Neujahrsempfang in Dachau:Schwarz, Rot, Grün

Beim Neujahrsempfang der Dachauer Grünen spricht nicht nur die Münchner OB-Kandidatin Katrin Habenschaden, sondern auch Florian Hartmann (SPD) und Stefan Löwl (CSU). Der gemeinsame Gegner: die AfD

Von Horst Kramer, Dachau

Neujahrsempfang

Die Münchner OB-Kandidatin der Grünen, Katrin Habenschaden, zeigt sich verwundert darüber, dass die Dachauer Grünen keinen eigenen Oberbürgermeisterkandidaten stellen und stattdessen den Kandidaten der SPD, Florian Hartmann, unterstützen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wenn der Zuwachs an Besuchern des grünen Neujahrsempfangs ein Symptom für die politische Stimmung im Landkreis sein sollte, dann müssten sich alle anderen Parteien bei den Kommunalwahlen auf einiges gefasst machen. Statt der üblichen vierzig bis fünfzig Parteimitglieder, Sympathisanten und geladenen Gäste fanden sich am vergangenen Sonntag etwa 150 Personen im Erchana-Saal des Ludwig-Thoma-Hauses ein. Fast schon bescheiden wirkte da die Prognose des grünen Kreistagskandidaten Ludwig Gasteiger: "Zwanzig Prozent könnten wir bei den Kreistagswahlen schon holen", meinte er im Gespräch mit der Dachauer SZ. Zusammen mit den Stimmen der anderen grün-ökologischen Formationen hält der 42-jährige Geschäftsführer des Kreisjugendrings sogar ein knappes Drittel der Sitze für möglich.

Gasteiger traf damit die Stimmung der meisten Anwesenden. Der grüne Landratskandidat und Kreisrat Achim Liebl, 61, griff sie gegen Ende des Abends auf und forderte unter großem Beifall mehr "Klimaschutz, Naturschutz und Nachhaltigkeit". Bei rund neunzig Prozent der Kreistagsabstimmungen bestehe ein überparteilicher Konsens, doch gerade bei den grünen Themen zeigten sich die Differenzen zu anderen Parteien, so Liebl. Sein Wahlkampfmotto lautet daher: "Nachhaltigkeit als Kompass."

Liebl blickte sich im Raum um und bedauerte: "Schade, dass der Landrat nicht mehr da ist." Amtsinhaber Stefan Löwl, 45, hatte im ersten Teil des Abends eine Gastrede gehalten, wie fast jedes Jahr seit seiner Nominierung im Jahre 2014. Für Löwl waren die Auftritte bei den Grünen immer eine Art Heimspiel. Mit den Kreisräten Marese Hoffman und Roderich Zauscher oder auch mit der Bundestagsabgeordneten Beate Walter-Rosenheimer kann Löwl gut; die Germeringerin baute bei ihrer Einführungsrede sogar ein "Entschuldigung, Stefan" ein, als sie darauf zu sprechen kam, dass ein Grüner - also Liebl - Landrat werden wolle. Zumal sich Liebl nicht nur als Zugpferd für die Kreistagsliste sieht. "Ich hoffe auf eine Stichwahl, mit mir als zweitem Kandidaten", sagte er.

Neujahrsempfang

Dass der Landrat Stefan Löwl (CSU) beim Neujahrsempfang der Grünen eine Rede hält, hat Tradition.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Landrat Stefan Löwl trat jedoch dieses Mal deutlich defensiver auf als noch in früheren Jahren. Er sprach von den Grünen als "politischen Mitbewerbern" und verteilte eine kleine Spitze gegen Liebl. Löwl sagte, dass der Terminus der "Nachhaltigkeit, der zur Zeit ja sehr en vogue ist", weder von den Grünen noch der CSU, sondern vor dreihundert Jahren von Waldbauern im Bayerischen Wald erfunden worden sei. Das sorgte für Getuschel im Saal. Schließlich gilt Hans Carl von Carlowitz (1645 - 1714), ein Sachse, als Schöpfer des forstwissenschaftlichen Begriffs der Nachhaltigkeit.

Löwl erhielt für seine Rede lediglich höflichen Beifall. Zwei andere Gäste sorgten hingegen für Stimmung: der Dachauer Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), 33, und die Münchner Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen, Katrin Habenschaden, 42. Bekanntlich verzichten die Kreisstadt-Grünen auf einen eigenen OB-Kandidaten und unterstützen stattdessen Hartmann. Der bedankte sich ausführlich, verwies auf die gemeinsamen Erfolge und versprach, sich im Falle seiner Wiederwahl, mit ganzer Kraft für alle Dachauerinnen und Dachauer einzusetzen, "gemeinsam mit Euch, der SPD, dem Bündnis für Dachau und allen, die sich für das Gemeinwohl engagieren." Heftiger Applaus.

Neujahrsempfang

Hartmann bedankt sich in seiner Rede ausführlich bei den Dachauer Grünen, verweist auf gemeinsame Erfolge und verspricht, sich im Falle der Wiederwahl mit aller Kraft für alle Dachauer einzusetzen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Achim Liebl bat Hartmann zum Gruppenfoto mit den grünen Bürgermeisteraspiranten im Landkreis Dachau. Diese sind die Haimhausener Physiotherapeutin Sabrina Spallek, 40, die Pfaffenhofener Pädagogin Susanne Vedova, 55, der Indersdorfer Diplomphysiker Hubertus Schulz, 58, und der Röhrmooser Öko-Landwirt Arthur Stein, 61. Achim Liebl erläuterte: "Hartmann ist schließlich auch unser Kandidat."

Die Münchnerin Katrin Habenschaden wirkte leicht irritiert, dass ihre Dachauer Parteifreunde einen SPD-Oberbürgermeister unterstützen. Schließlich versucht sie selbst gerade, Dieter Reiter (SPD) vom Münchner Rathausthron zu stürzen. Habenschaden schlug dann aber problemlos die Brücke in den Landkreis, outete sich als Fan des Dachauer Freibads sowie eines Bergkirchener Biergartens und winkte mit dem "Zauberwort interkommunale Zusammenarbeit". Die Landeshauptstadt-Grünen wollen es durch einen "Regionalrat" konkretisieren: Ein neues Gremium, das sich um Verkehr, Schulen, Gewerbeansiedlungen und Klimapolitik kümmern soll. Grüne Themen bestimmten naturgemäß die Wortmeldungen aller grünen Hoffnungsträger im Landkreis.

Ein politischer Gegner einte alle Rednerinnen und Redner, auch jenseits der Partei- und Regionalgrenzen: die AfD. So bezeichnete Löwl die Partei als "Ausnahme" unter den vielen Bewerbern für kommunalpolitische Mandate, die sich "im Normalfall für die Demokratie einsetzen". Habenschaden sprach von einer "Alternative für nichts" und Liebl warb dafür, Populisten überall entgegenzutreten.

Neujahrsempfang

Zum Neujahrsempfang der Grünen im Ludwig-Thoma-Haus kommen etwa 150 Menschen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Indes der Grundton der Veranstaltung war ein positiver, die Stimmung fast schon euphorisch. Ob sie sich in Wählerstimmen ummünzen lässt, wird sich zeigen. Eines fiel aber auf: Die Generation Ü50 war an dem Abend klar in der Mehrheit, Vertreter der Generation, die freitags für die Zukunft demonstrieren, waren hingegen die Ausnahme.

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