Neue Nutzung für historischen Komplex Die Mehrfamilienbrauerei

Nach jahrzehntelangem Hin und Her genehmigt die Stadt, das Gebäude der Schlossbergbrauerei zu einem Wohnhaus umzubauen. Auch den Terrassen am Standort der ehemaligen Koschade-Klinik steht nichts mehr im Weg

Von Viktoria Großmann, Dachau

Schon seit einigen Monaten sind an der früheren Schlossbergbrauerei in Dachau Arbeiter zu sehen. Es wird ausgeräumt und aufgeräumt. Am Dienstag haben die Stadträte im Bauausschuss einstimmig dem Bauvorhaben des Besitzers zugestimmt. Ein beinahe historisches Votum, nach dem Jahrzehnte langen Hin und Her um die Zukunft dieses Gebäudes. Vor fast genau zwei Jahren hatten die Stadträte den Vorbescheid genehmigt - Bürgermeister Kai Kühnel (Bündnis) und Claus Weber (FW) waren damals noch dagegen. Einstimmig genehmigten die Stadträte nun in der selben Sitzung auch das Bauvorhaben der Scherm KG am Kaufhaus Rübsamen am Pfarrplatz sowie den weiteren Umbau der ehemaligen Koschade-Klinik an der Frontseite zur Konrad-Adenauer-Straße, mit der auch dieses Wohnbauprojekt abgeschlossen werden soll.

Das historische Brauereigebäude am Schlossberg aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wird vollständig erhalten bleiben. Sogar der Schornstein bleibt stehen. Eine Bedingung des Denkmalschutzes, die den Besitzer des Grundstücks und Gebäudes, die Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA aus München, ordentlich Geld kostet, wie eine Verwaltungsmitarbeiterin im Ausschuss erklärte. Die Stadträte waren besorgt um die Standfestigkeit des Schornsteins, der auch tatsächlich aufwendig im Boden verankert werden muss.

Die Brauerei an der Klosterstraße ist in die Jahre gekommen. Nun wird sie umgebaut.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Brauerei wird sich äußerlich nicht verändern, aber inwendig vollkommen umgebaut. Es sollen 19 Wohnungen entstehen. Der Hof wird für eine Tiefgarage unterkellert werden, die von der Klosterstraße her zu erreichen ist. Erlaubt ist der Einbau von Dachgauben und Dachfenstern sowie vier Balkonen auf der Hofseite. Ein historisches Gebäude zu entkernen und zu Wohnungen umzubauen, ist nicht ganz einfach. Jedes Fenster muss mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden. Formen müssen erhalten oder bei weiteren Fenstern aufgegriffen werden.

Weil das Industrie- und Wirtschaftsgebäude zu einem Wohnhaus wird, müssen neue Vorkehrungen für den Brandschutz getroffen werden. Die Verwaltung fordert Brandmauern. Erst wenn all diese Maßnahmen umgesetzt sind, darf der Bauherr mit dem Umbau des Gebäudes beginnen. Seit 2008 gehört die ehemalige Brauerei der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA. Sie kaufte das Gelände einschließlich der gegenüberliegenden Flaschenabfüllerei. Geschlossen hatte die Brauerei schon im Jahr 2000, neun Jahre später schloss auch die Wirtschaft für immer.

Auch im Gebäude des Kaufhauses am Schrannenplatz entstehen Wohnungen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Dass der Besitzer mit seinem überschaubaren Vorhaben seither nicht vorankam, sagt einiges über das emotionale Verhältnis der Dachauer und ihrer Stadträte zur Altstadt aus. Zunächst musste der Kampf um die Flaschenabfüllerei ausgetragen werden. Der Abriss wurde erst 2013 beschlossen, damals gegen SPD, Grüne, Bündnis und ÜB. Seit 2016 wurden die Mietwohnungen bezogen. Vor zwei Wochen verlieh Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) den Architekten Deffner und Voitländer für das Haus den Dachauer Gestaltungspreis. Damit erhielt dieses schwierige Kapitel ein versöhnliches Ende. Diesem soll nun auch die Brauerei entgegen sehen.

Ein kleiner Teil des Grundstücks im südlichen Eck gehört nun der Stadt Dachau. Sie darf dort einen Biergarten betreiben mit Platz für maximal 200 Gäste. Erlaubt ist nur ein mobiler Ausschank. Speisen müssen selbst mitgebracht werden. Wie genau der Betrieb aussehen und wer ihn übernehmen soll, ist aber noch nicht klar.

Kurz vor dem Abschluss steht das Projekt Schlossbergterrassen am Standort der ehemaligen Koschade-Klinik. Genehmigt wurde der Antrag für das Gebäude an der Straßenseite. Das rückwärtige Terrassengebäude ist schon fast fertig. Wer jedoch an der Adenauer-Straße vorbeigeht, sieht noch immer das alte Betongerippe. Dort soll nun ein Haus mit Erdgeschoss und zwei Obergeschossen entstehen. Damit wird die Lücke zu den beiden Nachbarhäusern geschlossen. Außerdem muss die Zufahrt zur Tiefgarage noch gebaut werden.

Auf dem Standort der ehemaligen Koschade-Klinik ist der Neubau fast fertig.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Erneut mit Beifall bedacht wurden die Pläne von Franz und Andreas Scherm für das Kaufhaus am Pfarrplatz. Dem Vorbescheid wurde im Mai zugestimmt, nun lag bereits der Bauantrag vor. Sechs Maisonette-Wohnungen und zwei Büros wurden genehmigt. Das Kaufhaus braucht längst nicht mehr alle Flächen. Die Scherm KG macht nun große Teile des Hauses wieder nutzbar. Immerhin gibt es mal keine Stellplatzsorgen, weil eine Tiefgarage bereits vorhanden ist, dafür fehlt es an Tageslicht. Die Bauherren wollen das mit dem Einbau eines Lichthofs lösen. Außerdem soll im Untergeschoss ein Lebensmittelladen einziehen können.