In Odelzhausen treiben gerade seltsame Gestalten ihr Unwesen: „Sparifankerl und die Weiße Frau“ haben sich ausgerechnet im katholischen Pfarrsaal eingenistet. Von Samstag, 14. März, an präsentieren sie sich den Freundinnen und Freunden spannender und gepflegter Unterhaltung. Sparifankerl – der Teufel höchstpersönlich – und die sagenhafte Weiße Frau, die im Musical den schönen Namen Kunigunde trägt, sind die Protagonisten des jüngsten Werks von Librettist und Darsteller Reinhold Klein sowie von Komponist Thomas von Krafft. Beide gehören zu den Glonnstars, einer Gruppe musik- und theateraffiner Menschen, die gemeinsam mit der Theatergruppe Odelzhausen mit „Sparifankerl und die Weiße Frau“ bereits zum dritten Mal ein eigenes Werk zur Aufführung bringt.
Bei einer Theaterprobe erzählt Autor Reinhold Klein die mystisch-mythische Geschichte der Odelzhausener Weißen Frau, der er – so viel darf man schon jetzt sagen – ein spektakuläres Leben eingehaucht hat. Um sie herum hat er jede Menge „Bühnenpersonal“ gruppiert. So scheint es zumindest. Liest man aber den Besetzungszettel, ahnt man, dass dieses „Grusical“, wie Klein es nennt, für die Darstellerinnen und Darsteller in Sachen Wandlungsfähigkeit eine echte Herausforderung ist. So spielt und singt beispielsweise Birgit Baltran nicht nur die Rolle der Oma Bavaria, sondern auch die der Anna Häusler und der Hermine Brauer.

Was diese Menschen mit der Weißen Frau zu tun haben, wird noch nicht verraten. Nur so viel: Die Weiße Frau (Marliese Zech) war mal die Witwe Kunigunde. Nach angemessener Trauerzeit bittet sie, perfekt in Schwarz gekleidet, ihren verstorbenen Mann, sie endgültig freizugeben. Denn sie hat sich in Albrecht den Schönen verliebt. Der stammt aber leider – Romeo und Julia lassen grüßen – aus einer Familie, die seit Urzeiten eine ordentliche Feindschaft mit Kunigundes Sippschaft pflegt. Zu allem Unglück gibt es im ganzen Hin und Her auch noch ein fatales Missverständnis, das das Leben von Kunigundes beiden Kindern aus der Bahn wirft und das der hinterfotzige und doch nicht wirklich unsympathische Sparifankerl (Reinhold Klein) aalglatt für seine finsteren Ziele ausnutzt.
Kunigunde wird zur Weißen Frau und irrt verzweifelt durchs Geschehen. Doch keine Sorge: „Es gibt ein Happy End“, verspricht Klein. Denn er habe eine „Erlösergeschichte“ schreiben wollen, zudem eine ohne tagespolitische Anspielungen. „Die Leute sollen sich unterhalten“, betont er. Dass er seine Texte mit viel urbayerischem Vokabular gewürzt hat, macht sie übrigens besonders prägnant und charmant. „Obwohl wir bei einigen Ausdrücken schon fast einen Untertitel brauchen würden“, sagt der Librettist mit fast teuflischem Vergnügen.

Das hat man auch beim Zuschauen und Zuhören, wenn es beispielsweise im himmlischen Arbeitsamt darum geht, einem „verblichenen Star vom Nockherberg“ eine angemessene Beschäftigung zu verschaffen. Oder wenn man gespannt auf Aufklärung wartet, was das Odelzhausener Bräustüberl, der Schlossweiher und die Erfindung des Weißbiers mit der Weißen Frau zu tun haben.
Auch diese für den Fortgang der Handlung nicht unwichtigen Fragen klärt Thomas von Krafft musikalisch. Er ist dem Odelzhausener Musikgeschehen seit Langem verbunden, ist Chorleiter der Glonnies, Mitglied bei den Glonnsstars und bei den Aufführungen der Theatergruppe dabei. „Ein echtes Dreigestirn“ sagt er lachend. Denn die Mitwirkenden vor und hinter der Bühne sind oft ebenfalls in mehreren dieser lokalen Kultursäulen engagiert.

So war von Krafft als Komponist und musikalischer Leiter geradezu prädestiniert für dieses Musical. Und sagte schnell zu. Warum? „Das Librettto hat mir sofort was gesagt. Jeder Mensch hat doch eine zweite Chance verdient, sagt er mit Blick auf die bedauernswerte Witwe Kunigunde, alias die Weiße Frau. Zudem sei ihr Gegenspieler, der Sparifankerl eben nicht von Grund auf böse. „Er ist eher mephisto-artig, ist charmant und lügt wie gedruckt. Aber das ist sein Job.“
Allen Mitwirkenden auch in der Musik nicht nur Stimme, sondern Charakter und Seele zu verleihen, war das erklärte Ziel des Komponisten, der am Klavier ein ganzes Orchester ersetzt. „Die Musik transportiert den Text nochmal auf eine andere Ebene, sie ist vielgestaltig, hat poppige, lustige und dramatische Elemente“, sagt von Krafft. Gerade mal ein halbes Jahr hat er für seine erste Musical-Komposition gebraucht – immer in enger Abstimmung mit Librettist Klein. Jetzt, in der Proben-Schlussphase, gibt es nicht mehr viel abzustimmen – und für Souffleuse Leni Schweiger nicht mehr viel zu korrigieren. Die Weiße Frau, der Sparifankerl, Oma Bavaria, Albrecht der Schöne und Cherubina treffen den richtigen Ton – bei den Proben und gewiss auch bei der Uraufführung am kommenden Samstag.

