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Odelzhausen:Volkshochschule vor dem Aus

Wie geht es weiter mit der Volkshochschule? Vor dieser Frage stehen die Erwachsenenbildungseinrichtungen vielerorts.

(Foto: imago stock&people)

Die Erwachsenenbildungseinrichtung von Odelzhausen, Sulzemoos und Pfaffenhofen ist seit der Corona-Krise in finanziellen Schwierigkeiten. Außerdem herrscht akuter Personalmangel - auch im Vorstand des Vereins

Von Horst Kramer, Odelzhausen

Der Volkshochschule (VHS) der A-8-Gemeinden Odelzhausen, Pfaffenhofen und Sulzemoos droht das Aus. Nicht nur wegen der Corona-Krise, sondern auch, weil Personal fehlt. "Uns sind im laufenden Semester rund 22 000 Euro an Teilnehmergebühren entgangen", berichtet Anette Kurth-Ermer, die Geschäftsführerin und erste Vorsitzende des eingetragenen Vereins. Sie erläutert: "Es geht uns wie fast allen Volkshochschulen. Viele haben Schwierigkeiten, manche vielleicht sogar noch mehr als wir."

Die Personalsituation in der Bildungseinrichtung ist inzwischen katastrophal. Bei der Jahresversammlung Anfang Juli konnte der Vorstand nicht mehr vollständig besetzt werden, die notwendige Neuwahl musste verschoben werden. Viele der langjährigen VHS-Mitstreiterinnen und -Mitstreiter hätten inzwischen das Rentenalter erreicht und wollten nicht mehr kandidieren, erklärt Kurth-Ermer. Gleichzeitig fehle es an jüngeren Menschen, die an Bildungsthemen Spaß hätten und sich engagieren wollten, konstatiert die VHS-Chefin. Und um eine Teilzeitkraft einzustellen, fehlten der Einrichtung inzwischen die Mittel.

Die Finanzierung einer Volkshochschule beruht auf drei Säulen: staatlichen Zuschüssen, Einnahmen durch die Kurse sowie Zahlungen der beteiligten Kommunen. Der Freistaat unterstützte die VHS Odelzhausen Pfaffenhofen Sulzemoos e.V. im vergangenen Jahr mit rund 3000 Euro. Den Löwenanteil tragen die Teilnehmer bei. Im vergangenen Jahr spülten sie rund 47 000 Euro in die Kassen. Die Gemeinden mit ihren zusammen rund 10 500 Einwohnern schossen gemeinsam etwas mehr als 10 000 Euro dazu. Ein vergleichsweiser geringer Betrag: In der 8000-Einwohner-Kommune Altomünster beschloss der Marktgemeinderat vor zwei Jahren eine Erhöhung auf pauschal 25 000 Euro. "In Krisenzeiten wie diesen wäre unser Gemeinderat vermutlich auch zu zusätzlichen Hilfen bereit", erzählt Altomünsters Amtsleiter Christian Richter. "Bildung ist wichtig und kostet Geld!"

Odelzhausen, Sulzemoos und Pfaffenhofen an der Glonn teilen sich ihren Beitrag nach der Einwohnergröße auf und überweisen einen "Pro-Kopf-Pauschale" auf das VHS-Konto. Erst im vergangenen Jahr wurde diese Pauschale von 60 Cent auf einen Euro erhöht. Die Odelzhausener Kommunalpolitiker hätten auch eine Erhöhung auf 1,50 Euro mitgetragen - ein Betrag, der den Gremien der Nachbarkommunen jedoch als zu hoch erschien.

Pfaffenhofens Bürgermeister Helmut Zech (CSU) zeigt sich nun einer Neuverhandlung der Unterstützungszahlungen nicht völlig abgeneigt: "Darüber kann man sicherlich reden, allerdings müsste man die Ausrichtung der VHS auf den Prüfstand stellen." Zech bringt die Westallianz ins Spiel: "In diesem Verbund könnte man enger kooperieren." Er verweist zum Beispiel auf "Kult A8", der rührige Kulturverein, der viele Veranstaltungen mit namhaften Künstlerinnen und Künstlern organisiert. Odelzhausens Rathauschef Markus Trinkl (parteifrei) ist ebenfalls zu einem größeren Engagement bereit. "Dazu brauchen wir allerdings Personen und Konzepte", sagt er.

Kurth-Ermer räumt durchaus ein, dass manche der kulturellen VHS-Angebote keine Publikumsrenner gewesen seien: "Mit Kult A8 und der Furthmühle ist bei uns in der Region schon relativ viel geboten." Es sei für die VHS schwierig, sich dazwischen zu platzieren. Dafür wären andere Angebote regelrechte Selbstläufer: etwa die Führungen durch die Münchner Museen oder die Residenz, praktisch alle gesundheitsbezogenen Kurse - von Yoga bis Rückentraining. "Wer Ideen zu Kursen hat, kann sich bei uns immer einbringen oder auch selber Kurse halten", betont Kurth-Ermer. Das Beste an ihrer Arbeit sei: "Wer sich in der VHS engagiert, hat die Chance, ständig etwas dazuzulernen."

Dass die Lage ihrer Einrichtung ernst ist, will die Bildungsexpertin - die auch die Odelzhausener Bücherei leitet - nicht verhehlen. Sie versucht derzeit, den Betrieb mit einer stark geschrumpften Mannschaft aufrechtzuerhalten. Im Herbst stehen Neuwahlen für die offenen Posten an, darunter der Vizevorsitz des Vereins. Dass sie ein Ende der VHS bitter fände, ist Kurth-Ermer anzumerken. Die Volkshochschule habe in den mehr als zwanzig Jahren ihres Bestehens immerhin zigtausenden Teilnehmern ein vielfältiges Bildungs- und Fortbildungsangebot ermöglicht, erklärt Kurth-Ermer. "Nun sind interessierte und engagierte Mitbürgerinnen und Mitbürger aus den drei Gemeinden gefragt, um das drohende Aus der VHS abzuwenden!" Sie hofft auf zahlreiche Rückmeldungen. Interessentiere können sich per E-Mail an folgende Adresse wenden: bildung@vhs-odelzhausen.de. Auch ein telefonischer Kontakt ist unter der Nummer 08134/555 467 möglich.

© SZ vom 14.07.2020

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