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Unfallserie:Blendende Verhältnisse

In den letzten Tagen kam es auf der A8 in Höhe von Odelzhausen immer wieder zu Unfällen. Schuld daran war die tief stehende Sonne.

(Foto: Toni Heigl)

Derzeit kracht es fast täglich am frühen Vormittag auf der A8 zwischen Odelzhausen und Adelzhausen. Schuld an den vielen Unfällen: Autofahrer, die den Sicherheitsabstand missachten - und auch die gefährlich tief stehende Sonne.

Für die Feuerwehren entlang der Autobahn A8 zwischen Odelzhausen und Adelzhausen herrschte in den vergangenen Tagen Hochbetrieb. Die Freiwillige Feuerwehr in Odelzhausen wurde von Samstag bis Montag zu vier Einsätzen auf der A8 gerufen, die Einsatzkräfte aus Adelzhausen rückten sogar fünfmal aus, denn es kam auf diesem Streckenabschnitt zu mehreren Unfällen innerhalb kurzer Zeit. In drei Fällen wurden die Odelzhausener Einsatzkräfte zu Auffahrunfällen gerufen. In zwei von diesen drei Fällen war vermutlich die tief stehende Sonne schuld, welche die Fahrzeugführer blendete.

Polizeihauptkommissar Heinz Angermeier von der Verkehrspolizeiinspektion in Fürstenfeldbruck kennt die Situation, die besonders zu dieser Jahreszeit zum Problem wird. Denn wenn die Sonne aufgeht, steht sie auf der Strecke zwischen Adelzhausen und Dachau direkt über der Fahrbahn und blendet die Autofahrer, die in Richtung München unterwegs sind. Sonnenaufgang ist momentan ungefähr um acht Uhr morgens - eine Zeit, zu der besonders viele Menschen auf dem Weg zur Arbeit sind, weshalb der Verkehr auf der Strecke sehr dicht ist. "Dann reicht schon eine kleine Geschwindigkeitsänderung durch geringes Bremsen aus und es kracht", weiß Angermeier. Denn, von der Sonne geblendet, könne der nachfolgende Verkehr nicht rechtzeitig reagieren. Die häufig viel zu geringen Sicherheitsabstände zwischen den einzelnen Fahrzeugen im dichten Verkehr verschlimmern die Situation.

Gefährlicher Abschnitt zwischen Odelzhausen und Adelzhausen

Besonders unfallgefährdet ist der Streckenabschnitt zwischen Adelzhausen und Odelzhausen, da Autofahrer, nachdem sie über die Kuppe am Adelzhauser Berg gefahren sind, abrupt geblendet werden und deshalb bremsen. Der Kommissar schätzt, dass sowohl die Autofahrer als auch die Kollegen von Feuerwehr und Polizei noch rund vier bis fünf Wochen mit dem Problem zu kämpfen haben werden. Dann nämlich geht die Sonne um eine Zeit auf, zu welcher der Verkehr noch weniger dicht ist. "Vor allem zwischen sieben und neun Uhr morgens haben wir auf der A8 massiven Verkehr", erklärt Angermeier. Durch die Umstellung auf die Sommerzeit ergibt sich zudem Ende März nochmals ein kurzes Zeitfenster, in dem die Situation erneut problematisch werden kann.

Neu ist die Gefahr durch die blendende Sonne auf der A8 in Fahrtrichtung München ab Adelzhausen bis etwa auf der Höhe von Dachau aber keinesfalls. "Im letzten Jahr war das Wetter zu dieser Zeit allerdings viel schlechter, darum hatten wir das Problem nicht", erinnert sich der Polizist. Außerdem ist natürlich nicht nur die A8 betroffen, sondern auch andere Straßen, die in dieser Richtung verlaufen. Da die Verkehrsdichte auf diesen aber wesentlich geringer sei und die Fahrzeuge weniger schnell unterwegs seien, käme es dort nur selten zu Unfällen, erklärt Angermeier.

Hilft ein Tempolimit auf der A8?

Könnte also ein Tempolimit die Lösung des Problems sein? Der Polizeihauptkommissar ist skeptisch und erklärt, dass die Fahrzeuge im morgendlichen Berufsverkehr vermutlich kaum schneller als 120 Kilometer pro Stunde fahren würden. Ein Tempolimit müsste also eine sehr geringe Fahrgeschwindigkeit vorschreiben: "Wenn wir alle 60 fahren würden, hätten wir das Problem nicht." Das sei auf einer Autobahn aber nicht wirklich angemessen. Angermeiers Appell lautet stattdessen: "Die Verantwortung von Seiten der Fahrzeugführer ist gefragt - da muss sich jeder an der eigenen Nase packen."

Der erste Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Odelzhausen, Oliver Mathis, war bei zwei der jüngsten Einsätze auf der A8 vor Ort und ist ähnlicher Meinung: "Ein Tempolimit wäre sicher nicht das verkehrteste, aber vor allem müssen die Fahrer ihre Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann den Umständen anpassen." Generell könne man nicht sagen, dass es zu dieser Jahreszeit zu einem Hoch an Unfällen komme, da zahlreiche weitere Faktoren eine Rolle spielten. Jedenfalls aber stellen die häufigen - in den vergangenen Tagen beinahe täglichen Einsätze - eine hohe Belastung für die freiwilligen Helfer aus Odelzhausen dar. Mathis sagt: "Mit zwei Einsätzen in 14 Tagen kommt man schon klar, aber bei vier Einsätzen in drei Tagen ist das Wochenende dann doch ziemlich schnell vorbei und es bleibt nicht mehr viel Zeit für Familie und Freizeit übrig."