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Prozess in München:"Du hast Glück, dass du ein Kind dabei hast, sonst wärst du dran"

Ein Mann reißt eine Frau im Zug zu Boden und entkleidet sie teilweise, ein Mitreisender verhindert Schlimmeres. Später attackiert der Mann eine zweite Frau. Nun muss er ins Gefängnis.

Ein 37-jähriger Mann, der in einer Regionalbahn auf der Fahrt von München nach Dachau Ende April dieses Jahres zwei Frauen sexuell genötigt und belästigt hat, ist vor dem Landgericht München II zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft forderte sieben Jahre und drei Monate für die Tat. Der Verteidiger des 37-Jährigen hatte für die Verhängung einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten plädierte. Nach Verkündung des Urteils kam es zu einem Eklat. Der Angeklagte begann sich lautstark darüber zu beschweren, dass er für die Tat eine Haftstrafe bekommen habe. Wäre er ein "weißer Mann", behauptete der aus Nigeria stammende Angeklagte, dann würde er nicht verfolgt werden.

Kurz nachdem die Regionalbahn am späten Abend des 30. April in München losgefahren war, hatte der Angeklagte sich neben eine ihm unbekannte Frau gesetzt und sie in ein anzügliches Gespräch verwickelt. Kurz bevor der Zug in den Dachauer Bahnhof einfuhr, entblößte der 37-Jährige plötzlich sein Glied und begann daran zu manipulieren.

Als die Frau aufstand, um wegzugehen, berührte sie der im Landkreis Pfaffenhofen lebende Angeklagte im Intimbereich. Anschließend riss er sie zu Boden, legte sich auf sie, drückte ihr den Mund zu, damit sie nicht schreien konnte und entkleidete sie teilweise. Obwohl ihr der Mund zugehalten wurde, gelang es der 36-Jährigen dennoch zu schreien, so dass ein anderer Fahrgast in der oberen Etage des Doppelstockwagens aufmerksam wurde und einschritt. Nachdem sie sich befreit hatte, löste die 36-Jährige einen Alarm aus. Sie habe sich nach der Attacke in einem "Gefühlschaos" befunden, berichtete die Frau bei ihrer Vernehmung vor Gericht. Ihr sei schwindlig und schlecht gewesen.

Von dem Übergriff standen dem Gericht Bilder von Überwachungskameras zur Verfügung. Sie zeigen, wie der 37-Jährige nach der Tat den Fahrgast, der eingeschritten war, mit einer abgebrochenen Bierflasche bedrohte, dann aber das Abteil verließ und weiter durch den Zug lief. Dabei traf er auf eine Mutter mit ihrem zwölfjährigen Sohn. Ihr fasste der Angeklagte unvermittelt an die linke Brust. Anschließend beugte er sich über die Frau und sagte zu ihr: "Du hast Glück, dass du ein Kind dabei hast, sonst wärst du dran."

© SZ vom 21.10.2020 / sal
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