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Odelzhausen:Surfer-Paradies im hintersten Weiler

Foto: Toni Heigl

Alle Außenorte, selbst Einzelhöfe, sollen schnelles Internet bekommen. Der Staat fördert den Ausbau. Nur im Hauptort Odelzhausen gibt es Probleme.

Die Breitbandversorgung in der Gemeinde Odelzhausen soll massiv ausgebaut werden: In seiner jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat entschieden, alle jetzt noch unterversorgten Gemeindeteile und im weiteren Verlauf auch das Ortszentrum von Odelzhausen selbst mit Glasfasertechnik auszustatten. Die Verlegung der Kabel wird für den Bürger kostenfrei sein, da sie vom bayerischen Staat mit hohen Zuschüssen gefördert wird.

Im öffentlichen Teil der Gemeinderatssitzung hatten zunächst mehrere Vertreter der Alto-Netz GmbH aus Altomünster die technischen Möglichkeiten vorgestellt, mit denen Odelzhausen seine Breitbandversorgung verbessern könnte. In den Gemeindeteilen Sittenbach, Sixtnitgern und Roßbach ist der Breitbandausbau bereits in der sogenannten FTTC-Technik erfolgt. Bei dieser Technik wird ein Glasfaserkabel bis zu einem Verteilerkasten geführt; von dort werden Kupferkabel zu den einzelnen Gebäuden verlegt. Damit, erklärt der Geschäftsführer von Alto-Netz, Leonhard Asam, ließen sich Breitbandgeschwindigkeiten bis zu maximal 50 Mbit/s erreichen, was für den Zeitraum der nächsten acht Jahre ausreichen werde.

Der Nachteil dieser Technik: Bei zunehmender Entfernung der zu versorgenden Gebäude vom Verteilerkasten nehme die Leistung stetig ab, erklärte Asam. "Kupferleitungen haben große Verluste", bestätigte auch der Odelzhausener Bürgermeister Markus Trinkl (parteifrei). Ein zusätzlicher Nachteil: Bei einem weiteren Ausbau der Versorgung, der bei stetig steigenden Übertragungsraten sicher nötig werde, müsste die Gemeinde laut Asam "viel Geld in die Hand nehmen". Ein zusätzliches Problem: Wegen des bereits erfolgten Ausbaus der Breitbandversorgung in Sittenbach, Sixtnitgern und Roßbach greift hier das neue Förderprogramm nicht.

Im Gemeinderat stellten die Vertreter von Alto-Netz die großen Vorteile eines Ausbaus per Glasfaserkabel bis direkt an das zu versorgende Gebäude anstelle der FTTC-Technik vor. Bei der Glasfasertechnik handele es sich "um ein Medium, mit dem man gigantische Datenmengen übertragen kann", sagte Asam, weshalb die Gemeinde damit "für die nächsten 30 bis 50 Jahre" versorgt sei. Asam sprach hier von einer "nachhaltigen Lösung", wie sie von seiner Firma auch in der eigenen Gemeinde Altomünster realisiert worden sei. Mit einem reinen Glasfaserausbau "gibt es unbegrenzte Möglichkeiten nach oben" sagte auch Trinkl und verwies darauf, dass künftig auch das Fernsehen über das Internet laufen werde und deshalb größere Übertragungsleistungen nötig würden.

Laut Bürgermeister Trinkl ist vorgesehen, zunächst alle Außenorte, selbst Weiler und Einzelhöfe, per Glasfaser anschließen zu lassen. Immer vorausgesetzt, dass der jeweilige Hauseigentümer Interesse an einem solchen Anschluss hat und sich verpflichtet, sich zumindest für den Zeitraum von zwei Jahren von dem Unternehmen, das den Zuschlag für den Ausbau bekommt, versorgen zu lassen. "Wir nehmen alle mit", sagte Trinkl, egal ob es sich um die Orte Hadersried und Miegersbach, um einen Weiler wie Riedhof ganz im Süden der Gemeinde oder um Gaggers im Norden handle, das internetmäßig bislang schlecht versorgt sei. Auch das Gewerbegebiet in Odelzhausen soll über die neue Technik ein erheblich schnelleres Internet bekommen.

Für Odelzhausen selbst gibt es laut Trinkl "gewisse Probleme, in die Förderung hineinzukommen", da das Ortszentrum zumindest teilweise mit der bisherigen Technik ausreichend versorgt ist. Später solle der weitere Ausbau "Straßenzug um Straßenzug" erfolgen, vorausgesetzt, dass genügend Interessenten an einem solchen Ausbau da seien. Trinkl betonte, dass der Anschluss im Rahmen des Förderprogramms für die Bürger kostenlos sei. Später müsse man mit Anschlusskosten von sicher "3000 Euro aufwärts" rechnen.

Sorgen, der Vorgarten könne unter der Leitungsverlegung leiden, sind laut Trinkl unbegründet: In einer Art Spülbohrung würde die Leitung zum Gebäude unterirdisch in der Hofeinfahrt verlegt. Er könne deshalb "nur jedem empfehlen, hier mitzumachen". Die Gemeinde wird jetzt ein Ausschreibungsverfahren in die Wege leiten und damit ein Ingenieurbüro beauftragen. Die Schritte des Verfahrens werden etwa ein Dreivierteljahr in Anspruch nehmen. Mit den Bauarbeiten kann nach Einschätzung des Bürgermeisters im kommenden Frühjahr begonnen werden. Bis zum Sommer, so Trinkl, "könnten die ersten Hausanschlüsse in Betrieb gehen".

© SZ vom 19.03.2015
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