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Neues Hallenbad:Wasser dringt in Technikraum ein

Hallenbad

Ob die Wasserlache auf dem Boden im Technikraum eindringendes Grundwasser ist oder von oben kommt, ist derzeit noch unklar.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Dachauer CSU raunt von einer Kostenexplosion beim Hallenbad, die Stadtwerke dementieren - halten sich aber bedeckt

Von Thomas Balbierer, Dachau

Nasse Böden und Wasserpfützen auch außerhalb des Beckens sind in einem Hallenbad an sich nicht ungewöhnlich - das Wasser ist schließlich Verkaufsargument Nummer eins, um Gäste anzulocken. Dass der Neubau des Dachauer Hallenbads aber schon jetzt, mehr als ein Jahr vor der geplanten Fertigstellung, teilweise unter Wasser steht, ist wohl nicht beabsichtigt. Wer Ende August den Technikraum im Keller des Rohbaus betrat, sah in manchen Ecken große Wasserlachen und hörte, wie Bauverantwortliche von eindringendem Grundwasser sprachen. Das Fundament reicht ins Grundwasser hinein - ob dieses nun durch den Beton in den Keller fließt? Die Stadtwerke erklären die Pfützen auf Anfrage mit dem geplanten Oberlicht - einer derzeit noch offenen Dachkonstruktion, durch das später einmal Sonnenlicht ins fertige Bad strahlen soll, gerade aber vor allem Regen fällt. Doch zwischen nassem Keller und Dach liegt noch eine Betondecke. Ob nicht doch auch Wasser von unten eindringt? "Sicher ausschließen, dass das Wasser nicht von woanders herkommt, können wir erst, wenn die Gebäudehülle dicht ist", teilt dazu Cornelia Scheyerl, Pressesprecherin der Stadtwerke mit. Aktuell gehe man aber nicht davon aus, "dass dies Auswirkungen auf den Fortschritt der Bauarbeiten hat", so Scheyerl.

Bloß nicht noch eine Verzögerung, werden sie bei den Stadtwerken hoffen. Ursprünglich hätte das Hallenbad längst fertig sein sollen. Der Spatenstich des Projekts mit seiner ambitionierter Architektur liegt immerhin bald drei Jahre zurück. Heuer hätte es eröffnen sollen. Doch Probleme mit der Tragwerkskonstruktion aus Holz verzögerten im vergangenen Jahr die Fertigstellung. Nun soll das Bad Ende 2021 eröffnen - wobei die Stadtwerke auch hier lieber vorsichtig formulieren: Der Zeitplan lasse "eine Fertigstellung Ende 2021 als möglich erscheinen". Voraussetzung sei, "dass es keine weiteren Probleme" gebe, so Sprecherin Scheyerl. Jede Störung könne erneut zu einer Verzögerung führen.

Auch was die Kosten der neuen Schwimmhalle betrifft, wollen sich die Stadtwerke nicht mehr festlegen. Das ursprüngliche Budget von 19,37 Millionen Euro ist längst gerissen, zum aktuellen Kostenstand geben die Stadtwerke auf Anfrage keine Auskunft. Diese werde man "zu gegebener Zeit" im Werkausschuss behandeln. Schon kursieren Gerüchte, das Projekt werde zum finanziellen Desaster. CSU-Stadtrat Norbert Winter spekulierte nach einer Besichtigung des Rohbaus im CSU-Blog gar, die Kosten könnten "sich bei circa 25 Millionen Euro einpendeln" und ätzte dann: "Inzwischen bestehen berechtigte Zweifel, ob diese Summe ausreichend sein wird." In Anlehnung an die Kostenexplosion bei der Hamburger Elbphilharmonie schrieb Winter, Dachau bekomme "seine eigene Amperphilharmonie".

Die Stadtwerke dementieren Winters Vermutung, sie könne den genannten Betrag "für die reinen Baukosten", also ohne Honorare, nicht bestätigen, so Cornelia Scheyerl. Mit Verweis auf die gestiegenen Kosten des KZ-Gedenkstätten-Parkplatzes betont sie aber, "dass jede Änderung im geplanten Bauablauf zu Mehrkosten führt". Niemand soll den Stadtwerken also später einen Vorwurf machen können, falls sich das "höchst anspruchsvolle" Prestigeprojekt am Ende doch noch einmal verteuern oder verzögern sollte.

© SZ vom 01.09.2020

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