bedeckt München 30°

Neubau des Landratsamts:Parken nur noch unterirdisch

Landratsamt

In die Jahre gekommen: Das Dachauer Landratsamt am Bürgermeister-Zauner-Ring soll neu gebaut werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Landkreis will das Landratsamt abreißen und an Ort und Stelle neubauen. Stellplätze für Autos und Fahrräder soll es nur noch in einer Tiefgarage geben - um so leidgeplagte Anwohner zu entlasten

Von Julia Putzger, Dachau

Wenn es um das Thema zukunftsweisende Mobilität geht, stellt Landrat Stefan Löwl (CSU) sich und seine Mitarbeiter aus dem Landratsamt gern als Vorbilder dar. Doch die braven Radler und ÖPNV-Nutzer aus dem Landratsamt haben ein Problem: Die Infrastruktur an ihrem Arbeitsplatz ist nicht wirklich auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet. Mit dem geplanten Neubau des Landratsamts soll sich das jedoch ändern. Ein Mobilitätskonzept, das dem Bau- und Planungsausschuss der Stadt Dachau vorgestellt wurde, gab erstmals konkrete Einblicke in das Vorhaben.

"Ich darf Sie beglückwünschen zu dem, was Sie da vorhaben. Das ist das, was einmal State of the Art werden sollte", begrüßte Stadtplanerin Sonja Rube von USP-Projekte die Stadträte. Das Münchner Stadtentwicklungsbüro hat auf Wunsch des Gremiums ein Mobilitäts- und Erschließungskonzept erarbeitet, das Grundlage für die weiteren Planungen sein soll.

Der Knackpunkt ist die Anzahl der Autoparkplätze in der Tiefgarage: Laut Stellplatzsatzung der Stadt wären 329 Stellplätze nachzuweisen. Immerhin sollen bis zum Jahr 2045 rund 450 Mitarbeiter im Landratsamt beschäftigt sein. Geplant wird nun jedoch mit rund 25 Prozent weniger Stellplätzen, nur 250. Zum Vergleich: Aktuell gibt es rund 150 Parkplätze. Leidgeplagte Anwohner müssen nun aber keinesfalls den Verkehrskollaps durch noch mehr parkende Autos fürchten. Möglich wird diese Unterschreitung der Stellplatzsatzung durch die Maßnahmen, die im Mobilitätskonzept vorgeschlagen werden und gemeinsam mit den Mitarbeitern des Landratsamts erarbeitet wurden. Derzeit nutzen nur rund 15 Prozent der Mitarbeiter im Landratsamt den ÖPNV oder ihr Fahrrad, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen oder Dienstfahrten zu erledigen. Die restlichen 85 Prozent sind mit dem Auto unterwegs.

Durch den künftigen Zehn-Minuten-Takt der Dachauer Stadtbusse sowie Verbesserungen der Radinfrastruktur in der Stadt und im Landkreis erhoffen sich die Planer ein großes Umstiegspotenzial bei der Wahl des Verkehrsmittels. Langfristig soll rund ein Viertel der Wege umweltfreundlich zurückgelegt werden. Dementsprechend sollen auch im neuen Landratsamt Anreize und Infrastruktur geschaffen werden - ein besonderes "Schmankerl" nennt Rube dabei die Fahrradgarage im ersten Untergeschoss. Diese soll über eine separate Zufahrtsrampe vom Weiherweg erreichbar sein und Platz für mindestens 100 Fahrräder bieten, drei dieser Plätze sind speziell für Lastenräder vorgesehen.

Außerdem soll es Lademöglichkeiten für E-Bikes, einen Reparaturplatz, Duschen, Trocknungsmöglichkeiten und Umkleiden für die Landratsamtsmitarbeiter geben. Mit einer lichten Höhe von 2,5 Metern müsse man in der Garage auch auf dem Fahrrad keine Angst haben, sich den Kopf zu stoßen, erklärt Rube und schmunzelt. Für den Fall, dass es in der Fahrradgarage doch einmal zu eng werde, sei bereits gesorgt, dann könne man angrenzende Autostellplätze reduzieren.

Die Zufahrt zur Tiefgarage für Autos erfolgt künftig vom Bürgermeister-Zauner-Ring, somit wird das Wohngebiet im Osten der Kreisbehörde entlastet. Die Rampenlänge von 60 Metern soll einen Rückstau auf den Bürgermeister-Zauner-Ring verhindern. Die Tiefgarage selbst teilt sich dann in zwei Bereiche: Im ersten Untergeschoss sind Besucherparkplätze vorgesehen, mittels einer weiteren Schranke ist das zweite Untergeschoss abgetrennt, wo ausschließlich Mitarbeiterparkplätze zu finden sind. Fünf Besucherstellplätze sind als Carsharing-Plätze angedacht - ein weiterer Anreiz, um auf ein eigenes Auto zu verzichten. Der Zugang zur Tiefgarage über ein Treppenhaus ist deshalb so geplant, dass diese auch außerhalb der Öffnungszeiten des Landratsamts erreicht werden kann.

Lastwagen, die große Lieferungen wie Wahlunterlagen oder Büromöbel transportieren, gelangen nördlich vom Bürgermeister-Zauner-Ring zum Amt, müssen also links abbiegen. Dies sei jedoch bewusst so geplant, erklärt Rube: So seien Radfahrer und Fußgänger besser sichtbar, zudem gebe es keine Konflikte mit der Tiefgarageneinfahrt. Eine weitere Lieferzufahrt soll es vom Weiherweg geben, allerdings nur für Kleintransporter, zum Beispiel Handwerker oder Paketzustelldienste.

Um das langfristige Ziel der Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) auf 75 Prozent zu erreichen, sind von Seiten des Landratsamts weitere Maßnahmen angedacht, deren konkrete Umsetzung jedoch noch überprüft werden muss. Eine davon ist die Versetzung der Bushaltestelle "Landratsamt", die sich in Zukunft direkt vor dem Haupteingang des neuen Landratsgebäudes am Bürgermeister-Zauner-Ring befinden soll. Dort sind auch Fahrradstellplätze für Besucher vorgesehen. Im Landratsamt denkt man zudem über weitere Leistungen für Mitarbeiter nach, etwa ein Carsharing-Angebot.

Obwohl die Stellplatzfrage in der Vergangenheit im Dachauer Stadtrat mitunter hitzig diskutiert worden war - unter anderem bei den Planungen des MD-Geländes - zeigten sich diesmal alle überzeugt und die Unterschreitung der Stellplatzsatzung wurde einstimmig beschlossen. Lediglich Gertrud Schmidt-Podolsky (CSU) zeigte sich skeptisch und fragte, ob das alles tatsächlich so funktionieren werde. Sie befürchtete, dass eine Tiefgarage weniger gut angenommen werde und wiederum die umliegenden Straßen zugeparkt würden. Die Stadträte beschlossen deshalb, dass bei Fertigstellung des Neubaus eine Anwohnerparkzone eingerichtet wird, die tagsüber zu 50 und nachts zu 75 Prozent den Anwohner vorbehalten ist.

Bis all das allerdings umgesetzt wird, dürfte es noch eine Weile dauern. Im nächsten Schritt ist eine detaillierte Vorstellung des Projekts für die Öffentlichkeit geplant, der Termin wird vermutlich Ende des Jahres oder zu Beginn des nächsten Jahres stattfinden.

© SZ vom 23.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite