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Neuplanung des Dachauer Bahnhofs:Keine leichte Aufgabe

Aktuell noch Brache, in Zukunft Mobilitätsdrehscheibe: Auf den Flächen östlich der Frühlingsstraße soll der Dachauer ZOB entstehen.

(Foto: Toni Heigl)

In einer Online-Veranstaltung hat die Jury die Bürger über den Stand der Neuplanung des Dachauer Bahnhofs informiert. Obwohl es bereits einen Siegerentwurf gibt, gibt es eine Liste mit 14 Verbesserungsvorschlägen

Von Julia Putzger, Dachau

Funktional soll er sein und dennoch eine hohe Aufenthaltsqualität bieten, das Umfeld beleben und gleichzeitig sicherer Verkehrsraum für alle Teilnehmer sein: Die Anforderungen an den künftigen Dachauer Bahnhof scheinen nach einer Eier legenden Wollmilchsau zu verlangen, das muss sogar Uli Hellweg zugeben. Gemeinsam mit weiteren Verantwortlichen präsentierte der Stadtplaner aus Berlin als Vorsitzender des Preisgerichts, das über die Entwürfe beim Ideenwettbewerb zum Dachauer Bahnhof entschied, am Montagabend interessierten Bürgern die eingereichten Arbeiten in einer Online-Veranstaltung.

Im vergangenen Herbst hatte die Stadt Dachau gemeinsam mit der Deutschen Bahn einen Ideenwettbewerb für die Gestaltung des Dachauer Bahnhofs ausgelobt. 3,7 Hektar Flächen stehen entlang der Frühlingsstraße, auf dem bestehenden Bahnhofsvorplatz und Busplatz sowie im Süden auf dem Postareal und einem privaten Grundstück zur Verfügung und sollten in die Gestaltung miteinbezogen werden. Aus den 13 eingereichten Arbeiten kürte die Jury Ende November dann einen Sieger, das Kölner Planungsbüro ASTOC. Doch auch dieser Siegerentwurf ist nicht makellos, sondern erfordert noch teilweise weitreichende Änderungen, über die auch der Stadtrat bereits debattierte. Warum und wie die Entscheidung der Jury zustande kam, das sollte nun für die Dachauer Bürger transparent gemacht werden, die ja auch bei der Bürgerumfrage 2017 eng in die Gestaltung miteinbezogen wurden. 138 Teilnehmer waren nun online dabei.

"Keine dieser Arbeiten ist so, dass sie eins zu eins übernommen werden könnte", erklärte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) gleich zu Beginn der Veranstaltung und stellte klar: "Bei einem Ideenwettbewerb geht es darum, Ideen zu bekommen." Dass dies gelang, zeigt die Vielfalt der 13 eingereichten Arbeiten, die trotz der strikten Vorgaben mit teilweise ganz unterschiedlichen Lösungen daherkommen. Mal wird vorgeschlagen, einen elfgeschossigen Hochhausturm auf dem Gelände zu bauen, in einem anderen Entwurf verschwindet das Bahnhofsgelände fast komplett unter und hinter Glas, eine andere Arbeit sieht eine große Plattform auf großen Teilen des Geländes mit mehren Auffahrten vor.

Die Aufgabe, vor der die Jury stand, war also keine leichte. Doch die Sach- und Fachpreisrichter - also einerseits die Spezialisten vor Ort und andererseits die professionellen Planer - konnten auf das standardisierte Verfahren des Ideenwettbewerbs zählen: In der Phase der Vorprüfung erstellten sachverständige Berater zu jedem Entwurf eine sechsseitige Zusammenfassung, die etwa Daten zum besseren Vergleich auflistet. Sie dienen der Jury als Grundlage für den sogenannten ersten Rundgang. In dieser Phase schieden bereits zwei Entwürfe einstimmig aus, da die Jury der Ansicht war, dass die Entwürfe nicht ins Umfeld passen würden. Danach folgte der zweite Rundgang, nach intensiven Diskussionen schieden weitere sieben Entwürfe aus. Die Gründe, die die beiden Fachpreisrichter Ariane Jungwirth, Leiterin der Abteilung Stadtplanung in der Stadt Dachau, und DB-Vertreter Alf Hoinkis, dafür nennen, zeigen, wie ernst die Jury die Wünsche der Dachauer aus der Bürgerumfrage genommen hat. Immer wieder fallen die Schlagworte Maßstäblichkeit, Aufenthaltsqualität, Funktionalität. Der neue Dachauer Bahnhof soll einerseits Visitenkarte der Stadt sein, urbanes Flair vermitteln und bleibenden Eindruck hinterlassen, andererseits nicht zu wuchtig und großstädtisch sein, sondern sich an den Bestand in der Frühlingsstraße anpassen.

Von den übrigen vier Entwürfen wird einer per Anerkennung ausgezeichnet, die übrigen finden sich auf dem Siegertreppchen ein. Zwar betont Hellweg den "großen Unterschied" bei der Gestaltung zwischen ersten und zweitem Platz und lobt beim Siegerentwurf vor allem das "Spiel mit den Baukörpern", die eben nicht - wie viele andere Entwürfe - eine serielle lange Fläche entlang der Frühlingsstraße bilden. Gleichzeitig gibt es jedoch besonders im Bereich des künftigen ZOB viele Kritikpunkte, die auch die Jury in vielerlei Hinsicht beim Zweitplatzierten besser gelöst sah. Hellweg macht in der anschließenden Fragerunde jedoch klar: "Nein, man kann nicht die Nordseite des zweiten mit der Südseite des ersten Siegers zusammenmischen." Es sei lediglich möglich, Aspekte aufzunehmen, man könne den Sieger in diese Richtung weisen.

Dafür gibt es auch schon einen konkreten Plan: In den nächsten Wochen geht es weiter mit der Überarbeitung des Siegerentwurfs. Die Liste dazu, die der Dachauer Bauamtsleiter Moritz Reinhold am Montagabend vorstellte, beinhaltet 14 Punkte: Von großen Änderungen wie einer zweiten Tiefgarage unter dem ZOB, dem Weglassen der Bebauung entlang der Frühlingsstraße und einer zweiten Unterführung für den Radverkehr bis hin zu - nicht unwichtigen - Detailfragen wie dem Abstand zwischen dem historischem Bahnhofsgebäude und dem Neubau. Sobald das Kölner Planungsbüro ASTOC seinen Entwurf überarbeitet hat, wird dieser den Stadträten erneut vorgestellt, und auch eine weitere Bürgerbeteiligung ist vorgesehen.

© SZ vom 14.04.2021
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