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Neuer Dekan:Sprachrohr für die Seelsorger

Nächstenliebe ist Dekan Heinrich Denk wichtig.

(Foto: Toni Heigl)

Heinrich Denk ist nicht nur Pfarrer von Heilig Kreuz, sondern jetzt auch Leiter des Dekanats Dachau. Der ehemalige Kapuziner-Pater sieht sich als Bindeglied zwischen den Geistlichen und der Kirche

Für den gebürtigen Niederbayern Heinrich Denk war das Jahr 2017 ein ganz besonderes. Die Priesterweihe, die er im Alter von 30 Jahren in Eichstätt erhalten hat, jährte sich heuer zum 30. Mal. Anfang Juli feierte der katholische Pfarrer mit dem Pfarrverband Heilig Kreuz und Sankt Peter in einem festlichen Dankgottesdienst seinen 60. Geburtstag. Und Mitte Dezember ernannte ihn schließlich der Weihbischof Bernhard Haßlberger in der Pfarrkirche von Heilig Kreuz zum neuen Dachauer Dekan.

"Sehr verantwortungsvolle Aufgabe"

Heinrich Denk bezeichnet seine neue Aufgabe als "sehr verantwortungsvoll". Bei seiner Amtseinführung am 17. Dezember hatte er bereits versprochen, er werde sich um die Sorgen und Nöte der Dachauer Seelsorger kümmern. Seit dem Festakt hat Denk offiziell die Nachfolge von Pfarrer Wolfgang Borm übernommen, der den Posten des Dekans mehr als zehn Jahre bekleidet hatte und weiterhin Leiter des Dachauer Pfarrverbands Sankt Jakob bleibt.

Das Wort "verantwortungsvoll" beschreibt Denks neues Amt ganz treffend. Das Dekanat Dachau umfasst 17 Pfarreien und eine Kuratie, die in fünf Pfarrverbänden in Dachau, Bergkirchen, Hebertshausen, Haimhausen, Fahrenzhausen, Röhrmoos und Schwabhausen zusammengefasst sind. Insgesamt zählen die Pfarreien fast 40 000 Katholiken, um die sich fünf Pfarrer und etwa zwei Dutzend Pastoralreferenten, Gemeindereferenten, Diakone, Kaplane und Pfarrvikare kümmern. Den Rest des Landkreises deckt das Dekanat Markt Indersdorf ab.

Heinrich Denk bezeichnet sich als "Bindeglied" zwischen der Erzdiözese München-Freising und den im Dekanat Dachau arbeitenden Seelsorgern. Er wolle Ansprechpartner und Sprachrohr zugleich sein. Von nun an nimmt er vier Mal im Jahr an Konferenzen mit den anderen Dekanen unter der Leitung von Weihbischof Bernhard Haßlberger oder Kardinal Reinhard Marx teil. Die meist kirchenpolitischen Inhalte, die dort besprochen werden, soll er zu den Seelsorgern im Landkreis Dachau transportieren und mit ihnen besprechen. Einmal im Monat moderiert er dazu die Dekanatskonferenz im Landkreis, von der er mit großer Mehrheit zum Dekan gewählt wurde. An der Konferenz nehmen alle Seelsorger aus dem Dachauer Dekanat teil. Es werden aktuelle Themen besprochen, beispielsweise die Zukunft des Altomünsterer Klosters. Außerdem soll Denk aus der Runde Anregungen und mögliche Beschwerden der Seelsorger mitnehmen.

In seinem Büro in der Pfarrei Heilig Kreuz erzählt Denk humorvoll und ausführlich über sein bisheriges Leben. Er höre gerne Musik, von Richard Wagner bis Queen, und unternehme gerne Städtereisen, erzählt Denk. Er wurde 1957 im niederbayerischen Plattling geboren und wuchs in Markt Wallersdorf auf. Sein Vater starb an den Folgen eines Autounfalls, als er vier Jahre alt war. "Ich habe gar keine Erinnerungen an ihn", sagt Denk. Bei seiner gläubigen Mutter wuchs er mit seiner Schwester auf. Jeden Sonntag ging die kleine Familie zur Kirche im Dorf.

Noch während seiner Zeit in der Volksschule entdeckte Denk die Bibel und besonders die Figur des Heiligen Franziskus für sich. Den Jugendlichen faszinierte Franziskus' kindliche Art, mit Gott umzugehen und dessen Liebe für Schöpfung und Schöpfer, erzählt er. Allmählich reifte in dem jungen Mann der Wunsch, eine Laufbahn als Geistlicher einzuschlagen. Im Alter von 18 Jahren besuchte er deshalb das Gymnasium für Spätberufene in Fockenfeld in der Oberpfalz. Bis heute ermöglicht das Internat angehenden Priestern und Menschen mit christlicher Gesinnung, das Abitur nachzuholen.

Provinzsekretär und Provinzökonom

Als Denk es 1980 erfolgreich abgelegt hatte, trat er den Bayerischen Kapuzinern bei, die damals der dritte und strengste Zweig des Franziskanerordens waren. In Eichstätt studierte Frater Cornelius, wie Denk sich fortan nannte, katholische Theologie und legte im Jahr 1986 sein Diplom ab. Ein Jahr darauf wurde er zum Priester geweiht und kam 1989 nach München, wo er 20 Jahre lang bleiben sollte. Die meiste Zeit verbrachte er in der Pfarrei Sankt Josef im Stadtteil Maxvorstadt, wo er vier Jahre als Stadtpfarrer arbeitete. Denk widmete sich lange Zeit auch Verwaltungsaufgaben. Er war zeitweise Provinzsekretär und Provinzökonom. Die letzten drei Jahre seiner Münchner Zeit leitete er die Verwaltung der Pfarrei Sankt Anton im Stadtteil Isarvorstadt.

Liberale Haltung

Einige Differenzen, auf die Denk nicht näher eingehen möchte, veranlassten ihn im Jahr 2010, seinen Ausstieg aus dem Kapuzinerorden zu beantragen. Die Erzdiözese München-Freising bot ihm auf Probezeit einen Posten in Heilig Kreuz in Dachau an. Seit Mai 2016 ist er offiziell aus dem Kapuzinerorden entlassen und somit "Weltpriester", wie er erklärt. Als solcher vertritt er eine liberale Haltung: Er findet etwa, dass ein Priester frei entscheiden sollte, ob er im Zölibat leben möchte. Als Seelsorger hat er sich in und um Dachau beliebt gemacht. Angesichts der aktuellen globalen Konflikte appelliert er an die christliche Nächstenliebe. Wer sich daran orientiere, dem seien seine Mitmenschen nicht gleichgültig.

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