Nach der Bundestagswahl Der Siegerin vergeht die Freude

Katrin Staffler holt als Neuling in der Politik das Direktmandat im Wahlkreis Dachau und Fürstenfeldbruck. Aber der Einbruch ihrer Partei, der CSU, auch im Landkreis, überschattet alles.

Von Viktoria Großmann und Helmut Zeller, Dachau

Drastische Einbrüche von CSU und SPD - und eine AfD, die sich im Landkreis Dachau zur drittstärksten politischen Kraft aufschwingt. Das ist die Bilanz der Bundestagswahl am Sonntag, die unter den Kandidaten und anderen Vertretern der demokratischen Parteien einen Schock ausgelöst hat.

Die CSU-Bewerberin Katrin Staffler holte zwar das Direktmandat, aber der Absturz ihrer Partei von gut 54 Prozent auf 42 Prozent der Zweitstimmen im Landkreis Dachau ließ kaum Freude aufkommen. Die Niederlage der SPD in Bayern und im Bund spiegelt sich im Landkreis-Ergebnis des Direkt-Kandidaten Michael Schrodi - trotzdem wird er über seinen Listenplatz in den Bundestag einziehen. Die FDP hat wie im Bund stark zugelegt: von 4,5 auf mehr als zehn Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 81,66 Prozent, deutlich höher als 2013 mit 74 Prozent.

Die SPD erhielt im Landkreis Dachau nur 13 Prozent der Zweitstimmen und liegt damit nur noch knapp vor der AfD, der 12,33 Prozent der Wähler ihre Zweitstimme gaben. SPD-Kandidat Schrodi, Lehrer in Olching, war der bereits zum zweiten Mal angetreten. Er sparte am Wahlabend nicht mit Kritik an der eigenen Partei. "Der Wahlkampf dümpelte vor sich hin, er hat die Menschen nicht erreicht. Die SPD war in ihren Aussagen zu zaghaft." Auf seine Partei komme sehr viel Arbeit zu, sagt Schrodi. "Ein Weiter-So kann diese Partei zerstören." Dass Schrodi im Gegensatz zu seiner Partei überzeugen konnte, zeigen die Erststimmen: Er erhielt 17 Prozent ähnlich wie vor vier Jahren. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", sagt er am Wahlabend.

Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer (Grüne) hingegen könnte einer Jamaikakoalition angehören. Die Grünen gehören mit einem Bayernergebnis von 10,5 Prozent zu den Gewinnern der Wahl und verloren im Landkreis kaum. "Wir wollen regieren, das haben wir angekündigt, und ich gehe davon aus, dass es Gespräche geben wird", sagt sie. Nach der Fraktionssitzung am Dienstag in Berlin wird sie mehr wissen. FDP und Grüne hatten sich im Wahlkampf extrem angegriffen, doch Walter-Rosenheimer mit ihren fünf Jahren Bundestagserfahrung sagt nur: "Das wird sich alles beruhigen." Mehr als beunruhigend findet sie allerdings das starke Abschneiden der AfD und die Verluste der SPD: "Ich leide mit."

Die neue Wahlkreisabgeordnete Katrin Staffler (CSU) am Wahlabend nach dem Debakel ihrer Partei.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Wie erwartet errang CSU-Kandidatin Katrin Staffler das Direktmandat für den Wahlkreis und folgt Gerda Hasselfeldt nach, die nicht mehr antrat. Allerdings blieb ihr Ergebnis ganz deutlich hinter dem ihrer Vorgängerin. Im Landkreis Dachau schnitt Staffler, die aus Dachau stammt und jetzt in Türkenfeld wohnt, besser ab als im Nachbarlandkreis Fürstenfeldbruck. Fast 46 Prozent der Erststimmen errang sie hier, in Fürstenfeldbruck 43 Prozent.

Ihre Vorgängerin hatte es 2013 auf 59,6 Prozent gebracht. Zum Feiern war der CSU im Landkreis angesichts des Bayernergebnisses nicht zumute: "Darüber brauchen wir nicht reden", sagt Staffler. Auch im Landkreis Dachau brach die CSU stark ein: Sie erreichte einen Zweitstimmenanteil von 42 Prozent - 2013 waren es noch 54 Prozent. Fürstenfeldbruck liegt auch hier fünf Prozentpunkte darunter.

"Schlimm ist das AfD-Ergebnis, das mich ehrlich gesagt, schockiert", sagt die neue Bundestagsabgeordnete Staffler. Trotz der Umfrageergebnisse: "Ich hätte es mir aber anders erhofft." Noch auf den Einzug in den Bundestag hoffen konnte vor Redaktionsschluss Florian Jäger, AfD-Kandidat im Wahlkreis. Mit seinem Listenplatz 15 hat er zwar das Ziel verfehlt. Jedoch könnte ihn ein Ausgleichsmandat nach Berlin bringen. Die AfD, so sagt er, habe klar vom Schlingerkurs der CSU profitiert.

Diese habe mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geworben, welche den entgegengesetzten Kurs zur CSU verfolge. Auch für die Gemeinderäte habe die AfD "das Potenzial und das Personal". Zur Kritik an der AfD sagte er: "Es gibt bei uns keine Hetze. Wenn man uns argumentativ nicht beikommen kann, dann versucht man es mit Verleumdung." Auch einzelne Parteimitglieder nimmt Jäger in Schutz wie Björn Höcke aus Thüringen: "An Herrn Höcke ist nichts rechtsextrem."