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Motiv unklar:Brandstiftung in Asylunterkunft

Nach dem Feuer am Freitag in Vierkirchen wird ein tatverdächtiger Bewohner verhaftet

Von Christiane Bracht, Vierkirchen

Der Brand in der Asylunterkunft in Vierkirchen am Freitagnachmittag, bei dem ein 20-jähriger Gambier eine leichte Rauchgasvergiftung erlitt, ist offensichtlich absichtlich gelegt worden. Der Tatverdächtige sitzt bereits in Untersuchungshaft. Es ist laut Staatsanwaltschaft München II der Bewohner des völlig ausgebrannten Zimmers, ebenjener 20-jährige Gambier. Derzeit lautet der Vorwurf gegen ihn auf schwere Brandstiftung, ein Delikt, das laut Gesetz nicht unter einem Jahr Freiheitsstrafe geahndet wird. Ob es dabei bleibt, ist unklar, denn es könnte auch eine besonders schwere Brandstiftung angenommen werden, wenn die Ermittlungen ergeben, dass der mutmaßliche Täter einen anderen Menschen in Todesgefahr gebracht hat. Über die Motive schweigt die Staatsanwaltschaft. Die Sache ist noch nicht abschließend geklärt.

Doch aus dem Umfeld des Flüchtlingsheims ist zu hören, dass der 20-Jährige tief verzweifelt gewesen sein soll. Er soll die Tür zu seinem Zimmer abgesperrt und dann den Brand gelegt haben. Als das Feuer in der Unterkunft bemerkt wurde, seien mehrere Bewohner in der Küche gewesen, berichtet ein Geflüchteter, der auf dem gleichen Gang wohnte wie das Opfer. Die Bewohner wollten ein muslimisches Fest feiern. Seinen Angaben zufolge war der 20-Jährige in einem sehr schlechten psychischen Zustand. Trotz Feuer verließ er sein Zimmer nicht, berichtet der Mann der SZ, der sich nicht traut, seinen Namen oder die Nationalität zu nennen, aus Angst vor den Behörden. Doch die Mitbewohner kämpften sich zu dem Gambier durch und trugen ihn gerade noch rechtzeitig durch das Fenster hinaus, bevor das Feuer richtig ausbrach, und die Flammen meterhoch aus dem Fenster schossen. Die meisten Asylsuchenden, die in Vierkirchen untergekommen sind, leben schon seit fast fünf Jahren dort. Die meisten kommen aus afrikanischen Ländern, viele haben ein Arbeitsverbot, andere einen abgelehnten Asylantrag, erklärt die Asylsozialberaterin von der Caritas, Maria Guggenmoos. Dennoch bemüht sie sich den Leuten eine Perspektive aufzuzeigen. "Aber sie haben keine, hier zu bleiben", bringt ein 33-jähriger Freund einer der Bewohner das Dilemma auf den Punkt. Auch er will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. "Viele empfinden die Container als Gefängnis, weil sie nur dort bleiben dürfen", sagt der Allershausener.

In der Brandnacht wollten die etwa 20 Bewohner, die nicht mehr in ihre Zimmer zurück konnten, bis auf einen unbedingt in Vierkirchen bleiben. Sie kamen im zweiten Containerkomplex unter. "Es ist eine starke Gemeinschaft. Schön, den Zusammenhalt zu spüren", sagt Guggenmoos. Doch in der nächsten Woche werden die ersten in andere Unterkünfte verlegt. Nach Einschätzung von Landratsamt und Fachfirmen wird es gut zwei Wochen dauern, bis ein Teil der vom Brand in Mitleidenschaft gezogenen Container saniert sein wird. Vom 24. August an sollen Sanitärbereich und Küche wieder nutzbar sein. Die restliche Sanierung wird voraussichtlich acht Wochen in Anspruch nehmen, sagt der Sprecher des Landratsamts, Wolfgang Reichelt.

© SZ vom 06.08.2020

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