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MVV im Landkreis:Massive Beschwerden über neuen Busbetreiber

Geldhauser verdrängte örtliche Busunternehmen. Der Münchner Großbetrieb setzte sich bei einer europaweiten Ausschreibung durch.

(Foto: Toni Heigl)

Seit Montag fahren die Busse der Firma Geldhauser auf vier MVV-Linien. Fahrgäste erleben abenteuerliche Szenen.

Beim Landratsamt gehen reihenweise Beschwerden über chaotische Verhältnisse auf einigen MVV-Buslinien ein. Busse ohne Fahrzielanzeige, Chauffeure, die weder Routen noch Haltestellen kennen, Fahrpläne, die nicht eingehalten werden - viele Fahrgäste sind massiv verärgert. Seit Montag werden die MVV-Linien 708, 723, 725 und 727 von dem Münchner Großunternehmen Geldhauser bedient, das eine europaweite Ausschreibung gegen die bisherigen lokalen Betreiber gewann. Seither reißen die Klagen über abenteuerliche Zustände auf diesen Linien nicht ab. Das Landratsamt will so schnell wie möglich Abhilfe schaffen. "Es gibt klare qualitative Vorgaben, die eingehalten werden müssen", sagt Albert Herbst, der im Landratsamt für den MVV-Verkehr zuständig ist. Er will den Geschäftsführer des Busunternehmens und den Betriebsleiter zum Rapport bestellen.

Am Montagmorgen wollten zwei Mädchen aus Vierkirchen mit einem Bus der Linie 708 von Pasenbach nach Markt Indersdorf in die Schule fahren. Sie wussten nicht, in welchen der vier Busse sie einsteigen sollten, weil die Anzeige der Fahrziele keinen Sinn ergab. Als sie einen Busfahrer fragten, wohin er fahre, erhielten sie die Antwort: "Ich weiß es nicht." Den Mädchen war nicht klar, ob der Mann die Route der Buslinie meinte oder die Frage nicht richtig verstanden hatte, denn er sprach kaum ein Wort Deutsch. Eines der Mädchen stellte sich dann neben den Fahrer und erklärte ihm, wo er die Kinder ein- und aussteigen lassen muss. Der Fahrer hatte auch Schwierigkeiten, mit dem Schließmechanismus für die Türen umzugehen.

Der Fahrer winkte - und fuhr weiter

Das andere Mädchen musste an der Haltestelle stehen bleiben, weil der zweite Bus brechend voll war. Zweimal fuhr an der Haltestelle ein leerer Bus vorbei, aus dem der Fahrer winkte, aber nicht anhielt. Andere Schüler baten ihre Eltern per Telefon, sie in die Schule zu fahren. Die beiden Mädchen kamen erst zur zweiten Schulstunde in der Schule an. Ihre Mutter, die der SZ von den chaotischen Erlebnissen der Töchter berichtete, macht sich nun Sorgen um die Sicherheit der Kinder. "Wie geschult ist dieses Personal?", fragt sie. "Ich habe ein sehr, sehr ungutes Gefühl, meine Kinder mit dem Schulbus in die Schule fahren zu lassen."

Die Beschwerde der Mutter aus Vierkirchen ist kein Einzelfall, wie Albert Herbst im Gespräch mit der SZ bestätigt. Es gab reihenweise Klagen aus vielen Gemeinden, auch Bürgermeister riefen im Landratsamt an. "Es war klar, dass es bei der Umstellung Anlaufprobleme gibt", sagt Herbst. "Aber diese Zustände sind ein No-Go." Es gebe vertraglich vereinbarte Qualitätsstandards, die eingehalten werden müssten.

Vertragsstrafen schließt das Landratsamt nicht aus

Das Landratsamt will jetzt mit dem Geschäftsführer und dem Betriebsleiter über die Unregelmäßigkeiten sprechen. Sollte sich der Betrieb auf den Linien nicht schnell verbessern, will Herbst Vertragsstrafen für das Unternehmen nicht ausschließen. "Wir müssen aber erst die andere Seite hören", sagt Herbst. "Bis dahin gehen wir jeder einzelnen Beschwerde nach." Als Riesenproblem sieht er einen Mangel an geeigneten Fahrern. "Der Markt ist leer." Unternehmen beschäftigten viele ausländische Fahrer, die schlechte Sprach- und Ortskenntnisse haben.

Bis zum Montag wurden die vier MVV-Linien Jahre lang von örtlichen Busunternehmen betrieben. Doch bei einer europaweiten Ausschreibung kamen sie nicht mehr zum Zug. Grund dafür ist eine EU-Verordnung, die ein offenes Verfahren vorschreibt. Wichtigstes Vergabekriterium ist der Preis.

© SZ vom 16.12.2015/gsl

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