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MVV-Tarifreform in Dachau:Einfacher und günstiger

Das MVV-Gebiet ist jetzt in sieben Zonen eingeteilt. Eine davon ist die Innenstadt-Zone M, zu der die Gemeinde Karlsfeld gehört. Wer mit der S-Bahn von Karlsfeld nach München fährt, muss deshalb künftig weniger zahlen.

(Foto: Toni Heigl)

Am 15. Dezember tritt die MVV-Tarifreform in Kraft. Karlsfeld gehört dann zum Innenstadtbereich, Besitzer eines Landkreispasses haben Anspruch auf eine verbilligte Sozialkarte und vor allem junge Fahrgäste profitieren von den neuen Angeboten

Am Sonntag, 15. Dezember, tritt die Tarifreform des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) in Kraft. Die Neuerungen sollen, so das Versprechen, vieles einfacher und vor allem für Vielfahrer günstiger machen, das Angebot klarer strukturieren und mehr Bewegungsraum bieten. Geschäftsführer Bernd Rosenbusch spricht von einem "Meisterwerk". Was das konkret für den Landkreis Dachau bedeutet? Eine Übersicht.

Aus je nach Ticketart 16 Ringen, vier Zonen und drei Räumen werden nun einheitlich für (fast) alle Tickets sieben Tarifzonen, genauer: Die Zonen 1 bis 6 sowie die Zone M im Zentrum, die einen erweiterten Innenraum umfasst. Das bringt vor allem für alle Karlsfelder Vorteile: Zur Zone M zählt künftig dann auch ihre Gemeinde. Wer regelmäßig von Karlsfeld Richtung München pendelt, kann also beispielsweise einfach eine Monatskarte für nur noch 55,20 Euro erwerben und damit auch den gesamten Innenstadtbereich befahren. Aber auch für Pendler von Dachau nach München wird es günstiger: Sie zahlen künftig nur noch 71,17 Euro pro Monat für ihr IsarCard-Abo bei einer jährlichen Zahlung, monatlich sind es 88,90 Euro. In diesem Fall umfasst ein Ticket dann die Zonen M und 1. Wer sich von Dachau indes weiter gen Westen orientiert, muss ein Ticket ab Zone 2 lösen. Wie auch Schwabhausen, Vierkirchen-Esterhofen, Markt Indersdorf, Arnbach, Erdweg und Petershausen liegt Dachau nämlich auf der Grenze zwischen zwei Zonen, den Zonen 1 und 2. Als Faustregel kann man sich aber merken: Wer stadteinwärts fährt, entscheidet sich für die niedrigere, wer stadtauswärts fährt, für die höhere Zone. Mehrmals durchfahrene Zonen werden nur noch einmal gezählt und bezahlt.

Eine Münchner Zone und sechs weitere Zonen drumherum: das neu geordnete Tarifgebeiet des MVV. Grafik: MVV München

Stefan Löwl (CSU), der als stellvertretender Sprecher der MVV-Verbundlandkreise an den Verhandlungen beteiligt gewesen ist, begrüßt die Reform: "Es ist nun nicht nur gelungen, mit den neuen Tarifen einen ausgewogenen Mix aus Einfachheit, Gerechtigkeit und Ergiebigkeit zu schaffen, sondern auch eine deutliche Senkung der Tarife für viele Nutzer, insbesondere die regelmäßigen Pendler." Nur durch eine stärkere Nutzung des ÖPNV seien die verkehrlichen Herausforderungen der Region zu bewältigen, ist der Landrat sicher.

"Wer öfter fährt, spart mehr", so die ausgegebene Devise von MVV-Geschäftsführer Rosenbusch. Monatskarten werden deshalb bis auf wenige Ausnahmen deutlich billiger, Einzeltickets indes teurer. Statt wie bislang 1,50 Euro zahlt man dann für eine Kurzstrecke, zum Beispiel von Markt Indersdorf nach Erdweg, 1,70 Euro. Auch Tageskarten werden teurer: Zahlte man bislang 6,70 für die Strecke zwischen Altomünster und Karlsfeld, werden vom 15. Dezember an 9,50 Euro fällig.

Die Streifenkarte bleibt indes preislich stabil, je Streifen zahlt man somit weiterhin 1,40 Euro. Damit verdreifacht sich der Rabatt auf 15 Prozent gegenüber der Einzelfahrkarte. Durch die neue Sieben-Zonen-Logik werden die Abstufungen bei der Streifenkarte grundsätzlich feiner und die Preissprünge somit geringer. Das gilt auch für den Bartarif: Für eine Fahrt von Dachau nach München werden vom 15. Dezember an nur noch drei statt der bislang vier Streifen fällig.

Vergünstigungen gibt es vor allem für junge Fahrgäste, denn gerade sie sollen schon in jungen Jahren an den öffentlichen Nahverkehr herangeführt werden. Die frühe Bindung an den ÖPNV sein ein "politischer Wunsch", so Rosenbusch. Schon jetzt fahren Kinder bis sechs Jahre kostenlos und Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren können zum Kinderpreis im gesamten Netz mit nur einem Streifen fahren. Neu hinzu kommt die Streifenkarte U21: Sie kostet 7,70 Euro und mit dieser sparen 15- bis 21-Jährige 45 Prozent gegenüber dem Normalpreis. Die Karte funktioniert künftig wie die reguläre Streifenkarte für Erwachsene, allerdings ohne Kurzstrecke.

Eine weitere Neuerung für Jugendliche und junge Erwachsene ist das vom Tarifverbund beschlossene 365-Euro-Ticket für rund 360 000 Schüler und Auszubildende, das, wenn der Münchner Stadtrat sowie die Kreistage der Verbundlandkreise zustimmen, am 1. August 2020 in Kraft tritt - pünktlich zum neuen Schul- und Ausbildungsjahr. Die Kosten von 30 Millionen Euro im Einführungsjahr soll zu zwei Dritteln der Freistaat übernehmen, die Landeshauptstadt München sowie die acht MVV-Landkreise, zu denen auch Dachau zählt, würden zusammen das andere Drittel der Kosten tragen. Ob es ein solches Ticket zu einem späteren Zeitpunkt für alle Bürger geben wird, ist laut Rosenbusch "fraglich".

Neu und schon ab diesem Sonntag erhältlich ist das Sozialticket, die IsarCard S, die bislang nur für den Landkreis München galt. Sie wird zukünftig auch in allen Verbundlandkreisen unter Vorlage des sogenannten Landkreispasses angeboten. Mit der IsarCard S können auch Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren kostenlos mitgenommen werden. Den Pass kann man beim Landratsamt Dachau beantragen.

Das Mindestalter für die Seniorenkarten, die IsarCard 60, wird von 60 auf 65 erhöht, allerdings fällt die Zeitsperre weg und Senioren können auch schon vor 9 Uhr jederzeit fahren. Bereits gekaufte Zeitkarten können bis 31. März 2020 genutzt werden, bis zu diesem Zeitpunkt ist auch eine kostenfreie Erstattung jederzeit möglich.

Bei laufenden Abonnements werden vom 1. Januar 2020 an die neuen Preise entsprechend der neuen Geltungsbereiche abgebucht. Bei einer Reduzierung des Preises wird die Ersparnis automatisch erstattet, bei einer Erhöhung erfolgt bis zum Ende der Laufzeit des Abos keine Nachberechnung. Bestehende Abos können vom 1. Januar an zu den neuen Geltungsbereichen und Preisen weiter genutzt werden. Grundsätzlich gilt: Bereits gekaufte Zeitkarten können bis 31. März 2020 genutzt werden, bis zu diesem Zeitpunkt ist auch eine kostenfreie Erstattung jederzeit möglich.

Zusätzlich zur Tarifreform soll auch die Digitalisierung weiter voranschreiten: Schon jetzt kann man Einzeltickets per App kaufen. Bis Ende 2020 sollen auch alle Papierkarten auf Chipkarten umgestellt werden.

© SZ vom 13.12.2019
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