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Neu auf dem Spielplan:Mörderjagd in Monkswell Manor

Das Hoftheater Bergkirchen bringt mit Agatha Christies "Mausefalle" einen echten Krimi-Klassiker auf die Bühne - mit herrlich schrulligen Figuren und einer Spannung, die bisweilen kaum zu ertragen ist

Von den dunkelrot tapezierten Wänden blickt Queen Victoria streng auf das gepflegte Interieur des Salons von Monkswell Manor. Ein unübersehbarer Hinweis, dass es kürzlich an diesem Premierenabend im Hoftheater Bergkirchen very british zugehen wird. Schließlich steht ein echter Klassiker auf dem Programm: Agatha Christies "Mausefalle". Ein rekordverdächtiges Stück, das seit 1952 ununterbrochen in London läuft. Und das angesichts allgegenwärtiger Blut-, Psychoterror- und Gewaltorgien in der Krimiszene irgendwie aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Aber nur vordergründig. Denn wohl kaum jemand vermochte Charaktere so exzentrisch, schrullig, überdreht und doch so undurchsichtig zu zeichnen wie die 1976 verstorbene Queen of Crime. Dass sie auf ihre Art Themen anpackte, die auch heute noch von gewaltiger Brisanz sind, zeigt dieser Theaterdauerbrenner eindringlich.

In diesem Raum befindet sich ein Mörder. Aber wer ist es?

(Foto: Toni Heigl)

Da ist zum Beispiel das Ehepaar Mollie und Giles Ralston (Janet Bens und Stephan Roth). Sie haben aus ihrem ererbten Haus eine kleine Pension gemacht und warten ungeduldig auf die ersten Gäste. Ein glückliches Paar - das aber seine Geheimnisse sorgsam hütet. Mitten im schlimmsten Wintersturm treffen nacheinander die Gäste ein. Der bizarre Christopher Wren (Tobias Zeitz) hat ein mindestens so irres Lachen wie seinerzeit Klaus Kinski. Er ist aber die Hilfsbereitschaft in Person, vor allem, wenn es darum geht, aus dem Inhalt diverser Konservendosen ein essbares Gericht zu kreieren. Die blasierte und hochfahrende Mrs. Boyle (Lisa Wittemer) zupft ständig an ihren grünen Lederhandschuhen, und schwenkt ihr dazu passendes Handtäschchen. Ganz das Gegenteil dieser Unsympathin ist Major Metcalf (Jürgen Füser), ein Gentleman, wie er im Buche steht. Miss Casewell (Helena Schneider) ist eine rotzfreche Göre, die mit weit ausgreifenden Schritten und losem Mundwerk die manierierte Mrs. Boyle immer mal wieder in die Schranken weist. Und dann taucht auch noch der undurchsichtige Mr. Paravacini (Herbert Müller) auf. Er stellt sich mit den mysteriösen Worten vor: "Ich bin der Gast, der aus der Kälte kam."

Ist die reichlich vorlaute Miss Casewell (Helena Schneider) oder der bizarre Christopher Wren (Tobias Zeitz) mit seinem irren Lachen für das Verbrechen verantwortlich?

(Foto: Toni Heigl)

Was aber haben er und die übrigen Pensionsgäste mit einem Mord in London zu tun, von dem gerade ein unsichtbarer Nachrichtensprecher via altmodischem Radio berichtet? Warum haben sie sich überhaupt in diesem weltabgeschiedenen Winkel eingemietet? Diese und viele weitere Fragen stellen sich den temporären Bewohnern von Monkswell Manor und dem Publikum Sergeant Trotter (Ansgar Wilk), der sich auf Skiern einen Weg in das mittlerweile eingeschneite Haus gebahnt hat. Und nicht zuletzt: Was hat es mit dem grausamen Schicksal eines misshandelten Kindes auf sich?

Jeder ist verdächtig in dem Stück, auch das Ehepaar Mollie und Giles Ralston (Janet Bens und Stephan Roth).

(Foto: Toni Heigl)

Mit unnachahmlicher Eleganz legt Agatha Christie falsche Spuren. Ein Kinderlied vom traurigen Schicksal dreier blinder Mäuse führt den Zuschauer in die Irre, lockt ihn wie die Protagonisten dieses Psychokrimis der eleganten Art in die Mausefalle. Die Spannung steigt ins fast Unerträgliche. Regisseur Herbert Müller und das Hoftheater-Ensemble zeigen im feinen Bühnenbild von Ulrike Beckers, welche Abgründe sich hinter den absurd-komischen Charakteren verbergen. Lisa Wittemer spielt die Möchtegern-Lady Boyle überzeugend überdreht und lässt doch einen tiefen Blick in deren Innenleben zu. Tobias Zeitz macht aus dem abgefahrenen Christopher Wren eine komische Figur, bei der das Grauen nie weit weg ist. Helena Schneider ist als Miss Casewell eine kaputte junge Frau, deren Unverschämtheit sich bald als Fassade herausstellt. Jürgen Füsers Major Metcalf ist ein Musterbeispiel dessen, was die Briten angeblich so gut können: immer die Form wahren. Herbert Müller sorgt als Schleimbeutel Paravacini für weitere Verwirrung. Janet Bens und Stephan Roth sind ein etwas seltsames Paar, dem man Liebe und Zuneigung nicht immer abnimmt. Ansgar Wilk schließlich ist ein behäbiger, aber durchaus zielstrebiger Sergeant Trotter.

Wer aber ist der Mörder? Oder ist es vielleicht eine Mörderin? Das soll, so steht es im Programmheft, nicht verraten werden. Daher nur so viel: Es ist weder der Butler noch der Gärtner. Auf jeden Fall ist diese "Mausefalle" ein großer Spaß mit Tiefgang, weshalb es eine lustige Beilage zum Programmheft gibt, die das Vergnügen an dieser Hoftheater-Inszenierung noch steigert.

Wer noch keine Karten hat, muss sich leider bis nächstes Jahr gedulden: Die Vorstellungen im Dezember sind bereits alle ausverkauft.