Neue S-Bahn  Freie Fahrt

Die neue S 2 Altomünster geht am Wochenende wie geplant in Betrieb. Am Sonntag eröffnet Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann die Strecke. Bürger müssen an diesem Tag kein Ticket kaufen

Von Robert Stocker, Dachau

"Es dürfte eigentlich nichts mehr passieren", sagt der Mann in der leuchtenden Warnweste. Projektleiter Ingo Laberer meint die Inbetriebnahme einer Verkehrsverbindung, die den Alltag vieler Landkreisbewohner verändern wird. An diesem Sonntag, 14. Dezember, wird die neue S 2 Altomünster erstmals regulär verkehren - zum Nulltarif für alle Fahrgäste. Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann und die Bürgermeister der Bahngemeinden werden die Strecke mit einer Sonderfahrt am Sonntagmittag eröffnen, Altlandrat Hansjörg Christmann tauft an der Endstation Altomünster einen S-Bahn-Zug. Dort steigt am Bahnhof ein großes Fest, mit dem ein Meilenstein für den Nahverkehr gefeiert wird.

Die Schranken am Bahnübergang Freisinger Straße senken sich. Eine knallrote S-Bahn des Typs ET 420 kommt angerauscht. "Frisch lackiert", sagt Bernd Honerkamp, Sprecher der S-Bahn München, bei einer Baustellenfahrt am Mittwoch. S-Bahnen des Typs ET 420 und ET 423 sind seit Ende November auf der Strecke unterwegs, um Gleise und Oberleitung zu testen. Abgesehen vom Bahnübergang in Schwabhausen verliefen alle Fahrten ohne große Probleme. Nur sieben Monate dauerte es, bis das 68-Millionen-Projekt beendet war. Neun Millionen davon steuern Bund und Gemeinden bei, den Löwenanteil finanziert der Freistaat Bayern. "Es war ein enormer Kraftakt und eine große Leistung aller Beteiligten", sagt Projektleiter Laberer von der DB Projektbau anerkennend. Ursprünglich war eine Bauzeit von zwei Jahren geplant, gebaut werden sollte nur während der Ferien. Dann hätte die Elektrifizierung der Strecke bis Ende 2015 gedauert. "Erste Studien für die neue Linie gab es schon vor zehn Jahren", erinnert sich Rico Süßmilch von DB Netz, Bauherr des ehrgeizigen Großprojekts. Die Planfeststellung erfolgte im Jahr 2013, Spatenstich war heuer im April. "Und am Sonntag werden wir sicher in Betrieb gehen", schwört Projektleiter Laberer Stein und Bein.

Durchfahrt - noch - verboten: Wegen Arbeiten an der Schrankenanlage ist der Bahnübergang in Schwabhausen noch bis Samstag gesperrt.

(Foto: Toni Heigl)

Die größte Herausforderung war die kurze Bauzeit. Die Arbeiter legten Wochenend- und Nachtschichten ein. 30 Kilometer Oberleitung wurden installiert, mehr als 500 Strommasten im Boden verankert, Gleise auf ausgetauschtem Erdreich verlegt, Bahnsteige barrierefrei umgebaut. Ein Kraftakt war auch der Umbau der Weblinger Brücke. Drei Monate lang wurde der Verkehr mit einer Ampelanlage geregelt. Damit die Züge unter der Brücke durchfahren können, musste das Gleis bis zu einem Meter tiefer gelegt werden. Die Oberleitung ist nun vier Meter hoch. An die Brücke wurde eine große Plexiglasscheibe montiert, damit Fußgänger die Oberleitung nicht berühren können. Vorsicht müssen auch Landwirte walten lassen, wenn sie künftig mit einem Traktorgespann Bahnübergänge überqueren. Denn ihre Ladung darf nicht höher als vier Meter sein, wenn sie eine Kollision mit der Stromleitung vermeiden wollen. Die Spannung beträgt 15 000 Volt.

Noch ist der Bahnübergang in Schwabhausen gesperrt. Bei den Testfahrten hatte sich herausgestellt, dass die Signaltechnik nicht mit der Steuerung der Bahnschranken korrespondiert. Die technischen Probleme werden bis Samstag behoben. Der Übergang auf der viel befahrenen Staatsstraße 2047 war für die Bahn schon vorher ein Sorgenkind. Nach dem ersten Ausbau geriet er zu einer Sprungschanze für Autofahrer, die nur mit Tempo 20 passiert werden konnte. Daraufhin wurde eines der beiden Gleise angehoben und die Trassierung angepasst. "Für die Öffentlichkeit war er die größte Belastung", räumt Projektleiter Laberer ein. "Doch wo gehobelt wird, fallen Späne." Und ganz ohne Belastung für Anwohner und Autofahrer gehe es nicht.

Arbeiter stellen am Dachauer Stadtbahnhof einen Fahrkartenautomaten auf. Am Eröffnungstag sind Fahrten mit der neuen S 2 jedoch kostenlos.

(Foto: Toni Heigl)

"Jetzt kommt noch der Feinschliff", sagt Bahnsprecher Honerkamp. Zum Beispiel Geländer an den Bahnsteigen, welche die Holzprovisorien ersetzen werden. Auch Fahrkartenautomaten werden noch aufgestellt, so wie am Mittwoch am Bahnhof Dachau Stadt. Aus Sicht der Bahn ist für Sonntag alles klar - für die erste Fahrt der Bürger mit der neuen S 2.