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Serie über KZ Dachau:Grusel statt Geschichte

Prisoners Cheer

Abgemagerte Häftlinge jubeln ihren amerikanischen Befreiern hinter dem Stacheldrahtzaun zu.

(Foto: Horace Abrahams/Getty Images)

Die neue Netflix-Serie "The Liberator" erzählt von der Befreiung des KZ Dachau. Mit historischen Fakten nehmen es die Macher nicht so genau. Warum das gefährlich ist.

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Die Szene dauert eine Minute und 18 Sekunden: Colonel Felix Sparks schreitet über einen großen menschenleeren Platz. Es ist der 29. April 1945. Sparks und seine Männer des 157. Infanterieregiment der US-Army, die "Thunderbirds", befreien das Konzentrationslager Dachau. In seiner rechten Hand hält Sparks eine Pistole, mit der linken deutet er auf ein Gebäude, auf dessen Dach weiße Ziegel einen Sinnspruch bilden. "Was steht da?", fragt der Colonel einen seiner Soldaten, der Deutsch versteht. Dieser liest vor: "Es gibt einen Weg zur Freiheit. Seine Meilensteine sind Ehrlichkeit, Sauberkeit, Nüchternheit, harte Arbeit und Liebe zum Vaterland." Sparks fragt: "Für wen ist das gedacht?" "Für sie, Sir", sagt ein anderer Thunderbird und zeigt auf die Häftlinge, die sich in Sparks Rücken still hinter einem Stacheldrahtzaun versammeln. Zu sehen sind geschätzt zwei Dutzend abgemagerte Menschen. Einige husten. Sparks geht auf die Häftlinge zu. "Das sind nur Strichmännchen", sagt er und ringt darum, die Fassung zu behalten. Ein Häftling greift mit der Hand durch den Zaun und berührt den Colonel an seiner Uniform. "Ist das ein Traum?", fragt er. Sparks dreht sich um. Er befiehlt seinen Männer, Essen, Kleidung, Medikamente und Ärzte zu holen. "Sofort", sagt er. Dann ein Cut.

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