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Mobilitätsstudie:Luftige Alternativen

Der Landkreis denkt über moderne Verkehrsmittel wie Seilbahnen oder eine Magnetschwebebahn nach. Ein Forschungsprojekt der Bundeswehruniversität zeigt, dass einige Pendler diese Fahrzeuge nutzen würden

Eine Seilbahn oder Magnetschwebebahn von Dachau nach München? "Manche sagen: Was soll das?" Mit dieser Frage führte Landrat Stefan Löwl (CSU) am Montag auf die Ergebnispräsentation eines Forschungsprojekts rund um moderne Verkehrsmittel im Landkreis Dachau hin. Es würden immer mehr Menschen hier leben und die würden immer mobiler, schob Löwl nach. Deshalb müsse man auch über Seilbahnen und weitere alternative Verkehrsmittel nachdenken. Nachgedacht beziehungsweise analysiert und in der Bevölkerung nachgefragt hatte für den Landkreis in einem ersten Schritt die Universität der Bundeswehr München. Und so wurde am Montag im Landratsamt Dachau eine Auswahl der Ergebnisse der Studie "Moderne Verkehrsmittel für den ÖPNV im Landkreis Dachau" präsentiert.

In der Studie wurden verschiedene Technologien untersucht, die potenziell in Frage kommen könnten. Dazu gehören laut Studie eine Umlaufseilbahn (vergleichbar mit Gondelbahnen in Skigebieten), eine Pendelbahn (ähnlich der Zugspitzbahn), eine Standseilbahn im Pendelbetrieb (auf Schienen, ähnlich der Festungsbahn in Salzburg), eine Mini-Metro (eine Spezialform der Standseilbahn) und das sogenannte Transportsystem Bögl (eine fahrerlose Magnetschwebebahn). Näher erläutert wurden all diese Möglichkeiten von Professor Klaus Bogenberger von der Technische Universität (TU) München und Michaela Tießler von der Universität der Bundeswehr. Die Verkehrsmittel würden sich etwa in ihrer Leistung hinsichtlich der transportierten Personen pro Stunde, aber beispielsweise auch in ihrer Variabilität bezüglich der Streckenführung unterscheiden, so Bogenberger. Beispielsweise hätten Umlaufbahn und Pendelbahn ihren Fahrweg in der Luft, Standseilbahn und Mini-Metro auf einer Schiene und das Transportsystem Bögl laufe auf einer speziellen Fahrbahn.

Seilbahn Koblenz

Eine Seilbahngondel fährt in Koblenz am Reiterstandbild von Kaiser Wilhelm am Deutschen Eck vorbei.

(Foto: Thomas Frey/dpa)

Um die Vor- und Nachteile der Verkehrsmittel für bestimmte Umgebungen und Streckenführungen in der Region zu erforschen, wurden drei Beispielstrecken ausgewählt: von Pasing entlang der A 8 bis Augsburg, von Dachau über Karlsfeld in den Norden Münchens und von Haimhausen nach Lohhof. Laut Studie kommt etwa für die Streckenführung entlang der A 8 nur das Transportsystem Bögl in Frage, da die Strecke mit gut 50 Kilometern Luftlinie für die anderen Systeme zu lang sei. Für die übrigen Strecken seien auch andere Systeme teilweise denkbar. Die Konkretisierung eines realisierbaren Trassenverlaufs, die Grundstücksverfügbarkeit sowie die Integration ins bestehende Verkehrssystem wären laut Bogenberger allerdings große Herausforderungen.

Neben der Streckenuntersuchung war auch eine nicht repräsentative Umfrage Teil des Forschungsprojekts. Insgesamt beteiligten sich daran mehr als 3400 Personen. Ein Großteil der Befragten wolle derzeit nach München zum Arbeiten, gut 1800 Probanden wohnen in der Stadt oder im Landkreis Dachau. Um zu pendeln würden derzeit viele der Befragten das Auto nutzen, so Bogenberger. Gut 1500 Befragte seien aber grundsätzlich bereit, auf den öffentlichen Verkehr umzusteigen. Die größte Bereitschaft zeigten die Teilnehmer dabei für das Transportsystem Bögl. Die potenziellen Strecken entlang der A 8 und von Dachau nach München wurden von den Teilnehmern als besonders relevant erachtet, die Strecke Lohhof-Haimhausen war dagegen weniger relevant. Anschließend wurden den Teilnehmern, die sich einen Wechsel des Verkehrsmittels vorstellen konnten, verschiedene Szenarios vorgestellt, bei denen sie aus verschiedenen Kombinationen von Verkehrsmitteln für bestimmte (Teil-)Strecken wählen konnten. Dabei hätten die Befragten selbst bei erhöhter Reisezeit teilweise eine hohe Umstiegsbereitschaft auf moderne Verkehrsmittel gezeigt, so Bogenberger.

Neubiberg, Bundeswehruni, Kinderuni, Klaus Bogenberger erklärt die Wirkung von Staus; Foto: Angelika Bardehle

Experte für den Nahverkehr - auch was Seilbahnen anbelangt: TU-Professor Klaus Bogenberger.

(Foto: Angelika Bardehle)

Zusammenfassend habe die Befragung ergeben, dass der Wunsch nach einer besseren Anbindung an den öffentlichen Verkehr deutlich sei, sagte Bogenberger. Die Bereitschaft zum Wechsel nehme er aus den Ergebnissen mit, betonte Landrat Stefan Löwl. Eine Lösung der Mobilitätsprobleme werde mit den klassischen Verkehrsträgern kaum gelingen. Aufgrund der schwierigen Trassensuche müsse man auch andere Dimensionen in den Blick nehmen. U-Bahn-Strecken seien dabei oft zu teuer, daher bleibe nur der Raum über dem Boden.

© SZ vom 19.02.2020

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