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Neue Mitte:Karlsfelds Große Koalition gewinnt

Mehrheit des Gemeinderats aus CSU und SPD setzt sich mit dem Ratsbegehren für den Ausbau der Neuen Mitte durch.

Ihr Einsatz hat sich ausgezahlt: Die Unterstützer des Ratsbegehrens haben gewonnen.

(Foto: Toni Heigl)

Das Konzept für die Neue Mitte kann jetzt zügig weiter verfolgt werden. Für das umstrittene Vorhaben auf Basis des neuen Bebauungsplans 83 B und damit gegen einen Planungsstopp entschieden sich gestern die 14500 wahlberechtigten Karlsfelder mit klarer Mehrheit. Nach Auszählung von 12 der 14 Stimmbezirke haben 57,30 Prozent der Bürger für das Ratsbegehren pro Neue Mitte votiert. Das Bürgerbegehren, das die Kritiker des Vorhabens initiiert haben, über das eigens abgestimmt wurde, erhielt dagegen nur 47,75 Prozent Ja-Stimmen.

"Ich freue mich über dieses Ergebnis ", sagte Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU), der mit einer Mehrheit des Gemeinderats hinter dem Projekt steht und das Ratsbegehren angeregt hatte. "Durch die sich abzeichnende hohe Wahlbeteiligung ist dies ein tragfähiges Votum, das war mir das Wichtigste." Mit dem Bürgermeister freute sich Siegfried Weber, Sprecher der Bürgerinitiative "Ja! zur neuen Mitte", die das Vorhaben unterstützte. "Ich hatte sogar ein noch knapperes Ergebnis erwartet", sagte Weber, der sich in seinem Engagement bestärkt sieht. "Wenn wir nicht initiativ geworden wären, hätte die Ablehnung der Planungen wohl 80 Prozent betragen."

Unaufgeregt nimmt Bernhard Rath das Ergebnis zur Kenntnis. Mit der Bürgerinitiative "Ortsentwicklung Karlsfeld" hat Rath Unterschriften gesammelt für ein Bürgerbegehren gegen die Planungen zur Neuen Mitte - und ist nun mit diesem Bürgerbegehren durchgefallen. "Als gute Demokraten erkennen wir dieses Ergebnis natürlich an", so Rath. Aber der Ausgang der Abstimmung zeige deutlich, "dass die überwältigende Zustimmung nicht da ist." Im Interesse der zahlreichen Bürger, die mit Nein gestimmt haben, stünde es aus seiner Sicht der Gemeinde gut an, "erneut über eine alternative Planung nachzudenken. Eine Anregung, die Siegfried Weber gar nicht so abwegig findet, auch wenn seine BI das Projekt unterstützt hat. "Wenn es Möglichkeiten gibt, Verbesserungen zu erzielen, dann sollte man dafür alle Hebel in Bewegung setzen".

Einig sind sich Kritiker wie Befürworter, dass in den Planungen der Investoren der zentrale Platz "knapp bemessen" ist und auch die Parkplatzsituation durchaus ein Problem werden könnte. Tatsächlich werde die Gemeinde das Bebauungsplanverfahren zwar jetzt zügig weiter verfolgen, so Bürgermeister Kolbe. Doch auch er deutet an, dass noch nicht alle Vorgaben bis ins Detail festgezurrt sind. "Im der weitergehenden Planung konkretisiert sich manches."

Die Gemeinde wird das laufende Bebauungsplanverfahren 83 B zügig zu Ende bringen. Auf der brach liegenden Baugrube auf der Wögerwiese soll ein neues Stadtviertel mit Wohnungen, Einzelhandel und einem kleinen Platz entstehen. Mit großem Interesse verfolgten auch Vertreter der Investoren aus München, der HI Wohnbau und der Investa die Stimmenauszählung. "Wir freuen uns über das Ergebnis", sagte Investa-Geschäftsführer Kilian Kasparek.

Der Streit um die Neue Mitte hatte in den vergangenen Wochen die Karlsfelder intensiv beschäftigt. Abgelehnt wurden die Planungen von der Bürgerinitiative "Ortsentwicklung Karlsfeld" und "83 B - So nicht", die das Ziel einer intensitätsstiftenden Ortsmitte verfehlt sehen. Für das Vorhaben hatte sich Bürgermeister Kolbe mit einer Mehrheit der Gemeinderäte von SPD und CSU ausgesprochen. Unterstützt wurden sie von der Bürgerinitiative "Ja! zur Neuen Mitte", die sich einen Aufschwung für den Ort verspricht. Um den Meinungsstreit zu entscheiden, hatte der Gemeinderat das Ratsbegehren, die Kritiker ein Bürgerbegehren initiiert. Vor allem die Aussicht, dass 220 Wohnungen gebaut werden, hat bei den Befürwortern vermutlich gezählt. Viele Bürgern haben wohl das jahrelange Gezerre um die Neue Mitte beenden wollen.