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Neues Kinderhaus in Odelzhausen:Viel Lob für die Sandburg

Margarete Klein-Kennerknecht, die neue Leiterin des Kinderhauses, ist begeistert von den neuen Räumen und der Innenausstattung, die Architektin Carola Hain-Fischer entworfen hat.

(Foto: Toni Heigl)

Das neue AWO-Kinderhaus in Höfa steht kurz vor der Eröffnung. 160 Kinder werden bald hier spielen und lernen. Eine von fünf Kindergartengruppen ist integrativ. Die Leitung der Einrichtung übernimmt Margareten Klein-Kennerknecht

Im neuen AWO-Kinderhaus im Ortsteil Höfa werden demnächst 160 Kinder betreut - in Zukunft könnten es sogar mehr als zweihundert sein. "Ein Name mit irgendeiner Verniedlichung wie 'Kleine Strolche' wäre einfach unpassend gewesen", merkt Odelzhausens Bürgermeister Markus Trinkl (parteifrei) an, während er einige Pressevertreter durch die Räumlichkeiten des neuen Kinderhauses führt. Der Name lautet stattdessen: die Sandburg. Nicht etwa, weil das Gebäude im Ortsteil Höfa aus Sand gebaut ist - es handelt sich um einen ganz normalen Betonbau -, sondern um dem beeindruckenden Komplex eine spielerische Note zu geben. Mehr als 10 000 Kubikmeter umfasst das dreigeschossige Bauwerk, seine Nutzfläche beträgt rund 1400 Quadratmeter. Das Grundstück hat insgesamt zirka 6000 Quadratmeter. Die Gemeinde Odelzhausen hat sich das Projekt ausgedacht und mit 6,2 Millionen Euro finanziert. Die Dachauer Architektin Carola Hain-Fischer setzte das Vorhaben um. Träger ist nun die AWO Dachau.

Rund 160 Kinder werden hier demnächst spielerisch auf den Ernst des Lebens vorbereitet. In sieben Gruppen werden die Kleinen eingeteilt, davon zwei für Krippenkinder und fünf für die älteren ab drei Jahren. Eine davon ist eine Integrationsgruppe. Einige Räume im Erdgeschoss sind schon komplett möbliert und eingerichtet, der Rest folgt in den kommenden Tagen. Nur das zweite Stockwerk bleibt vorerst ungenutzt. "Unsere Fußballhalle", schmunzelt Trinkl bei der Begehung. Bis auf ein Dutzend Stahlträger, einige Rohre und einen Aufzug ist auf 460 Quadratmetern buchstäblich nichts zu sehen. Der Rathauschef erläutert: "Wenn sich in einigen Jahren herausstellt, dass wir den Kindergarten erweitern müssen, dann haben wir hier alle Möglichkeiten." Für drei bis vier Gruppen sei hier Platz. Alternativ könnten Mitarbeiterwohnungen entstehen, auch andere Nutzungen will Trinkl nicht ausschließen. Deswegen ist das Stockwerk über ein zweites Treppenhaus mit eigenem Eingang erreichbar, ohne dass die Kinderhausräume passiert werden müssen.

Der Haken an der Sache: Für diesen Teil des Baus konnte die Gemeinde keine Fördermittel beantragen. Trinkl hält dem entgegen: "Unter dem Strich ist das Projekt dennoch billiger, weil wir uns das gesamte Genehmigungs- und Planungsprozedere ersparen, das bei einem Neubau nötig wäre." Der Odelzhausener Rathauschef hat leicht reden, denn seine Kommune hat so viel Geld auf der hohen Kante, dass sie dafür Strafzinsen zahlen muss. Die Rücklagen der Gemeinde werden zum Jahresende 6,2 Millionen Euro betragen, Bausparguthaben nicht mitgerechnet.

Trinkl lobt die Architektin Hain-Fischer: "Obwohl wir einen sehr sportlichen Zeitplan hatten, blieb sie im Zeit- und Kostenrahmen." Im April 2017 stieg die Dachauerin in die Planungen ein, zwölf Monate später war Baubeginn. Derzeit legen die Handwerker letzte Hand an. Hain-Fischer sagt: "Wir hatten viel Glück, dass sich so viele einheimische Firmen für das Projekt interessierten." Die einzelnen Gewerke wurden wie üblich öffentlich ausgeschrieben; wer sich beteiligt und den Zuschlag erhält, ist bei dem Verfahren ungewiss.

Trinkl weiß, warum das Vorhaben für die heimischen Handwerker attraktiv war: "Das Ausschreibungsvolumen lag mit sechs Millionen Euro in einer Größe, die Betriebe aus der Region noch bewältigen konnten." Im Gegensatz zum Schulneubau im Odelzhausener Süden, bei dem Aufträge in Höhe von 50 Millionen Euro vergeben wurden. "Viele Betriebe aus dem Umland hatten damals abgewunken, weil sie mit dem Volumen überfordert waren", erklärt der Bürgermeister. Hain-Fischer nennt einen zweiten Grund, der wohl für regionale Anbieter entscheidend gewesen sein mag: "Die Nähe zur Autobahn mit der problemlosen Zufahrt zur Baustelle."

Sehr zufrieden zeigen sich auch die beiden Dachauer AWO-Chefinnen Marina Braun und Wiebke Kapaun. "Wir haben schon mehrfach mit Frau Hain-Fischer zusammengearbeitet, das lief immer völlig reibungslos", erzählt Braun. Die Architektin hat nicht nur den Gebäudeplan und das Raumkonzept erarbeitet, sondern auch die Innenausstattung entworfen. Die Leitung des neuen Kinderhauses übernimmt Margarete Klein-Kennerknecht. Bis zu den Sommerferien betreute sie die AWO-Kindergartengruppe, die im Odelzhausener Rathaus untergebracht war. Sie hat ein kleines Team mitgebracht, kennt die Kinder und die örtlichen Verhältnisse. Im kommenden Frühjahr soll die "Sandburg" mit einer großen Feier eingeweiht werden.