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Neues Streugut erstmals im Einsatz:Der Hit der Saison

Bauhofmitarbeiter Josef Basch präsentiert eine Schaufel mit Blähschiefer. Er wird erstmals eingesetzt.

(Foto: Toni Heigl)

Blähschiefer ist das neue Wundermittel für den Dachauer Winterdienst - er schont die Stadtkasse und die Umwelt

Mit dem Wort blähen verbindet nicht jeder gleich etwas Positives. Zumindest kann sich jeder etwas unter einem aufgeblähten Hefeteig im positiven und unter einem aufgeblähten Bauch im negativen Sinne vorstellen. Wie und warum aber bläht sich Schiefer? Nachdenkliche Gesichter bei den Stadträten. Soeben haben sie den Begriff aus dem Munde des Leiters des Dachauer Bauhofs Kurt Ladehof in der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses gehört. Blähschiefer ist demnach der Hit der Saison. Er kam in diesem Winter das erste Mal zum Einsatz und zwar auf den Dachauer Straßen.

Stadträtin Gertrud Schmidt-Podolsky hatte sich besorgt gezeigt über den Zustand der Straßen und die Streumittel, die auf ihnen ausgebracht werden. "Auf den Straßen sehe ich überall Salz", sagt sie und wundert sich sehr, dass das überhaupt erlaubt ist. Salz ist schlecht für die Böden und wird daher eigentlich nur begrenzt eingesetzt.

Die Antwort, die der Leiter des Ordnungsamtes, Stefan Januschkowetz, gibt, ist grundsätzlich. Die des Bauhofleiters Kurt Ladehof eher komplex. "Wir verwenden keine ätzenden Stoffe", sagt Januschkowetz und verspricht, Hinweisen auf unerlaubte Salzstreuung nachzugehen. Ladehof sagt: "Wir verwenden vier verschiedene Mittel: Salz, Salzchlorid, Splitt und Blähschiefer."

Das Gestein aus dem Tagebau hat formidable Qualitäten. Es wird nach dem Abbau gebrannt und plustert sich dabei auf. Die porösen Körnchen können daher auf Wasser schwimmen. Bringt man sie auf Schnee und Eis aus, sinken sie nicht ab. Bei erneutem Schneefall arbeiten sie sich wieder nach oben. Dadurch, erklärt Ladehof, muss man deutlich weniger ausbringen als vom klassischen Rollsplitt - hat im Frühjahr also auch weniger wegzukehren. Zudem ist die Bremswirkung besser als die von Splitt. Umweltfreundlich ist das Naturmaterial obendrein.

Ganz ohne Salz aber funktioniert ein richtiger Winterdienst nicht. Besonders in der Altstadt auf dem holprigen Kopfsteinpflaster wird es verwendet und hier in größeren Mengen als auf asphaltierten Straßen. Es ist ein zuverlässiges Mittel, um gefährliche Glätte zu verhindern. Egal, was ausgebracht wird, die Mengen unterscheiden sich. Je nach Niederschlagsmenge und Untergrund wird berechnet, ob nur fünf Gramm Streugut pro Quadratmeter ausgebracht werden oder bis zu 40. Weil die Digitalisierung auch den Winterdienst ergreift, muss das bald nicht mehr manuell eingestellt, sondern wird von Computern gesteuert werden. Eine Regel bleibt: Salz ist dem Bauhof vorbehalten. "Für die Bürger stehen Splittkästen bereit", erklärt Ladehof. Allerdings würden "regelmäßig" Salzkisten aufgebrochen, die nur für den Bauhof gedacht sind. "Und dann sind diese Kisten eben irgendwie auch für alle Bürger offen."

Umweltschützer kritisieren den Einsatz von Streusalz, weil es Böden vergiftet, Bäume krank macht und das Grundwasser schädigen kann. Hunde und andere Tiere bemerken die Auswirkungen sofort: Ihnen verätzt es die Pfoten. Abgesehen vom Schaden an der Natur, haben die Kommunen auch finanzielles Interesse am Einsatz von wenig Streusalz, denn es führt auch zu Straßenschäden, die teuer behoben werden müssen. Die Zukunft des Winterdienstes heißt offenbar: Blähschiefer.

© SZ vom 23.03.2018

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