Es sieht aus wie eine Beerdigung, soll aber eine Auferstehung werden. Die SPD löst drei zu klein gewordene Ortsvereine auf und unterstellt sie dem recht starken Ortsverein Markt Indersdorf. An diesem Mittwochabend wird sich die Basis im Gasthaus Doll in Ried zur Neugründungsversammlung treffen. Aus den aufgelösten Ortsvereinen Schwabhausen, Bergkirchen und Altomünster soll sich jeweils ein Mitglied zur Wahl für die neue Vorstandschaft anbieten. Der neue Ortsverein soll dann etwa 80 Mitglieder haben.
"Wir wollen den Parteimitgliedern eine neue Heimat geben", sagt der Kreisvorsitzende Martin Güll, "wo es wieder Spaß macht, zu arbeiten." Hubert Böck, Ortsvereinsvorsitzender in Indersdorf wird sich wieder zur Wahl stellen. Mit recht wenig Aufwand habe er vier Kandidaten aus allen vier Vereinen gefunden, die sich als Stellvertreter zur Wahl stellen. Paritätisch natürlich, zwei Männer, zwei Frauen.
Vorbilder gibt es im Landkreis Fürstenfeldbruck
Allein schon satzungsgemäß habe es so mit den drei kleinen Ortsvereinen nicht weitergehen können, erklärt Böck. Etwa anderthalb Jahre habe man nach Lösungen gesucht und sich schließlich auf diese Variante verständigt. Vorbilder dafür gibt es schon, etwa in Niederbayern, aber auch nebenan im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck, wo sich fünf Ortsvereine, darunter Grafrath und Türkenfeld, zur SPD Obere Amper zusammen geschlossen haben.
Pro Ortsverein müssen fünf Posten vergeben werden: Vorsitzender, Stellvertreter, Kassier, Schriftführer, Revisor. Das sei zum einen in einer Gruppe von zehn Leuten überflüssig, sagt Böck. Zum anderen wolle nicht jeder so ein Amt übernehmen. Diese Kräfte würden nun frei für andere Aufgaben, etwa Interessierte zu finden, die sich für den Gemeinderat aufstellen lassen. Güll geht davon aus, dass es in Röhrmoos, Petershausen und Indersdorf wieder SPD-Bürgermeisterkandidaten geben wird. Dass es überall für Gemeinderatslisten reichen wird, davon ist Güll überzeugt.
Mit den Nominierungen will sich die SPD noch bis nach der Sommerpause Zeit lassen. Die Kommunalwahlen werden am 15. März 2020 stattfinden. Dass CSU und Freie Wähler schon jetzt Nominierungslisten und Kandidaten bekanntgeben, befremdet die Sozialdemokraten eher.
"Da müssen sich die Jüngeren engagieren"
Mit dem neuen großen Ortsverein soll der Dachauer Ortsverein einen starken Partner auf dem Land bekommen, so sagt es Martin Güll. "Indersdorf hat eine gesunde Struktur und der Böck ist ein richtiger Macher." Der "Macher" klingt am Telefon äußerst fröhlich und ist zuversichtlich, auch wieder jüngere Leute für die Politik gewinnen zu können. "Die Jugend merkt, dass sie sich einbringen muss, um etwas zu verändern", sagt Böck. Etwa beim Thema Wohnraum, das betreffe viele Ältere nicht, weil sie ihr Haus abbezahlt hätten, die jungen Leute hingegen finden nichts Bezahlbares, weder zur Miete noch ein Baugrundstück. "Da müssen sich die Jüngeren engagieren." Er selbst habe mit der Lokalpolitik begonnen, weil ihm vieles in der Kinderbetreuung gefehlt habe, sagt Böck, der 2014 in Markt Indersdorf als Bürgermeisterkandidat antrat.
Die Menschen allgemein für die Politik zu interessieren, ganz offen, das ist laut Harald Dirlenbach das beste Rezept, um Mitglieder zu gewinnen. So habe er selbst zur SPD gefunden. Der Bürgermeister von Vierkirchen gehört einem der stabilsten Ortsvereine im Landkreis an. Es könne auch auf Vierkirchen irgendwann zukommen, dass es andere Ortsvereine unter seine Fittiche nehmen müsse, sagt Dirlenbach. Auch wenn er wie seine Genossen eher darauf hofft, dass die drei kleinen Vereine nach einer Übergangszeit wieder eigenständig werden können.
Die Signale aus Berlin lassen die Basis hoffen. "Die letzten Jahre sind frustrierend gewesen", sagt Gemeinderat Böck. Doch die Ideen zur Grundrente und höherem Mindestlohn gingen in die richtige Richtung. Der ehemaligen Landtagsabgeordnete Martin Güll sieht in der SPD noch immer eine Volkspartei, die sich breit aufstellen sollte. "Es geht nicht um einen Linksruck", sagt er. "Wie brauchen, wie Sigmar Gabriel es gefordert hat, eine Agenda 2030." Die SPD dürfe sich jetzt nicht nur auf Konzepte für den Sozialstaat konzentrieren, sondern müsse auch Pläne für Klima und Wirtschaft haben. Am 20. März wird der SPD-Unterbezirk Dachau einen neuen Vorstand wählen. Martin Güll wird nicht mehr antreten, nach Ende seiner Amtszeit 2020 wird er als Gemeinde- und Kreisrat aufhören und nach Unterfranken ziehen. Beginn der Neugründungsversammlung in Ried ist um 19 Uhr.
