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Musikfestival im Thoma-Haus Dachau:Auferstanden

Mama makes Coffee präsentieren hippen Deutschpop.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Das Festival "Plug and Play" hat in den vergangenen Jahren weniger gezündet. Nun, im achten Jahr, zündet es umso mehr. 500 Menschen tanzen stundenlang im Thoma-Haus. Publikum und Bands erleben eine glückliche Familienfeier.

Als die ersten Töne auf dem Plug-and-Play-Festival im Ludwig-Thoma-Haus erklingen, stehen viele Besucher immer noch auf den Treppen und warten auf Einlass. Der Andrang ist groß an diesem Samstagabend. Etwa 500 Besucher zählen T4U-Sänger Rainer Rackl, der die Organisation des Mini-Festivals in diesem Jahr zum ersten Mal von Robert Freudenberg übernommen hat, und seine Helfer. Es ist ein Abend, der vielen unvergesslich bleiben wird. Elf Bands, jede darf genau 1111 Sekunden lang spielen, der Eintritt kostet 6,66 Euro: Das Konzept, erfunden von der Band Just Chanpero, ist bekannt. Was sich auf der Bühne und im Saal abspielt, übertrifft die Erwartungen und haucht dem Plug and Play neue Energie ein.

Jesse Garon and Friends gehören zu den Gruppen, die zum ersten Mal dabei sind. Sie spielen ohne Gage, wie alle anderen auch. "Elvis lebt", kündigt Rackl die fünf Musiker an. Und wer die Augen schließt und einfach zuhört, hat wirklich das Gefühl, dass es der King of Rock 'n' Roll ist, der da auf der Bühne die Hüften schwingt. Nur eigene Songs haben die Jungs von Chasin' Friday dabei. Die Fürstenfeldbrucker Indierock-Band repräsentiert die Nachwuchsgeneration - und profitiert von dem, was die ursprüngliche Idee des Plug and Play war: eine Plattform, die es jungen Musikern und neuen Bands erlaubt, sich zu präsentieren. Intra Anima gibt es zwar schon seit 2013, aber auch sie spielen zum ersten Mal beim kleinen Dachauer Festival. "Piano, Gitarren und unsere Stimmen, mehr brauchen wir nicht", schreibt die Acoustic-Folk-Pop-Gruppe auf ihrer Facebook-Seite. Und sie haben recht. Beeindruckend: die reife und vielseitige Stimme des jungen Philip Donath. Kein Wunder, dass die Gruppe schon ihren eigenen Fanclub hat, der jubelnd ein Intra Anima-Plakat in die Höhe streckt.

Vanagon Drive ist ein Familienprojekt. "Nur der Bassist ist nicht mit der Band verwandt", erklärt Bruno Kazek. Genau wie die Gruppe tritt der junge Mann an der Akustik-Gitarre zum ersten Mal beim Plug and Play auf. Sängerin Angi Papadopoulos ist kein Neuling auf den Dachauer Bühnen: Jahrelang war sie die Frontfrau von 6-Elements und sang bei der Vokalgruppe Casa del Bo. Dort machte sie gemeinsam mit Kathrin Birkeneder Musik, die das Publikum mit ihrer neu formierten Gruppe Mama Makes Coffee und wie gewohnt voll positiver Energie zum Mittanzen bringt. Deren Drummer wiederum spielte ebenfalls bei 6-Elements - genau wie Plug-and-Play-Organisator Rainer Rackl.

Just Chanpero, Orange Fizz, Bad Cats, 8-Ball-Band - die Verbindungen zwischen ehemaligen, älteren und neuen Bands sind zahlreich. "Ich wurde oft gefragt, ob das Plug and Play ein Wettbewerb ist", erzählt Rainer Rackl, "das ist es aber überhaupt nicht. Es ist ein Come-Together der Dachauer Musikszene, ein Familientreffen". Familiär ist die Stimmung in der Tat: Das Publikum begrüßt jubelnd alte Bekannte und Lokalmatadoren wie Just Chanpero, die Xanglbuam oder die Andy-Müller-Band auf der Bühne. Musiker mischen sich nach ihrem Auftritt unter die Zuschauer und feuern die anderen Bands an. Es ist eine einzige, über dreieinhalb Stunden nicht nachlassende Party - auch dank fantastischem Sound und Licht, die von der Bavaria Veranstaltungstechnik beigesteuert werden.

So wechseln sich auf der Bühne alte Hasen mit Neulingen ab. Aber nicht nur dort: Zwar sind viele im Publikum nicht zum ersten Mal beim Plug and Play dabei. Aber nach acht Jahren zieht das Konzept noch immer neue Zuschauer an. Ramona Reiß und Christine Treiber sind ganz spontan gekommen. "Wir haben uns gefragt, was das Plug and Play wohl ist, und wollten es uns einfach mal anschauen", sagen die beiden 24-Jährigen. Elf Bands für so wenig Geld, das sei schon ein ungewöhnliches Angebot. Nun sind die jungen Dachauer Frauen froh, dass sie gekommen sind, und genießen die ausgelassene Stimmung: "Es hat sich auf jeden Fall gelohnt."

Von einem Höhepunkt des Abends zu sprechen wäre falsch. Die musikalische Qualität ist beeindruckend. Keine der elf Bands fällt aus dem Rahmen. Wunderbare Geigentöne wie bei T4U oder Rays mit seinem irisch-stämmigen Frontmann Ray O'Sullivan wechseln sich mit hippem Deutschpop von Mama makes Coffee, All-Time-Classics von Andy Müller und Just Chanpero und der mitreißenden Mundartdichtung der Xanglbuam ab. Kurz vor dem Ende dann tritt eine Gruppe auf, die den Saal zum Beben bringt wie keine andere vor ihr: Godwave. Über und über mit silberner Farbe bemalt toben die Karlsfelder über die Bühne. Ein Sturm aus energetischen Gitarrenriffs, wildem Gesang und dem donnernden Schlagzeugspiel von Vrön Hauger fegt über das Publikum hinweg. Als "Stoner Rock 'n' Roll" bezeichnet die Gruppe ihre Musik. Beim Plug and Play klingt vieles nach monumentalem Metal - inklusive charakteristischem Growlen von Frontmann Luka Juros. Und so manch ein Zuhörer lässt richtig los und tanzt sich die Seele aus dem Leib. Es ist ein fulminanter Abend, den Rackl da auf die Beine gestellt hat. "Das beste Plug and Play seit Jahren", sagt Kathrin Birkeneder. Die Dachauer Musik-Szene lebt - und wie.