bedeckt München 13°
vgwortpixel

Neue Dienstwaffe für Bereitschaftspolizei:Doppelt so viele Schüsse

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellt die neue Dienstpistole in Dachau vor. Die Anwärter der Bereitschaftspolizei werden die ersten sein, die mit der neuen Waffe geschult werden. Bis Ende nächsten Jahres soll jeder Beamte eine solche haben

Joachim Herrmann (CSU) gibt sich zufrieden. An diesem Montagvormittag ist Bayerns Innenminister zu Gast in Dachau. "1 800 Neueinstellungen hat es in diesem Jahr gegeben, so viel wie noch nie", verkündet er auf dem Gelände der bayerischen Bereitschaftspolizei. Zahlreiche Fernsehkameras verfolgen seine Ansprache. "Bis 2023 sind weitere 3 500 zusätzliche Stellen geplant", fährt er fort. Und auch vorher hatte die bayerische Bereitschaftspolizei mit 42 000 Stellen den bislang höchste Personalstand - viel mehr als in anderen Bundesländern.

Neue Dienstwaffe

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann übergibt den Polizeianwärtern in einer feierlichen Zeremonie ihre neuen Pistolen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die Botschaft ist klar: Die Sicherheit liegt Herrmann am Herzen - drei Wochen vor der Landtagswahl besonders. Viele klagen über ein diffuses Gefühl der Unsicherheit. Und so wird weiter investiert in Personal, Räumlichkeiten und Ausstattung. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa 3,6 Milliarden Euro, lässt Herrmann wissen. "Wir haben einen Kraftakt hinter uns. Der Freistaat lässt sich die innere Sicherheit eben etwas kosten."

Doch der Innenminister ist nicht nur gekommen, um Wahlkampf zu machen. Er stellt an diesem Montag die neue Dienstpistole vor: die SFP9-TR von der Firma Heckler & Koch. Bis Ende nächsten Jahres sollen alle Polizisten im Freistaat damit ausgestattet sein.

Neue Dienstwaffe

Zwei Beamte demonstrieren die Vorteile der neuen Dienstwaffe in Aktion.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Für dieses Modell habe man sich nach einem Testverfahren mit mehr als 1000 Teilnehmern entschieden, so der Innenminister. Im Vergleich zum Vorgängermodell P7, ebenfalls von der Firma Heckler & Koch und seit 1979 bei der bayerischen Polizei im Einsatz, hat die neue Pistole eine beinahe doppelt so hohe Magazinkapazität und fasst nun 15 statt acht Schuss. "Das kann Leben retten", erklärt der oberfränkische Polizeipräsident Alfons Schieder, der Leiter der Projektgruppe war und die Pistole im Anschluss genauer vorstellte. Weitere Vorteile seien ein um 70 Gramm geringeres Gewicht, eine einfache und sichere Bedienung sowie ein auf die jeweilige Handgröße des einzelnen Polizeibeamten flexibel anpassbares Griffstück. Auch das Risiko, versehentlich einen Schuss auszulösen, sei nun wesentlich geringer, sagt Schieder.

Neue Dienstwaffe

Die neue Dienstwaffe SFP9-TR von der Firma Heckler & Koch.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Für die neuen Dienstwaffen wird nun auch ein neues Holster angeschafft. Aspekte wie die Sicherung der Pistolen gegen Entreißen und ein besserer Tragekomfort wurden berücksichtigt, versichert Herrmann. "Denn natürlich liegt uns auch die Sicherheit unserer Polizistinnen und Polizisten besonders am Herzen." Man werde deshalb die Ausstattung in anderen Bereichen modernisieren und erweitern, etwa die ballistische Schutzausrüstung, sowie Bodycams, Taser, Drohnen und neue Dienstfahrzeuge. "Eine moderne Ausstattung auf dem neuesten Stand der Technik ist Grundvoraussetzung für professionelle Polizeiarbeit und das hohe Ansehen der Polizei in Bayern", findet Herrmann. Die Polizei sei der attraktivste Arbeitgeber in Bayern, wirbt der Innenminister, "noch vor der bayerischen Wirtschaft. Das belege eine Studie.

Herrmann begrüßt an diesem Morgen 160 Polizeianwärter des 66. Ausbildungsseminars in Dachau. Sie haben sich bereits für ihn als Chef entschieden. Und sie werden die ersten sein, die mit der neuen Dienstpistole SFP9-TR von der Firma Heckler & Koch geschult werden. "Das ist strategisch sinnvoll", erklärt Herrmann. Aber auch die übrigen Beamten werden sukzessive an die neuen Waffen herangeführt. Den Polizeianwärtern wünscht Herrmann, dass sie nach ihren Einsätzen stets wohlbehalten und gesund nach Hause kommen, erinnert sie aber auch an die besondere Verantwortung, die mit dem Tragen einer Waffe einhergeht.

Für die Presse freilich demonstrieren zwei Beamte die neue Waffe in Aktion: Mehrfach ziehen sie die Pistole aus dem Holster, laden und entladen sie. Dann wird gefeuert. "Das sieht doch gut aus", sagt Herrmann anerkennend. "Trotzdem wünsche ich, dass sie so wenig wie möglich zum Einsatz kommen muss."

© SZ vom 25.09.2018
Zur SZ-Startseite