung - erhalten also das 365-Euro-Ticket kostenlos. Das neue Angebot ist zunächst auf drei Jahre befristet.

Die Landkreisverwaltung rechnet damit, dass viele MVV-Kunden auf das 365-Euro-Ticket umsteigen werden. Das Angebot werde dem MVV auch neue Kunden bringen. Die zusätzlichen Fahrgäste wären aber vorwiegend zu den Hauptverkehrszeiten unterwegs, in denen es schon Engpässe bei den Kapazitäten gebe, sagte Albert Herbst, Sachgebietsleiter Nahverkehr, im Kreisausschuss. Infrastruktur und Betrieb müssten deshalb ausgebaut werden. Das sieht auch Wolfgang Offenbeck (CSU) so. "Der Ausbau des MVV-Netzes ist dringend nötig", sagte er.

Ob allein ein kostenloser öffentlicher Nahverkehr zu mehr Fahrgästen führt und damit die Schadstoffemissionen reduziert, dafür gibt es noch keinen Beleg. Erfahrungen aus der Stadt Pfaffenhofen an der Ilm sprechen nicht dafür. Sie führte ein kostenloses Angebot im Busverkehr ein. Ergebnis: Die Fahrgastzahlen stiegen nicht merklich an, das Angebot wurde überwiegend von Kunden genutzt, die vorher mit dem Fahrrad oder E-Bikes fuhren. Für Autofahrer war die kostenlose Busbenutzung offenbar nicht attraktiv genug. Herbst: "Das Auto ist nach wie vor ein Statussymbol. Selbst für kurze Wege wollen viele Menschen darauf nicht verzichten."

© SZ vom 28.01.2020
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