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Musical:Am Anfang war das Schafott

Räuber Kneissl Revival Musical

Hintersinnige Anspielungen, kunstfertige Kompositionen und pointierte Texte machen das Kneissl-Musical zum stimmigen Gesamtkunstwerk.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Nach der umjubelten Aufführung des "Räuber-Kneissl-Revivals" gibt es nun noch eine Zusatzvorstellung

Noch keine Kult-A-8-Veranstaltung dürfte vom Publikum so gefeiert worden sein wie das Musical "Räuber-Kneissl-Revival" im Schlossgut Sulzemoos. Die nächsten zwei Vorstellungen sind bereits ausverkauft; nur für eine wegen der großen Nachfrage zusätzlich geplante Aufführung am Sonntag, 9. April, um 19 Uhr gibt es noch Karten. Das Besondere an dem Stück ist, dass alle Mitwirkenden Laien sind und aus der näheren Umgebung kommen: aus Pfaffenhofen an der Glonn, Odelzhausen und Hohenzell. Die Idee zu dem Stück wurde im Kreis der "Glonn Stars" entwickelt, die vor zwei Jahren mit einer musikalischen Collage aus Opern- und Operettenmelodien ihr Debüt gaben. Anders als damals hat Reinhold Klein - von Beruf Arzt in Pfaffenhofen an der Glonn - diesmal ein eigenständiges Libretto verfasst. Die Texte, an denen im Team noch weiter gefeilt wurde, haben es in sich: Sie sprühen vor Witz und hintersinnigen Anspielungen auf die Gegenwart.

Die hat mit Kleins Libretto nämlich sehr viel mehr zu tun als der historische Hintergrund. Zwar darf sich der legendäre Wilderer, Räuber und Polizistenschreck Kneissl, der einige Jahre in direkter Nachbarschaft zum Sulzemooser Schloss gelebt hat, ohnehin über ein ausdauerndes Nachleben im Bewusstsein der Menschen freuen - der Gedanke aber, was aus ihm im 21. Jahrhundert noch alles hätte werden können, ist neu. In Reinhold Kleins Text wird die Geschichte Kneissl, der in der damaligen Gesellschaft keine Chance hatte, vom Ende her erzählt: Der Gang zum Schafott bildet den Anfang einer wundersamen Wiederkehr ins Leben - und zwar in das des Jahres 2017. Politik und Kriminalität im Wandel der Zeiten, gespiegelt an der Person des Mathias Kneissl - das ist Kleins Thema.

Reinhold Klein selber singt die Titelrolle: Mit seiner kraftvollen Stimme füllt er, auch ohne Mikrofon, spielend den rund 150 Besucher fassenden Saal im Schloss. Perfekt ergänzt wird sein Bariton von zwei Sopranistinnen. Marliese Zech hat die Rolle einer "guten Fee" übernommen, die nach Kneissls irdischem Ableben die Dinge doch noch zum Guten wendet. Zech hat vor vielen Jahren beim Chor der "Glonnspatzen" zu singen begonnen und lässt ihre Stimme so wie Klein seit längerem professionell weiter ausbilden. Als umtriebiges musikalisches Allround-Talent kennt man Birgit Battran, die Kneissls Gefährtin Mathilde gibt: Battran ist seit Jahren als Chorsängerin und -leiterin aktiv, ebenso als Lehrerin für Gitarre und Flöte und nicht zuletzt als Gründerin der Theatergruppe Odelzhausen. Sie verkörpert die Mathilde nicht nur mit schöner Stimme sondern auch ansteckender Spielfreude.

Mehrfache Auftritte hat auch Tenor Toni Fischer: Er muss als Scharfrichter erst Kneissl aufs Schafott führen und im weiteren Verlauf immer wieder als "Moritatensänger" den historischen Kontext herstellen. Als Sprecherin zwischen den Szenen agiert Franziska Schönherr. Schöne Stimmen und zündende Ideen machen allein aber noch kein erfolgreiches Musical aus: Dazu bedarf es noch der dazu passenden Musik. Für sie hat Jürgen Offermann gesorgt, ausgebildeter Kirchenmusiker. In seinen mitreißenden, mal swingenden und groovenden, mal getragenen Kompositionen geht er nicht nur sensibel auf die Inhalte des Bühnengeschehens ein sondern auch auf die Stimmen der Sänger. Selbst das Publikum darf mitwirken und sich als "Chor" mit einbringen.

Was sich in Kneissls "zweitem" Leben ereignet, welche Höhen gesellschaftlicher und politischer Anerkennung er noch erreicht - das soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Die textlichen und szenischen Einfälle unter Regie von Franziska Schönherr entfesseln immer wieder Lachstürme.

Karten im Vorverkauf zu zwölf oder acht Euro, im Hermes-Shop Aigner in Odelzhausen (08134/ 99 72 82) oder in Schloss Sulzemoos (08135/938 921).

© SZ vom 06.04.2017

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