Verkauf von Christbäumen:"Die Leute kaufen ihre Bäume jedes Jahr früher"

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Ein Baum braucht Pflege: Und um die kümmert sich Adolf Hutner vom Himmelreicher Christbaummarkt. (Foto: Toni Heigl)

Die Christbaum-Verkaufssaison startet an diesem Wochenende erneut unter schwierigen Bedingungen. Wegen der aktuellen Corona-Lage müssen die Händler einige Auflagen erfüllen. Warum sie dennoch optimistisch sind.

Von Felix von den Hoff, Dachau

Die Temperaturen sinken, der erste Schnee dieses Winters ist angesagt und Lebkuchen stehen schon seit Wochen in den Supermarktregalen. Doch nichts läutet die Weihnachtszeit wohl mehr ein als ein grüner, reich geschmückter Christbaum im Wohnzimmer. Mit dem Schlagen des ersten Baumes auf dem Tannenhof Oberweilbach im Landkreis Dachau startet an diesem Freitag die Saison, damit jeder Haushalt bei Bedarf bis zum 1. Advent am Sonntag seinen Baum erhalten kann. Die Verkäufer prognostizieren trotz Corona bedingter Auflagen ein gutes Geschäft und folgen mit kreativen Ideen vor allem einem Thema, das für ihre Kunden immer mehr an Bedeutung gewinnt - Regionalität.

Schon bevor der eigentliche Verkauf am Samstag startet, hat Claus Meier vom Christbaumstadl Indersdorf alle Hände voll zu tun. Die Großbäume für die Firmen sind bereits gefällt und müssen nun verschickt werden. "Damit sie pünktlich zum ersten Advent schon stehen", erklärt er. Seit 20 Jahren produziert und verkauft er auf seinem Hof Christbäume in allen Größen. Diese können entweder frisch geschlagen auf dem Hof gekauft oder in der Kultur direkt dahinter selbst geschnitten werden. Als Spektakel für die ganze Familie erwarte er vor allem dort wieder einen großen Andrang. "Die Leute wollen einfach wissen, wo der Baum herkommt, wo er gewachsen ist", erklärt Meier. Bäume, die mit der Banderole "Bayerischer Christbaum" gekennzeichnet sind, seien deshalb bei vielen Kunden besonders gefragt. Das Zertifikat verpflichtet neben der Regionalität zu weiteren Auflagen. So dürfen die Bäume in den vergangenen drei Jahren nicht mit Pestiziden behandelt und nicht vor dem 10. November geschnitten worden sein.

Umweltschonend: Michael Hutner macht einen Baum mit vollständig recycelbarer Sisalschnur transportierfähig. (Foto: Toni Heigl)

"Heuer sind die Bäume wirklich schön geworden", schwärmt Meier. Das liege an den guten Voraussetzungen. Die Nordmanntanne - weiterhin mit Abstand der Bestseller unter den Christbäumen - sei in diesem Jahr durch die hohe Feuchtigkeit sehr schön gewachsen. Der Preis werde aber nicht steigen: Wie schon seit mittlerweile neun Jahren kostet der Meter zwischen 18 und 25 Euro.

Was neben dem Christbaumverkauf auf den Höfen und Plantagen stattfinden kann, ist noch unklar. In Meiers Christbaumstadl soll es zur Stärkung wie jedes Jahr auch Würschtl und Glühwein geben - doch diesmal wohl nur To-Go. "Mit der Wurschtsemmel in der Hand können die Leute dann in die Kultur und ihren Baum aussuchen", sagt Meier. Sitzmöglichkeiten darf er keine anbieten, der Verkauf ist wie schon im vergangenen Jahr nach draußen verlegt worden und auch eine Maskenpflicht herrscht dort zumindest im Verkaufsstand. Weiter seien eine Hütte mit regionalen Produkten auf dem Hof und Führungen durch die Kulturen geplant, "um den Christbaum ganz im Zeichen der Regionalität näher an den Kunden" zu bringen, sagt Meier. Wie diese Ideen umgesetzt werden können, muss allerdings noch im Austausch mit dem Landratsamt entschieden werden. Trotz aller Widrigkeiten erwartet der Verkäufer eine gute Saison. Wenn die Leute schon daheimbleiben müssten, "dann wollen sie es sich wenigstens schön machen", mutmaßt er. Und das so schnell wie möglich. "Die Leute kaufen ihre Bäume jedes Jahr früher." Schon am ersten und zweiten Adventswochenende erwartet er deshalb einen großen Andrang.

Dem Kunden ein buntes Programm rund um den Christbaumkauf zu bieten, ist auch auf dem Tannenhof Oberweilbach seit vielen Jahren Teil des Geschäftsmodells. Die Anhängerfahrten mit dem "Tannenhof Express" in die Christbaumkultur sollen bei Stefan Spennesberger auch in diesem Jahr stattfinden. Der hauseigene Weihnachtsmarkt auf dem großen Gelände wird dagegen nicht wie geplant zustande kommen. Neben einer Weihnachtsbäckerei und Kripperlhütte sollten dort auch regionale Produkte von Betrieben aus den umliegenden Landkreisen verkauft werden. Wegen der aktuellen Corona-Lage müsse man nun improvisieren, einige Hütten schließen oder umstellen, sagt Spennesberger, "damit kein Marktcharakter zu Stande kommt". Glühwein und etwas zu essen für jeden, der nach dem Baumfällen eine Stärkung braucht, wird es aber trotzdem geben.

Auf den Verkauf von Speisen und Getränken verzichtet der Himmelreicher Christbaummarkt in Neuhimmelreich bei Bergkirchen komplett. "Wir sind ein reiner Christbaumverkauf", sagt die Verantwortliche des Marktes, Gisela Hutner. Einen wärmenden Punsch gebe es trotzdem - gratis zum Baumkauf. Auch in Neuhimmelreich sind die Vorbereitungen noch in vollem Gange. Ihr Mann kümmere sich jeden Tag um die Bäume, sagt Hutner. "Die werden ja nicht von alleine so schön." Wie der Christbaumstadl Indersdorf hat auch der kleine Familienbetrieb den Trend der vergangenen Jahre erkannt - und sich angepasst. Das erste Mal wird der Weihnachtsbaum vom Himmelreicher Christbaummarkt in diesem Jahr mit vollständig recycelbarer Sisalschnur im sogenannten Tannen-Twister plastikfrei verpackt.

© SZ vom 26.11.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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